Tigerfelle sind Prestigeobjekt.

© EPA/HOTLI SIMANJUNTAK

Wissen Wissenschaft
10/01/2020

Illegaler Handel mit Tigern bedroht das Überleben der Wildtiere

WWF und der deutsche Verband der Zoologischen Gärten fordern ein Verbot des kommerziellen Handels mit Tigern und Tigerteilen.

Europa ist Drehkreuz des internationalen Tigerhandels. Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien zählen zu den 30 größten Exporteuren und Importeuren von Tigern weltweit. Das soll sich ändern, fordern die Umweltstiftung WWF und der deutsche Verband der Zoologischen Gärten. Sie wollen ein Verbot des kommerziellen Handels mit Tigern und Tigerteilen. Denn der illegale bzw. schlecht regulierte Handel sei auch eine Gefahr für die letzten wildlebenden Exemplare. 

Blühender Handel über Drittstaaten

Dem aktuellen Report des WWF zufolge sind zwischen 2013 und 2017 von insgesamt 187 exportierten, lebenden Exemplaren 43 zu kommerziellen Zwecken, wie etwa der Zucht bei Privathaltern, gehandelt worden.

Hinzu kommen 73 Tiger, die in Zirkussen, Freizeitparks und Wandertiershows weltweit landeten, etwa in Thailand, Vietnam, China, Singapur, Russland und der Türkei. Darüber hinaus gab es 95 Beschlagnahmungen von Tigerprodukten. Besonders beliebt sind Felle als Trophäe sowie Penis und Knochen als angebliche Medizin.

Nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen Cites ist jeder kommerzielle Handel mit Tigerprodukten eigentlich verboten.

199 Zootiere in Europa - plus Privatzüchter

Derzeit werden laut Zoo-Informations-System 199 Tiger in europäischen Zoos gehalten. Auch jenseits der Zoologischen Gärten gebe es hierzulande viele Tiger in „menschlicher Haltung“, erläutert Arnulf Köhncke, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. „Allerdings wissen wir nicht einmal die genaue Anzahl und wo sie sich befinden, da jedes Land unterschiedliche nationale Bestimmungen hat.“ Nur wenige EU-Länder erfassten die Bestände von Großkatzen-Haltern und Privatzüchtern. „Bei der privaten und kommerziellen Haltung gibt es Schlupflöcher, die gestopft werden müssen“, ergänzt Jörg Junhold, Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten und Direktor des Zoo Leipzig.

Weniger Wildtiere als in Käfigen

In freier Wildbahn leben derzeit etwa 3890 Tiger. Eine deutlich höhere Anzahl dieser Großkatzen lebe weltweit in privater Haltung oder auf Tigerfarmen, die nicht ausreichend kontrolliert würden.

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