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06/26/2012

Weltdrogentag: Jeder zehnte hat ein Suchtproblem

Bei Ess-, Spiel- und Kaufsucht gebe es derzeit den stärksten Anstieg, so ein Experte. Es fehle aber an professionellen Helfern.

Vor einigen Jahren noch hätte ich gesagt, dass Essstörungen bei Burschen ein Randproblem sind. Heute gibt es kaum mehr einen Lehrer, der in einer Klasse nicht jeweils zumindest ein Kind mit einer Essstörung hat. Bei diesen Verhaltenssüchten (neben den Esssüchten u.a. auch Spiel- und Kaufsucht, Anm) gibt es derzeit den stärksten Anstieg." Das sagt der Sozialarbeiter und Psychotherapeut Prof. Kurt Fellöcker, Leiter des Lehrgangs Suchtberatung und Prävention der FH St. Pölten zum Weltdrogentag (26.6.).

Strategieänderung

"Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten im Suchtbereich – mit Erfolg – sehr auf die illegalen Substanzen konzentriert. Die Zahl der Abhängigen blieb in den vergangenen Jahren weitgehend konstant", sagt Fellöcker: "Aber jetzt stehen wir vor einer Strategieänderung: Wir müssen uns mehr um die legalen, gesellschaftlich akzeptierten Drogen wie Alkohol und Nikotin sowie um die Verhaltenssüchte kümmern." Hier stecke die Suchtprävention allerdings noch in den Kinderschuhen.

In diesen Bereichen gehe es viel mehr um Erziehungsarbeit und das Erlernen des richtigen, verantwortungsvollen Umgangs mit legalen Sucht- und Genussmitteln: "Sie können ja einem Jugendlichen nicht vermitteln: ‚Beim Alkohol musst du immer nein sagen". Das funktioniert nicht. Das ist ganz anders wie etwa bei Heroin, wo es sehr wohl darum geht, immer nein zu sagen."

Auch verunsicherte Eltern bräuchten mehr Unterstützung: Beim Thema Alkoholkonsum der Kinder gebe es sehr häufig zwei Extrempositionen: Einerseits ,Ist eh wurscht" und andererseits ein totales Verbot. Dazwischen gebe es wenig. Fellöcker: "Hier besteht ein steigender Bedarf an höher qualifizierten professionellen Helfern, die Eltern bei der Alkoholerziehung unterstützen, über die Auswirkungen von Süchten aufklären und zum Erlernen eines reflektierten Umgangs mit legalen Drogen beitragen." So sollte es etwa in jeder Schule und in jedem Spital einen Drogenspezialisten geben.

Die FH-Studenten untersuchen auch das Trinkverhalten Jugendlicher. "Dieses driftet auseinander: Einerseits gibt es mehr Jugendliche, die wenig bis gar nichts konsumieren. Andererseits nimmt auch die Zahl der Jugendlichen mit einem extensiven und gefährlichen Trinkverhalten mit harten Getränken zu." Laut Schweizer Studie haben sieben Prozent der Jugendlichen bis 18 Jahren Alkoholprobleme.

Die FH St. Pölten bietet berufsbegleitend einen zwei- oder viersemestrigen Lehrgang "Suchtberatung und Prävention" an. Die Teilnehmer kommen aus dem Gesundheits-, Jugend- und Sozialbereich.

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