Newborn baby in first of many small hospital beds

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Wissen Wissenschaft
07/15/2020

Forscher: "Massiver sozialer Wandel" wegen weniger Geburten

Globale Geburtenrückgänge führen zu einem enormen sozialen Wandel in der Zukunft, so Forscher, die Fertilitätsraten bis 2100 berechneten.

Wissenschafter der Universität in Washington haben Berechnungen über Geburtenraten in 195 Ländern weltweit angestellt und kommen zu einem alarmierenden Schluss: "Der Großteil der Welt wird mit einem natürlichen Geburtenrückgang zu tun haben. (...) Das ist einzigartig, wir werden die Gesellschaft neu organisieren müssen."

Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin Lancet publiziert und sagt, dass die Weltbevölkerung bis 2064 auf 9,7 Milliarden ansteigen, aber bis zum Ende des Jahrhunderts auf 8,8 Milliarden schrumpfen wird.

1950 hat eine Frau im Schnitt 4,7 Kinder bekommen, 2017 waren es nur noch 2,4. Bei einem Schnitt von 2,1 beginne die Bevölkerung zu schrumpfen, so die Forscher.

Sie berechneten, dass im Jahr 2100 im Schnitt nur noch 1,7 Kinder von einer Frau geboren werden. Professor Christopher Murray sprach via BBC von "atemberaubenden" Vorhersagen.

Bevölkerung in China, Italien und Spanien halbiert

Demnach würde sich die Bevölkerung in 23 Ländern wie China, Thailand, Spanien oder Portugal bis 2100 sogar halbieren. Indien würde China laut Berechnungen als bevölkerungsreichstes Land ablösen.

Auch Italien hätte statt 61 Millionen Einwohnern nur noch 28 Millionen und Japan hätte anstatt 128 Millionen Einwohnern wie im Jahr 2017 nur noch weniger als 53 Millionen am Ende des Jahrhunderts.

Grund für diesen immensen Rückgang sei die immer besser werdende Schulbildung der Frauen und Empfängnisverhütung.

Die Entwicklung sei eine "gute Nachricht" für die Umwelt, sagte Murray, denn eine kleinere Weltbevölkerung könne die Nahrungsmittelproduktion zurückfahren und den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Für Länder in Subsahara-Afrika bringt das dort prognostizierte Bevölkerungswachstum nach Ansicht von Murray wirtschaftliche Chancen mit sich. Für die meisten Länder außerhalb von Afrika dürfte die sinkende Zahl an Arbeitskräften aber "tiefgreifende negative Folgen für die Wirtschaft" haben.

So sinke die Zahl der Arbeitskräfte in China beispielsweise von rund 950 Millionen heute auf 350 Millionen 2100 - ein Rückgang von 62 Prozent. In Nigeria steige sie hingegen von heute 86 Millionen auf 450 Millionen.

Gesellschaft überaltert

Auf der anderen Seite werden die Menschen immer älter, immer wenige Junge zahlen Steuern und haben für die Versorgung von Senioren aufzukommen. Die alternden Gesellschaften müssten daher ihre Sozial- und Gesundheitssysteme reformieren, mahnten die Studienautoren.

"Wir brauchen neue Richtlinien", so Murray. "Das wird einen massiven sozialen Wandel herbeiführen. Und es macht mir Sorgen, weil ich eine achtjährige Tochter habe und mich frage, wie die Welt bald aussehen wird."

Mächte sind bald Nigeria und Indien

Der Chefredakteur des Journals The Lancet, Richard Horton, erklärte, die Studie zeige eine radikale Verschiebung der geopolitischen Machtverhältnisse. "Am Ende dieses Jahrhunderts wird die Welt eine multipolare sein, in der Indien, Nigeria, China und die USA die wichtigsten Mächte sind."

Details zur Studie hier

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