Wissen und Gesundheit
16.05.2017

Wie sehr Erektionsstörungen Männern zu schaffen machen

Ob Körperimage oder Selbstbewusstsein: Alles leidet, wenn Mann nicht kann.

"In der Sexualität geht es in erster Linie um Kommunikation. Sie ist viel mehr als nur Befriedigung und Fortpflanzung." Diesen Satz schickt der Urologe Prim. Univ.-Doz. Eugen Plas voran, ehe er über die Ergebnisse der großen "German Male Sex Study" berichtet, einer Studie mit 45-jährigen Männern in Deutschland. 16 Prozent der Studienteilnehmer waren von Erektionsstörungen betroffen – eine Größenordnung, die in diesem Alter auch auf Österreich zutrifft.

Die Untersuchung – sie wird auf der Jahrestagung der österreichischen und bayerischen Urologen und Andrologen präsentiert – ergab, dass die Auswirkungen auf die Psyche größer sind als bisher angenommen: "Die von Erektionsstörungen betroffenen Männer empfinden mehr sozialen Druck", sagt Plas, Leiter der Abteilung für Urologie im Wiener Hanusch-Krankenhaus. "Sie sind unzufriedener mit ihrem Körperimage, haben ein geringeres sexuelles Selbstwertgefühl und eine geringere Wahrnehmung ihrer eigenen Männlichkeit."

Traditionell

Und: Männer mit Erektionsproblemen entwickeln häufiger ein traditionelles Rollenbild (Motto: "Ich bin der Ernährer der Familie"), Männer mit intaktem Sex-Leben seien hingegen deutlich partnerschaftlicher orientiert.

"Viele legen in der Sexualität zu wenig Wert auf Kommunikation – wir schieben die Pornoindustrie vor, aber kommunizieren zu wenig", betont Plas. "Sehe ich, welche Wünsche mir der andere signalisiert? Oder geht es mir nur um rasche Befriedigung?" Zu sehr sei das Bild von Sexualität auch von dem eines jungen Paares geprägt: "Ich kenne viele wirklich alte Menschen, die sexuell hoch aktiv sind. Aber es ist eine andere Form der Sexualität, als wir sie in den Köpfen haben. Da geht es viel um körperlichen Austausch, um Kommunikation, um den sogenannten Kuschelfaktor."

Öffentliche Wahrnehmung

Wenn junge Menschen öffentlich schmusen, "finden das viele süß", sagt Plas. Bei Erwachsenen ist es okay, aber bei älteren macht uns das irgendwie betroffen."

Dabei sei es gerade dieser kommunikative homo- oder heterosexuelle Austausch mit der Partnerin oder dem Partner, der dem jeweils anderen signalisiert: "So, wie ich bin, bin ich okay".

Was Plas auch betont: Der größte Risikofaktor für sexuelle Beeinträchtigungen der Frau sind sexuelle Störungen des Mannes. So erhöht eine verzögerte Ejakulation das Risiko für eine Erregungsstörung der Frau um das 26-Fache. Relativ neu ist die Möglichkeit, Störungen der Erektion auch mit Stoßwellen zu behandeln – in der Regel sind es sechs Sitzungen, ein spezieller Schallkopf gibt die Wellen ab. "Ein Teil der Männer berichtet über Verbesserungen, andere nicht." Für ein abschließendes Urteil sei es noch zu früh: "Ob sich das durchsetzt, lässt sich heute noch nicht sagen."