Die Welt der Bienen ist bunt.

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Wissen
05/20/2019

Weltbienentag: Was die wilden Arten zum Überleben brauchen

In Österreich sind viele Wildbienenarten bedroht – auf dem intensiv genutzten Land oft mehr als in den grünen Vorstädten.

Honigbienen haben von April bis September ihren Höhenflug. Sie sammeln sechs Kilometer rund um ihr Nest Nektar und Pollen aller Art, tauschen sich tänzelnd darüber aus, wo die beste Nahrung blüht und trinken Zuckerwasser, das ihnen der Imker anbietet. Dafür liefern sie Honig, Wachs und Gelee Royal, das eigentlich den Königinnen vorbehalten ist. Bestäubungsleistung inklusive.

Besonders artenreich

„Honigbienen kommen in Europa fast nur mehr als Nutztier vor“, sagt Dominique Zimmermann. Die Insekten-Expertin im Naturhistorischen Museum Wien weiß wie ihr Kollege Robert Brodschneider von der Uni Graz, dass die Welt der Hautflügler viel bunter ist als gelb-braun-gestreift: In Österreich sind knapp 700 Wildbienenarten bekannt – darunter die Blaue Holzbiene, die Hellgelbe Erdhummel und die Graue Sandbiene. Zum Weltbienentag, den die Vereinten Nationen für 20. Mai festgelegt haben, erklären die Wissenschafter, wie es um die Immen-Verwandtschaft bestellt ist.

Unterschiedliche Lebensformen

„Wildbienen brauchen heterogene Strukturen in der Landschaft und ausreichend Blütenangebot“, sagt Zoologe Brodschneider. Wie alle Insekten leiden Bienen unter intensiver Landwirtschaft mit Pestizideinsatz und häufigen Mahden. Auch die Verbauung macht den Tierchen zu schaffen. Sie mögen es grün, warm und windgeschützt.

Blütenreiche Gärten und Parks bietet gute Bedingungen

„In den Vorstädten gibt es mittlerweile eine höhere Wildbienen-Vielfalt als auf dem Land“, sagt Zimmermann. Überregional sind die parasitischen Arten besonders gefährdet: Wildbienen, die ihre Kuckuckseier nur einer Wirtsart unterjubeln, sind naturgemäß stärker vom Aussterben bedroht als Bienen, die bei Sammeln nicht wählerisch sind. Auch Nahrungsspezialisten gehen zugrunde, wenn ihre Futterpflanze fehlt.

Ko-Evolution von Tier und Pflanze

„Bienen und Blüten haben sich im Laufe der Evolution gemeinsam entwickelt“, erklärt Zimmermann. Die Pflanze profitiert von ihrer speziellen Form, weil sie sich zielsicherer fortpflanzen kann, die Insekten mit unterschiedlicher Größe, Rüssellänge und Sammeltechnik haben weniger Mitesser am Kelch.

Keine Futterkonkurrenz

„In Österreich gibt es keine Futterkonkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen. Wo die Honigbiene hingebracht wurde, in spezielle Habitate wie in Amerika oder Australien, könnten sich diese gegenseitig beeinflussen“, sagt Brodschneider. Hierzulande gilt: Alles, was der heimischen Honigbiene hilft, stärkt auch die wilden Überflieger.