Wissen 05.12.2011

Wie gesund sind die Österreicher?

Zwölf Jahre hindurch soll der Gesundheitszustand von rund 10.000 Österreichern regelmäßig überprüft werden.

Es wird die bisher größte - und längste - Studie zum Gesundheitszustand der Österreicher werden: Voraussichtlich ab Herbst werden rund 10.000 Menschen aus Ostösterreich über zwölf Jahre hindurch mehrfach untersucht.

Geleitet wird die Studie vom Ludwig Boltzmann Institut für COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Pneumologische Epidemiologie am Otto-Wagner-Spital in Wien. Der Wiener Krankenanstaltenverbund und das Gesundheitsministerium unterstützen das Projekt. Zwar ist die Entstehung von Lungenkrankheiten ein Schwerpunktthema. Es werden aber auch Daten zur Herz-Kreislauffunktion, Ernährung, Fettverteilung, etc. erhoben.

Risikofaktoren

Beispiel Luftschadstoffe: Es ist unbestritten, dass sie etwa das Risiko für Asthma erhöhen. "Manche Menschen sind aber aufgrund ihrer genetischen Veranlagung empfindlicher und gefährdeter als andere", sagt Sylvia Hartl, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). "Eine Fragestellung der Studie ist: Wie können wir die Menschen herausfiltern, die ein höheres Risiko haben? Wie lange müssen die Schadstoffe einwirken? "

Der Einfluss der Umgebungsluft auf die Lunge werde unterschätzt, sagt Hartl. Alleine an der chronischen Lungenentzündung COPD leidet rund eine Million Menschen in Österreich, 400.000 sollten behandelt werden. In der Praxis sind es weit weniger, weil Warnsignale - Husten, Auswurf, Atemnot - nicht ernst genommen werden. Darüber hinaus ist die Behandlungsqualität sehr unterschiedlich. So sei in 50 Prozent der versorgenden Spitäler keine Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) möglich, sagt Prim. Univ.-Prof. Otto Burghuber, Präsident des Lungenärztekongresses, der diese Woche in Wien stattfindet. Die sei aber notwendig, um das Stadium der Erkrankung zu diagnostizieren und den Behandlungserfolg zu überprüfen.

Lungensport

Nordic-Walking macht Lungenpatienten fitter und aktiver.
© Bild: APA

Für Aufsehen sorgte eine Studie von Burghubers Abteilung am Otto-Wagner-Spital: COPD-Patienten waren drei Monate lang in ein betreutes Nordic-Walking-Training eingebunden, danach übten sie den Sport alleine aus. Fazit nach neun Monaten: Die Patienten waren nicht nur fitter und konnten deutlich längere Strecken zurücklegen. Sie waren auch insgesamt viel aktiver. Eine dreiwöchige stationäre Rehabilitation sei bei COPD hingegen nicht zielführend, weil der Effekt danach relativ rasch verpuffe. "Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining kann den Unterschied zwischen Pflegebedürftigkeit und einem selbstbestimmten Leben machen", so Burghuber.

Heftig diskutiert wird derzeit, ob Hochrisiko-Patienten für Lungenkrebs (älter als 55, mehr als 1,5 Packungen Zigaretten am Tag, starke Raucher seit 30 Jahren) jährlich vorsorglich eine Computertomografie-Untersuchung durchführen lassen sollten. Eine US-Studie hat gezeigt, dass dadurch die Sterberate um 20 Prozent gesenkt werden kann. Burghuber rät aber trotzdem ab: Denn bei 96 Prozent der verdächtigen Fälle hat sich nach einer Gewebeentnahme der Verdacht nicht erhärtet: "Es gibt viele unnötige Untersuchungen und eine große Verunsicherung der Patienten."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011