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Wissen Wissenschaft
07/16/2021

Hecken binden so viel Kohlenstoff wie Wälder

Forscher haben errechnet, wie viele Meter Hecke neu gepflanzt werden müssten, um das CO2 zu kompensieren, das jeder von uns emittiert.

Sophie Drexler und ihre Kollegen waren fleißig: „Für die Berechnungen haben wir alle verfügbaren Daten zu Humus und Biomasse in Hecken zusammengetragen – 13 Studien und eigene Daten mit insgesamt fast 150 untersuchten Hecken“, sagt die Forscherin vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig. Was sich nach der Analyse herausstellte, verblüfft: Pro Hektar wird in einer Hecke im langjährigen Mittel fast genauso viel Kohlenstoff gebunden wie in Wäldern.

Tauschgeschäft

In Zahlen gegossen bedeutet das: Eine auf Ackerland neu gepflanzte Hecke von 720 m Länge kann die gesamten Treibhausgas-Emissionen, die ein Durchschnittsbürger innerhalb von 10 Jahren emittiert, kompensieren. Auch eine Erklärung haben die Klimaforscher parat: Die hohe Dichte an Ästen und Zweigen und die guten Wuchsbedingungen machen Hecken zu perfekten Klimaschützern. Besonders viel Kohlenstoff wird auch in den Wurzelstöcken gebunden.

Die meisten Emissionen kommen als Methan aus dem Verdauungstrakt von Rindern, auch beim Düngen von Äckern und Grünland wird Lachgas freigesetzt. Viele dieser Emissionen sind schwer oder gar nicht vermeidbar, weil sie aus biologischen Prozessen stammen. Zusätzlich werden große Mengen Kohlendioxid durch die landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden emittiert.

Landwirtschaft & Klima

Insgesamt entstehen in der Landwirtschaft etwa zwölf Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen – zumindest in Deutschland. Klimaneutralität ist auf diesem Sektor also nur erreichbar, wenn an anderer Stelle Emissionen wieder kompensiert werden. Dazu können Hecken einen Beitrag leisten. Denn: Durch die Einlagerung von Kohlenstoff in der Biomasse der Hecke und als Humus im Boden können neue Hecken Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen und klimaunschädlich machen.

Darum noch ein letztes Zahlenbeispiel der Forscher, das auch auf Österreich umlegbar sein dürfte: Eine Gemeinde mit 5.000 Einwohnern kann die mit dem Milchkonsum verbundene Treibhausgasemission von zehn Jahren durch das Pflanzen von sechs Hektar Hecken und Feldgehölzen kompensieren. Die größte Wirkung für den Klimaschutz entfalten Hecken übrigens, wenn sie auf Ackerböden angepflanzt werden. Denn hier wird zusätzlicher Kohlenstoff nicht nur in der Biomasse, sondern auch im Boden als Humus gebunden.

Kühlung

So nebenbei schützen Hecken den Boden vor Winderosion und haben kühlende Wirkung. Ein Dürresommer richtet in einer heckenreichen Agrarlandschaft weniger Schaden an. Nutzt man den anfallenden Strauchschnitt als Holzhackschnitzel, kann der Klimaschutzeffekt von Hecken sogar noch vergrößert werden. Projektleiter Axel Don ist überzeugt: „Es gibt kaum eine Klimaschutzmaßnahme im Agrarbereich, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielbar ist.“

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