Antigen-Test

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Wissen
04/27/2021

Wer erkrankt an Corona? Forscher fordern Datenzugang

Wissenschafter fordern schon lange erfolglos Zugang zu Gesundheitsdaten. Es geht unter anderem um den Einfluss bestimmter Vorerkrankungen und Medikamente auf den Krankheitsverlauf.

Wissenschafter dr√§ngen auf einen besseren Datenzugang zur Bek√§mpfung der Coronakrise. So kritisiert der Komplexit√§tsforscher Peter Klimek, dass nicht erhoben wird, welche Berufe mit besonders hohem Ansteckungsrisiko verbunden sind. Die Corona-Ampelkommission hat daher zuletzt die Verkn√ľpfung der Gesundheitsdaten von Bund, L√§ndern und Sozialversicherungen gefordert. Letztere k√∂nnen sich das vorstellen - aber unter eigener Oberhoheit, wie Dachverbands-Chef Peter Lehner sagt.

Wissenschafter fordern seit einem Jahr erfolglos Zugang zu Gesundheitsdaten, um den Einfluss bestimmter Vorerkrankungen und Medikamente auf den Krankheitsverlauf zu erforschen. Die Ampelkommission hat die Verkn√ľpfung der Gesundheitsdaten mittels Personenkennzeichen zuletzt in ihren Forderungskatalog aufgenommen. So soll unter Einbindung der Krankenhausdaten der L√§nder gepr√ľft werden, inwiefern (Re)Infektionen zu schweren Krankheitsverl√§ufen f√ľhren. Aber auch der "sozio√∂konomische Status" der Erkrankten (also etwa Beruf, Einkommen und Bildung) soll pseudonymisiert ausgewertet werden.

Bestimmte Branchen schwerer betroffen?

Damit k√∂nnte gekl√§rt werden, ob in bestimmten Branchen ein h√∂heres Ansteckungsrisiko herrscht, wie Komplexit√§tsforscher Klimek gegen√ľber der APA sagt. Beispielsweise argumentieren Vertreter der Wirte gerne damit, dass seit der √Ėffnung in Vorarlberg keine einzige Corona-Infektion in einem Lokal registriert wurde. Dabei liefern internationale Studien sehr wohl "eindeutige Belege" f√ľr Ansteckungen in Gastronomiebetrieben, wie Klimek mit Verweis auf Norwegen betont.

Das Norwegische Institut f√ľr √Ėffentliche Gesundheit hat n√§mlich im November Kellnerinnen und Kellner als Berufsgruppe mit dem h√∂chsten Infektionsrisiko identifiziert. Danach folgen andere Jobs mit viel Kundenkontakt - etwa Schaffner, Bus- und Taxifahrer sowie √Ąrztinnen und √Ąrzte, aber auch Reinigungspersonal und Kinderbetreuer. F√ľr √Ėsterreich liegen derartige Auswertungen nicht vor, obwohl alle n√∂tigen Informationen vorhanden w√§ren. Denn jede mit Covid-19 infizierte Person wird im Epidemologischen Meldesystem (EMS) erfasst. Diese Daten k√∂nnte man √ľber Personenkennzeichen mit Informationen der Sozialversicherung verkn√ľpfen. Das ist derzeit aber nicht erlaubt, kritisiert Klimek: "Damit kann man nicht herausfinden, ob es Berufsgruppen gibt, die sich h√§ufiger oder weniger h√§ufig anstecken. Das w√§re aber gut zu wissen, um √Ėffnungsschritte zu planen."

Sozialversicherung will F√ľhrung

Der Chef des Dachverbands der Sozialversicherungstr√§ger, Peter Lehner (√ĖVP), k√∂nnte sich eine Auswertung der Daten durchaus vorstellen. Er betont auf APA-Anfrage allerdings, dass die Daten im Bereich der Sozialversicherung bleiben sollten, weil dort auch die "Elektronische Gesundheitsakte" (ELGA) liegt. "Wir haben unsere gesicherten Netze", verweist Lehner auf den n√∂tigen Datenschutz. Einbeziehen m√∂chte Lehner neben den EMS-Daten des Bundes auch Spitals- und Pflegedaten der L√§nder. Das gro√üe Thema laute nun, "wer transferiert seine Daten wohin?" Er k√§mpfe jedenfalls daf√ľr, dass die Daten bei der Sozialversicherung zusammenlaufen, betont Lehner: "Dort, wo die wesentlichen Daten sind, soll man die unwesentlichen dazugeben."

Bereits eingerichtet wurde eine erste Datenplattform allerdings bei der dem Sozialministerium unterstellten Gesundheit √Ėsterreich GmbH. Au√üerdem ist im Regierungsprogramm die Errichtung eines "Austrian Micro Data Center" (AMDC) bei der Statistik Austria vorgesehen. Dort sollen Wissenschafter eine zentrale Anlaufstelle f√ľr die Forschung mit "Registerdaten" erhalten. Die n√∂tigen Gesetzes√§nderungen wurden bisher aber nicht vorgelegt, weshalb der Forschungsrat vorige Woche zur raschen Umsetzung dr√§ngte.

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