Die Biene ist wichtig für die Natur: Bei ihren Sammelflügen bestäubt sie Blüten.

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Wissen Wissenschaft
05/20/2020

Genügsame Überflieger: Was Bienen schätzen und was ihnen zu schaffen macht

Österreich ist besonders artenreich. Die Insekten mögen ungefüllte Blüten und leiden unter Pestiziden.

von Hedwig Derka

Seit 110 Millionen Jahren bevölkern Bienenwesen den blauen Planeten in einer einzigartigen Symbiose mit Blütenpflanzen. Vor drei Jahren bekamen die Überflieger ihren eigenen Tag. Alljährlich wird nun am 20. Mai die Leistung der Bestäuberinnen und Honig-Produzentinnen hervorgehoben und zum Schutz der gefährdeten Insekten aufgerufen.

„Obwohl das Land relativ klein ist, kommen in Österreich sehr viele Wildbienenarten vor“, sagt Dominique Zimmermann, Expertin für Hautflügler im Naturhistorischen Museum Wien. Allein am Bisamberg nördlich von Wien wurden 350 der 703 heimischen Arten gesichtet. „Vor allem der Osten hat Bienen viele Standorte zu bieten“, sagt die Biologin. Auch das eher trockene Klima freut die Tierchen. Honigbienen etwa, Rekordhalterinnen im Weitflug, sind bei gutem Wetter bis zu zehn Kilometer am Tag unterwegs.

Dabei brauchen die wilden Arten nicht viel für ihr Glück. „Bienen sind genügsam. Solbad sie eine Nahrungsquelle und einen Niststandort haben, kommen sie auf einer kleinen Fläche zurecht“, sagt Zimmermann. Baumhummeln z.B. fliegen auf Lindenblüten, Gehörnte Mauerbienen steuern bevorzugt Blaustern, Lerchensporn und Obstbäume an.

75 Prozent der Bienen leben als Solitärbienen alleine, 15 Prozent nützen als Kuckucksbienen fremde Nester für die eigene Brut. Hochsoziale Gemeinschaftsformen wie Staaten sind die Ausnahme.

50 Prozent aller Bienenarten gelten als gefährdet. Pestizide, industrielle Landwirtschaft und Monokulturen machen den Insekten zu schaffen.

170 verschiedene Geruchsrezeptoren machen Bienen zu super Spürnasen. Mit drei Punkt- und zwei Facettenaugen, bestehend aus 8000 Einzelaugen, sehen sie 300 Bilder pro Sekunde.

103 Wildbienenarten sind in Österreich bekannt, darunter die Steppenbiene (mit 4 mm mini) und die Blauschwarze Holzbiene (mit 30 mm maxi). Weltweit sollen es mehr als 20.000 Arten sein.

71 der 100 wichtigsten Nutzpflanzen rund um den Globus werden von  Bienen bestäubt.

1 Honigbienenart ist in Europa heimisch. In Österreich kümmern sich etwa 29.000 Imker um 370.000 Bienenvölker.

„Wählen Sie im Garten Pflanzen mit ungefüllten Blüten. Achten Sie darauf, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein immer Pflanzen blühen“, rät die Umweltberatung. Und: „Erlauben Sie den Bienen, ihrem Brutgeschäft im Garten nachzugehen.“ Viele Arten nisten im Boden und suchen unbewachsene, häufig sandige Bodenstellen für ihre Eiablage aus. Andere nützen Holz oder hohle Stängel. Nicht zuletzt gilt „Hände weg von Pestiziden und Herbiziden“.

Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmitteln setzen den friedlichen Immen arg zu. Dem entsprechend fordert aktuell die Europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ von der EU-Kommission, Landwirten einen Systemwandel zu ermöglichen sowie den Ausstieg aus synthetischen Pestiziden und die Förderung der Artenvielfalt. Global 2000 sammelt noch bis 30. September Unterschriften.

Eine Biene hat den Überlebenskampf längst gewonnen: die Biene Maja. Waldemar Bonsels schrieb ihre Abenteuer 1912 auf; gerüchteweise im Wettstreit mit seinem schwermütigen Hausgenossen Bernd Isemann. Dessen Ameisen konnten mit dem frechen Bienchen freilich nicht mithalten.

Wildbiene, Wespe und Hornisse: Nicht alles, was schwarz-gelb ist, sticht. Nicht alles, was nicht derart gestreift ist, ist harmlos.

Wildbienen: Honigbienen zählen wie ihre dicken Schwestern, die haarigen Hummeln, zu den Wildbienen. Ob Alpenhummel oder Blattschneiderbiene, ob Baumhummel oder Maskenbiene:  Die meisten Bienenarten verfügen über einen Stachel. Das Abwehrsystem hat sich im Laufe der Evolution aus dem Eilegeapparat gebildet. Heißt: Nur Weibchen können stechen. In Kombination mit Gift haben die Insekten im Notfall eine Waffe zum eigenen Schutz sowie zur Verteidigung von Brut bzw. Vorräten. Für Menschen sind die Stiche – mit Ausnahme von Honigbienen und Hummeln – kaum schmerzhaft. Der Stachel der Sandbienen z.B. ist so schwach, dass er die menschliche Haut nicht durchdringt.

Wespen: Echte Wespen – darunter die Gemeine Wespe und ihre große Schwester, die Hornisse, – benützen ihren Stachel, wenn vorhanden, zur Überwältigung und Lähmung ihrer Beute sowie zur Abwehr eines Angreifers bzw. Störenfriedes. Im Gegensatz zu Bienen können sie mit ihrem Jagd- und Verteidigungsapparat beliebig oft zustechen und dabei Gift einspritzen. Menschen empfinden einen Hornissenstich schmerzvoller als einen Wespenstich, obwohl er weniger Gift enthält. Bei einem Stich im Mund droht stets Erstickungsgefahr.

Bremsen und Gelsen: Die speziellen Fliegen stechen so wie die Mücken mit ihren Mundwerkzeugen zu. Beide können Krankheiten übertragen. Dabei saugen nur die Weibchen zeitweise Blut, Männchen schlürfen immer Nektar.