Unerwünschter Immigrant: Asiatische Hornisse erstmals in Österreich gefangen

Imker in Sorge: Asiatische Hornissen nun auch in Österreich
Jetzt sind Imker alarmiert, denn die "Vespa velutina" gefährdet Honigbienen. Ein Vorsorgeplan wurde erstellt.

Sie sind laut, haben einen schwarzen Rücken - und sind eine Gefahr für heimische Honigbienen: Nun scheint die Asiatische Hornisse, die ursprünglich in Ostasien heimisch ist, auch in Österreich angekommen zu sein. Erstmals wurde diese Woche ein Exemplar entdeckt, wie am Donnerstag bekannt wurde. Die einzelne Hornissen-Königin war durch durch das geöffnete Fenster in das Labor einer Klinik geflogen und konnte lebend gefangen werden.

Die Salzburger Imker sind nun höchst beunruhigt. Denn die "Vespa velutina" jagt zur Aufzucht ihrer Brut Insekten - auch Honigbienen. Für die heimischen Bienen bestehe dann eine Gefahr, wenn es den Asiatischen Hornissen gelinge, erfolgreich Nester zu gründen. "Dann haben wir ein akutes Problem", sagte Renner. "Wo das Handling mit dem Schädling nicht gelungen ist, wird die Imkerei zum Erliegen kommen." Folglich werde auch der Obst- und Gartenbau einen Schaden erleiden.

2004 wurde die Gattung, die leicht mit heimischen Arten verwechselt werden kann, in Frankreich eingeschleppt. Die in Salzburg gefangene Königin wurde von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit des Gesundheitsministeriums, Anm.) als Asiatische Hornisse identifiziert.  Nun werde geprüft, ob die Königin begattet worden ist und ob noch weitere Exemplare in der Umgebung (wo auch ein Wohnmobilstandplatz ist) sind. Als Vorsichtsmaßnahme wurden nach einem Alarmplan nicht nur die österreichischen, sondern auch die bayerischen Imkereien verständigt, weil der Fundort im grenznahen Bereich zu Deutschland lag. In weiterer Folge werden die Blaulichtorganisationen, Gemeinden und auch die Bevölkerung sensibilisiert.

Ungefährlich für Menschen

Die Asiatische Hornisse sei für die Zivilbevölkerung aber nicht gefährlicher als die heimischen Arten, erklärte der Landes-Imkermeister. Die Menschen sollten sich gleich verhalten wie bei anderen Hornissen. Falls man Nester findet, solle man diese nicht wegräumen. Der Imkerhof Salzburg hat eine eigene Telefon-Hotline unter +43 (0)664/99025539 eingerichtet. Wer eine "Vespa velutina" beobachtet oder Nester entdeckt, soll sich bei der Hotline, oder bei der AGES oder beim Land Salzburg melden.

Die Tiere sollen jedenfalls nicht gefangen oder getötet werden, da Verwechslungen mit heimischen Arten möglich sind. Im Gegensatz zur Europäischen Hornisse hat die Asiatische Hornisse keine rotbraune Kopfoberseite, sondern eine schwarze. Auffallend sind auch die schwarzen Beine mit gelben Spitzen. Der Brustabschnitt ist schwarz, der Hinterleib ist großteils schwarz mit orangem Band.

Charakteristisch sind die Nester mit einem Durchmesser von 40 bis 60 Zentimetern mit seitlichem Ausgang in hohen Bäumen. Das Hornissenvolk besteht aus durchschnittlich 6.000 Individuen, wobei nur die Königinnen überwintern. Die Asiatische Hornisse ist für gesunde Menschen genauso ungefährlich wie die heimische Hornisse, Vespa cabro. Allergische Reaktionen sind aber möglich. Beide Arten verhalten sich friedlich und greifen Menschen normalerweise nur bei Bedrohung an. Besonders beunruhigend wirkt der geräuschvolle Flug.

Laut AGES sind seit dem Jahr 2015 Vorkommen der Asiatischen Hornisse in weiten Teilen Frankreichs, in Portugal, Spanien, Italien und Deutschland bekannt. 2016 erreichte sie die Kanalinseln und Großbritannien. 2017 wurde eine fortpflanzungsfähige Königin in der Schweiz (Kanton Jura) gesichtet. 2023 wurde die Asiatische Hornisse in Ungarn nahe der österreichischen Grenze beobachtet. Eine Verbreitung wird für ganz Europa bis Südskandinavien möglich gehalten. Bei dem Exemplar, das am 9. April in Salzburg gefunden worden ist, handle es sich nach derzeitiger Einschätzung aufgrund der Jahreszeit um einen Einzelfund, vermutlich einer Königin ohne etabliertes Nest.

Hornissen lauern den Bienen auf

Die Vespa velutina ist deshalb für die Imker von Interesse, da sie bevorzugt soziale Hautflügler (Bienen, Wespen, Fliegen), Spinnen und Heuschrecken jagt, um ihre Brut zu versorgen, wie die AGES auf ihrer Homepage informiert. Die Frage, welch großen Schaden sie bei Bienenvölkern verursachen kann, wird unterschiedlich beurteilt. Die Vespa velutina ist tagaktiv und jagt ihre Beute im Flug. Vor den Bienenstöcken lauert sie den heimkehrenden Bienen im Schwebeflug auf. Bei hoher Dichte der Asiatischen Hornisse kann es zur Schwächung der Völker und sogar zu Völkerverlusten kommen. Im Spätherbst, wenn die Stärke anderer Insektenpopulationen zurückgeht, können ungefähr 75 Bienen pro Tag erbeutet werden.

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