Im Wiener Stadtpark steht seit 1883 ein Wetterhäuschen

© Wikicommos

Wissen Wissenschaft
07/23/2021

Als Österreichs Wetterfrösche Weltspitze waren

Vor exakt 170 Jahren hob der Kaiser einen der ältesten Wetterdienste der Welt aus der Taufe – die "Centralanstalt für meteorologische und magnetische Beobachtungen".

von Susanne Mauthner-Weber

An manchen Tagen wurden sie förmlich belagert. Gotisch, barock oder im Renaissance-Stil, ausgerüstet mit Windfahne, Hygro-, Baro- und Thermometer sowie mit Uhren, die den Zeitunterschied zu Paris, Pest und Petersburg anzeigten. Im 19. Jahrhundert bekam fast jeder Park sein Wetterhäuschen. Sich für Regen, Wind und Grade zu interessieren, wurde modern.

Da scheint es nur logisch, dass die Grundlagen der Wetterforschung  in der Habsburgermonarchie gelegt wurden. „Im 18. Jahrhundert gehörte Österreich zu den ersten Ländern, die konsequent mit Messungen begonnen haben“, erzählt Klimaforscher Herbert Formayer. „Im Kloster Kremsmünster starteten bereits 1762 Reihenmessungen, die bis heute andauern.“

Meteorologie in der Monarchie

1848 beauftragte die Akademie der Wissenschaften dann Karl Kreil, den Direktor der Sternwarte zu Prag, ein meteorologisches Beobachtungssystem für die österreichische Monarchie zu entwerfen. Forscher stürzten sich auf die vielfältige Topografie und die unterschiedlichen Klima-Zonen – von den Alpen über Küstenregionen bis zur ungarischen Steppe.

Ein Jahr später kam es, wie es hierzulande kommen musste: Eine Institution musste her.

 

Am 23. Juli genehmigte  Kaiser Franz Joseph „mit Allerhöchster Entschließung die Centralanstalt für meteorologische und magnetische Beobachtungen (siehe Bild oben) und ernannte Kreil zum Direktor, und weil der außerdem Physik-Professor an der Uni Wien war, wurde auch die k. k. Centralanstalt ein wissenschaftliches Forschungsinstitut. Diese Personalunion, zwischen Direktor einerseits und Universitätslehrer andererseits, ist auch am heutigen 170. Geburtstag noch Tradition.

Österreichischen Meteorologenschule

Die Natur der Monarchie habe es den Wissenschaftern leicht gemacht, das Klima zu untersuchen, meinte Julius von Hann, der dritte Direktor. In seiner Ära begann man von einer „österreichischen Meteorologenschule“ zu sprechen. Gemeint war die Summe wissenschaftlich-meteorologischer Leistungen, die zu Hanns Zeiten von der Zentralanstalt in Wien ausgingen.

Formayer: „Um 1900 gab es  nur noch eine weitere  meteorologische Schule –  die norwegische. Da waren wir Weltspitze, weil in Österreich brillante Physiker arbeiteten, und bei der Atmosphärenforschung spielt Physik nun einmal eine große Rolle.“ Hann,  Professor an den Unis Wien sowie Graz und von 1877 bis 1897 Direktor, sei auch einer der ersten Klimatologen gewesen. „Er war federführend beim Erforschen des Klimas im Alpenraum,  hat  als erster den Föhn physikalisch richtig beschrieben und wurde dreimal für den Nobelpreis vorgeschlagen“, erzählt  Formayer.

117 Messstationen

Da lieferte die Centralanstalt längst eine tägliche Wetterkarte. Schließlich gab es seit 1860 117 Messstationen in der Monarchie.

Der Prognosedienst ist bis heute Kerngeschäft der ZAMG, die erst seit 1904 so heißt. Da kam der seismische Dienst für Österreich dazu und man wurde in Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik umgetauft. Mittlerweile sind die Aufgaben vielfältig: Erdbeben registrieren; vor Schadstoffen und sogar  Radioaktivität in der Luft warnen; erforschen, was Grün mit dem Stadtklima macht; Risiken von Starkregen verständlich machen; Frühwarnsysteme für Nutzpflanzen aufs Handy bringen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.