Schlafen Sie sich gesund

Augen reiben
Foto: Robert Kneschke - Fotolia Schlafstörungen können organisch oder psychisch bedingt sein.

45 Prozent leiden unter Schlafstörungen – erholsame Nachtruhe ist die Basis für ein gesundes Leben.

Der Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens in schlafendem Zustand. Erholsam ist dieser nur für 55 Prozent, der Rest der Weltbevölkerung leidet unter Schlafstörungen. Darauf macht die "Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung" (ÖGSM) anlässlich des heutigen Weltschlaftages (14. 3.) aufmerksam.

Lungenfacharzt und ÖGSM-Präsident Wolfgang Mallin: "Schlafstörungen können in jedem Alter auftreten – vom Säugling bis ins hohe Alter. Sie sind einerseits Folge von physischen oder psychischen Erkrankungen, können aber andererseits solche Krankheiten auch auslösen. Manche sind sogar vererbbar." Mediziner unterscheiden zwischen akuter und chronischer Störung. Während erstere meist nur einen oder wenige Tage dauert, beeinträchtigen chronische Schlafstörungen über Wochen, Monate und Jahre hinweg das Leben der Menschen. Sie äußern sich in Depressionen, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen, erhöhtem Unfallrisiko.

Laut Gerhard Klösch von der Universitätsklinik für Neurologie an der MedUni Wien schlafen die Österreicher im Schnitt täglich acht Stunden. Frauen ruhen um 15 Minuten länger. "Es wäre natürlich noch besser, wenn wir ein bisschen mehr, also etwa neun Stunden, schlafen würden."

Was passiert im Schlaf?

Während wir schlafen laufen jede Nacht alle eineinhalb Stunden Bewusstseinsprozesse ab, die wir als Träume bezeichnen. Daran sind Gehirnbereiche beteiligt, mit denen wir am Tag sehen, hören oder unseren Körper spüren. Also sehen, hören und fühlen wir auch im Traum. Egal, ob beim Einschlafen, beim Aufwachen, im REM-Schlaf oder NREM-Schlaf - Träume werden in allen Schlafphasen erlebt. Ihre Häufigkeit hängt, aber von der jeweiligen Schlafphase ab. Werden Schlafende direkt aus dem Traumschlaf geweckt, geben sie zu 80 Prozent an, geträumt zu haben. Weckt man sie aus den anderen Phasen so, erinnert sich höchstens die Hälfte der Menschen daran, dass sie geträumt hat. Manche haben eine ungefähre Ahnung davon, können es aber kaum beschreiben. Männer und Frauen träumen ganz dem Klischee entsprechend: Die häufigsten Träume von Frauen spielen zu Hause und handeln von netten Menschen, während sich Männer im Traum häufig in Wettkämpfen messen und dabei oft Gewalt erleben. Laut dem Portal statista.com handeln die meisten Albträume vom Sturz in die Tiefe, Verfolgung durch andere Menschen, Unfähigkeit sich zu bewegen, dem Verschwinden oder Tod von geliebten Menschen, Filmszenen, der Unfähigkeit Arbeit festzustellen oder dem Versagen bei Prüfungen. Auch Tiere träumen. Die meisten Säugetiere, Vögel und Reptilien zeigen REM-Phasen und träumen mit großer Wahrscheinlichkeit. Katzen und Hunde äußern Laute und bewegen dabei die Pfoten, als würden sie laufen. Wussten Sie, dass die Grundmelodie zu einem berühmten Lied während eines Traums entstand? Paul McCartney hatte anscheinend von Eierspeise geträumt, denn der Beatles-Klassiker "Yesterday" hieß ursprünglich "Scrambbled Eggs" und fiel ihm nach dem Aufwachen ein. Erst nachdem die Melodie weiterentwickelt wurde, bekam das Lied den Titel, der heute weltbekannt ist. Französische Forscher fanden heraus, dass  Menschen, die sich an ihre Träume gut erinnern können, während sie schlafen doppelt so oft kurz aufwachen wie schlechte Traum-Erinnerer. Bei guten Traum-Erinnerern waren im Wach- und im Schlafzustand der mediale präfrontale Cortex und der temporoparietale Übergang stark aktiv: Diese Regionen spielen eine Rolle bei der Aufmerksamkeit gegenüber externen Reizen. Sie sorgen dafür, dass wir stärker auf Außenreize reagieren und wach werden. Regisseur Alfred Hitchcock gehört zur Kategorie der Nicht-Erinnerer: Er soll, die für ihn spannendste Filmhandlung geträumt und um sie zu behalten mitten in der Nacht aufgeschrieben haben. Danach ist er wieder eingeschlafen. Als er aufwachte, stand auf dem Zettel: "Junger Mann verliebt sich in junge Frau". An Details konnte er sich nicht mehr erinnern.

Atemaussetzer

Als eine der schwersten Schlafstörungen gelten Atemaussetzer im Schlaf – im Fachjargon ist dies als "Obstruktive Schlafapnoe" bekannt. Dabei kommt es zu einem teilweisen oder kompletten Verschluss der oberen Atemwege. In Österreich leiden etwa 300.000 bis 400.000 Menschen an dieser Atemstörung, die meisten davon sind zwischen 50 und 70 Jahre alt. 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind bisher weder diagnostiziert noch behandelt. "Das Risiko für Folgeschäden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ist groß", warnt Mallin. Neben operativen Eingriffen ist der Einsatz einer speziellen Maske in der Nacht (CPAP-Therapie) eine der gängigsten Behandlungsmethoden: Dabei wird Luft über einen kleinen Ventilator mit erhöhtem Druck in die oberen Atemwege geblasen und verhindert deren Kollaps. Betroffene können wieder regelmäßig atmen, der Schlaf wird nicht mehr unterbrochen.

Schlafcoaching

Eine alternative Behandlungsform von Schlafstörungen, die nicht organisch, sondern psychisch bedingt sind, ist Schlafcoaching. Brigitte Holzinger leitet das Institut für Bewusstseins- und Traumforschung und lehrt Menschen Wissen und Techniken, wie sie ihr Schlafverhalten verstehen und verändern können. Dazu gehört Hypnose, kombiniert mit Gestalttherapie. Verdrängtes oder Unerwünschtes wird aufgedeckt, psychische Konflikte und Verdrängungsmechanismen erkannt.

Die Psychologin weist darauf hin, dass sich die Schlafstörungen bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern. "Frauen sind meist jene, die Menschen pflegen und betreuen, wie zum Beispiel Kinder und ältere Leute. Dadurch wird ihre Nachtruhe öfters unterbrochen." Männer leiden vor allem unter Schlafapnoe, Frauen sind ebenfalls betroffen, das wird aber übersehen. Dass sie während der Menopause und der Schwangerschaft oft keinen erholsamen Schlaf finden, ist auch vielen unbekannt, meint Holzinger. "Es ist ein ganzheitliches Problem. Sie erleben eine enorme hormonelle Umstellung und völlige Veränderung der Lebenssituation."www.schlafmedizin.atInfos zur Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung finden Sie online

Wenn Kinder schnarchen

Herzig oder gefährlich?

Wenn Kinder schnarchen:
Herzig oder gefährlich?Atemstörung.Der Mund ist weit aufgerissen, die Muskulatur im Nacken und Schulterbereich beim Atmen angespannt – die 14-jährige Patientin leidet unter einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS). Ihre Rachen- und Gaumenmandeln sind stark vergrößert und verengen so ihre Luftwege. „Der Körper leistet schwere Arbeit, er findet kaum erholsamen Schlaf. Die Folgen sind  unter anderem schlechte Schulleistung oder gestörte Tagesbefindlichkeit“, sagt Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Leoben. Von den zehn Prozent jener Kinder, die  schnarchen, leiden zwei Prozent an dem Syndrom.  Allerdings ist es schwierig herauszufinden, ob es sich um harmloses oder  therapiebedürftiges Schnarchen handelt. „Der  Goldstandard ist eine Untersuchung im pädiatrischen Schlaflabor. Leider gibt es  noch zu wenig Bewusstsein über OSAS im Kindesalter.“ Auf eine Diagnose folgt oft ein operativer Eingriff: Rachen- und Gaumenmandeln werden entfernt oder verkleinert.  

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THEMENBILD: SCHLAF /GESUNDHEIT
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Schlaf-Quiz

  • Wie viel Zeit verschlafen wir durchschnittlich in unserem Leben?

Frage 1 von 12
(kurier) Erstellt am
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