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Welthypnosetag
01/04/2014

Reise ins Unterbewusstsein

Medizinische Hypnose ist mehr als magischer Hokuspokus, die Anwendungsgebiete vielfältig.

von Julia Pfligl, Elisabeth Gerstendorfer

Ein rauschebärtiger alter Mann mit stechendem Blick bearbeitet sein Gegenüber so lange mit einem Pendel, bis sich dieses willenlos zum Affen macht. Mit diesem Klischee der gefährlichen Hokuspokus-Hypnose möchte Olf Stoiber, Vorsitzender des deutschen Verbandes für Hypnose, am heutigen 10. Welthypnosetag endlich aufräumen. Der Münchner ist selbst Hypnotherapeut und kennt die gängigsten Vorurteile: „Viele Menschen glauben, dass die Hypnose willenlos macht. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall: Hypnose hilft, die Kontrolle über den eigenen Körper wieder zurückzugewinnen.“

Blick des Patienten bei einer OP - View of the pat

Queen Fabiola

Pregnant couple Kerwin and Astrid, both 19 years-o

FILE - Britain's Prince William, right, and Kate, …

Kopfschmerzen entstehen häufig im Kiefer

WIEN: BEKANNTEN GEPRÜGELT UND ERSTOCHEN - MORDPROZ

Vintage pocket watch being swung as if to hypnotiz…

Eigenermächtigung

Die meisten seiner Klienten – Stoiber bezeichnet sie bewusst nicht als Patienten – kommen zu ihm, weil sie die Kontrolle über sich selbst verloren haben. „Sei es wegen einer Depression, Angstzuständen oder Nikotinsucht. Nach einer erfolgreichen Therapie hat der Klient wieder mehr Macht über das eigene Denken, Fühlen und Handeln.“

Hypnotherapie – eine Mischform aus Hypnose und Psychotherapie, die Elemente aus beiden Bereichen miteinander vereint – wird daher mittlerweile in vielen Gebieten eingesetzt. „Ein großer Bereich ist die Gesundheitsprophylaxe. Dazu gehört Stressmanagement, Rauchentwöhnung oder der Wunsch, abzunehmen. Die psychotherapeutische Hypnose hilft bei Depressionen, Phobien und Traumata, wird aber auch häufig bei unerfülltem Kinderwunsch oder Geburten eingesetzt.“

Auf das sogenannte „Hypnobirthing“ setzte einst schon Herzogin Kate, als sie vergangenen Juli ihren kleinen Prinzen auf die Welt brachte. Verschiedene Entspannungsübungen dienen dazu, die Geburt so natürlich, schmerzarm und selbstbestimmt wie möglich ablaufen zu lassen.

Aber nicht nur Geburten, sondern auch anstehende Zahnarztbesuche sind für viele ein Grund, eine medizinische Hypnose auszuprobieren. „Dem Patienten wird im Rahmen der Hypnose die Eigenverantwortung zurückgegeben, sodass er seine Selbstheilungskräfte aktivieren kann“, sagt Zahnarzt Allan Krupka, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für ärztliche und zahnärztliche Hypnose (ÖGZH). „Das ist nichts anderes, als die Aufmerksamkeit des Patienten von seiner Angst auf seine inneren Ressourcen zu leiten.“

Direkter Zugang

Was die Hypnose im Körper genau bewirkt, wird in Fachkreisen immer noch heftig diskutiert. „Fest steht, dass ein direkter Zugang zum Unterbewusstsein gelegt wird“, erklärt Stoiber. „Hypnose geht immer auch mit seelischer Ruhe einher.“ Grundsätzlich sei jeder dazu geeignet, eine Hypnotherapie zu machen. „Vorausgesetzt, man hat den starken eigenen Wunsch, etwas zu verändern.“ Dann steht der Reise ins Unterbewusstsein nichts mehr im Weg.

Hypnose

Durch sie erreicht man einen Bewusstseinszustand (Trance), der die Selbstheilungskräfte des Patienten mobilisieren soll.

Verband

Auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für ärztliche und zahnärztliche Hypnose (ÖGZH) findet man zahlreiche Ärzte, die Hypnosebehandlungen durchführen: www.oegzh.at

Angst vorm Zahnarzt ähnelt Spinnenphobie

Hilflos liegend im Zahnarztstuhl, den Mund weit offen, das Surren des Bohrers bereits im Ohr – was für manche zwei Mal im Jahr Routine ist, bezeichnen viele als ihren schlimmsten Albtraum. Die Phobie vor dem Zahnarztbesuch ist jedoch nicht, wie bisher angenommen, mit der Panik vor Blut, Verletzung und Spritzen vergleichbar, sondern mit der Angst vor Spinnen, wie Grazer Forscher herausfanden.

Gehirnströme

Sie zeigten den Testpersonen Bilder aus der Zahnarztpraxis sowie ekelige und neutrale Motive. Die Zahnbehandlungsphobiker hatten beim Betrachten der Arztbilder einen höheren Puls und veränderte Gehirnströme. „Sie starrten also viel intensiver auf die Bilder“, erklärt Anne Schienle vom Institut für Psychologie der Uni Graz.

Die Männer richteten ihre Aufmerksamkeit eher nach außen, während die Frauen in sich gingen. „Insgesamt ähneln die Reaktionen denen bei Tierangst“, sagt Schienle und macht Bohr-Phobikern Hoffnung: „In der Behandlung von Tierphobien gibt es schon einige Therapien, die man nun auch bei Zahnbehandlungsphobikern einsetzen kann.“ Dazu zählen etwa Entspannungstechniken oder Hypnose.

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