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Wissen Wissenschaft
10/21/2020

Dringend gesucht: Pädagogen für die Kindergärten

In der Steiermark gibt es jetzt eine Crash-Kurs Ausbildung. Praktiker kritisieren, dass die Rahmenbedingungen den Beruf wenig attraktiv machen.

von Ute Brühl

Kindergärten haben oft Probleme, ausreichend Personal zu finden. In der Steiermark hat das jetzt dazu geführt, dass Personen unter gewissen Voraussetzungen schon nach einem 30-stündigen Crash-Kurs eine Kindergartengruppe leiten dürfen.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was der Bund hier ändern könnte
  • Warum der Kindergarten so wichtig ist
  • Welche Rahmenbedingungen das Problem sind

Heftige Kritik daran kam vom Berufsverband der Kindergartenpädagoginnen und von den Neos. Deren Bildungssprecherin Martina Künsberg-Sarre ärgert, „dass hier nicht der Bund aktiv wird. Er könnte über eine Bund-Länder-Vereinbarung und finanzielle Anreize dafür sorgen, dass Länder und Kommunen, die ja für den Kindergarten zuständig sind, höhere Qualitätsstandards gewährleisten.“

Elmar Walter von der St. Nikolausstiftung in Wien vermutet, „dass die Kommunen auch deswegen beim Kindergarten sparen, weil der Personenkreis, der an einem guten Kindergarten Interesse hat, überschaubar ist, denn für Eltern steht der Kindergarten nicht mehr im Fokus, sobald ihre Kinder in die Schule gehen.“

Erste Bildungseinrichtung

Dabei müsste es im Interesse aller liegen, dass Kinder bestmöglich gefördert werden, betont seine Kollegein Susanna Haas, die auch Mitglied im KURIER-Bildungsbeirat ist: „Wenn man es ernst damit meint, dass der Kindergarten die erste Bildungseinrichtung ist, darf man in der Qualität keinen Schritt zurückgehen.“ Denn hier werden die Grundlagen für die spätere Bildungslaufbahn gelegt: Lesen, Schreiben, Rechnen, das soziale Miteinander, Alltagswissen – für all das wird hier die Basis gelegt. Fehlt diese, so wird es in der Schule ganz schwierig, diese Defizite auszugleichen.

„In der Ausbildung lernen die Pädagoginnen und Pädagogen vieles, was für ihre Arbeit relevant ist: Methoden, wie man eine lernförderliche Umgebung schafft, – und sie lernen, jedes einzelne Kind zu sehen. Das heißt: Sie erkennen, wo ein Kind steht, und was es für den nächsten Entwicklungsschritt braucht.“

Die Politik fordert von den Kindergärten diese Qualität ein, wie Haas sagt: „Doch die Form der Ausbildung ist seit mehr als 30 Jahren dieselbe, auch die Rahmenbedingungen in den Kindergärten sind seither unverändert. Die Pädagoginnen haben keine zusätzliche Zeit für die aktuell notwendigen Aufgaben bekommen, um etwa Kinder zu dokumentieren und darauf basierend weitere Bildungsimpulse zu setzen.“

Weniger Gehalt, weniger Freizeit

Für Elmar Walter ist das eine der Ursachen, warum so viele ausgebildete Pädagogen nicht im Beruf bleiben. „Im Vergleich zu einer Volksschullehrerin haben sie mehr Stunden in der Gruppe, weniger Gehalt, weniger Ferien und weniger Vorbereitungszeit.“

Auch die Gruppengrößen seien im internationalen Vergleich viel zu groß. „In Wien ist im Kindergartengesetz für eine Gruppe von 25 Kindern eine Pädagogin und eine halbe Assistentinnenstelle vorgesehen “, sagt Walter. „Kleinere Gruppen und mehr Planungszeit würde den Beruf attraktiver machen.“ ute brühl

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