Wissen und Gesundheit
04.07.2017

Was die Hundenase kann

Hunde riechen, was uns Menschen oft verborgen bleibt. Ihr Spürsinn hat trotzdem Grenzen.

Diese Nase! Sie riecht menschliche Spuren Meter gegen den Winden und unter Schutt oder Schnee. Sie erschnüffelt Schmuggelware, Schimmel oder Schädlinge. Sie warnt Patienten vor Unterzuckerung oder einer Krebserkrankung. Wenn es um das Riechen geht, sind Hunde wahre Meister. Da kann der menschliche Geruchssinn nicht mithalten.

Oder doch? Vor Kurzem wies der Zoologe und Geruchsforscher Matthias Laska von der Universität Linköping/Schweden darauf hin, dass die nasalen Leistungen von Mensch und Hund möglicherweise weniger stark ausgeprägt sind als bisher angenommen: Beide Arten wurden darauf getestet, ab welchem Schwellenwert sie 15 Düfte wahrnehmen – bei fünf war der Mensch sensitiver.

Schwieriger Vergleich

"Der Vergleich ist ganz schwierig. Der Mensch wird uns den Geruch mitteilen. Das, was wir am Hund als Reaktion sehen, müssen wir erst interpretieren", sagt Michael Leschnik von der Vetmeduni Wien. Der Tierarzt und Neurologe hält die Hundenase "in der Gesamtheit für überlegen". Tatsächlich hat es so eine Schnauze in sich. Die Riechschleimhaut in der Nasenhöhle ist bei jeder Rasse größer als beim Menschen. Zudem verwenden Hunde mehr Gehirn zum Einordnen von Gerüchen als Menschen. Hunde können darüber hinaus dreidimensional riechen, linkes und rechtes Nasenloch beliefern das Denkorgan mit unterschiedlichen Duftinformationen. Schließlich können Hunde mit ihren nasalen Wärmesensoren ein Temperaturbild erstellen.

Rassen-Unterschiede

Doch es gibt nicht nur Unterschiede zwischen Mensch und Hund. Das Schnupperpotenzial hängt auch von der Rasse ab. "Fix ist, dass eine kleine Nase wegen der Anatomie weniger Luft einatmen kann. Luft ist die Trägersubstanz", erklärt Leschnik. Nach einer knappen halben Stunde Geruchsarbeit sind die Schleimhäute weitgehend ausgetrocknet und Ausdauer wie Konzentration der Nasentiere erschöpft. "Das Riechen ist eines der anstrengendsten Dinge, die der Hund für den Menschen macht", sagt der Kleintiermediziner.

Training

So wie sich Parfümeure oder Sommeliers auf bestimmte Aromen spezialisieren, kann auch der Riechkolben von Hunden trainiert werden. Sie arbeiten dann in den verschiedensten Branchen mit – von der Forensik bis zum Zoll. "Die Forschung geht in ganz unterschiedliche Richtungen", weiß Priv.-Doz. Leschnik. Für Aufsehen sorgen immer wieder Meldungen aus der Medizin: Mexikanische Beagles etwa erkannten im Experiment an gebrauchten Damenbinden Gebärmutterhalskrebs mit einer höheren Verlässlichkeit als der Pap-Test. Französische Schäferhunde identifizierten im Versuch Brustkrebspatientinnen über die Kleidung mit einer Trefferquote von 100 Prozent. "Hunde liegen beim Erkennen von Lungenkrebs bei 50 bis 90 Prozent der Proben richtig. Aber das kann keine Untersuchung ersetzen. Kein Arzt würde behandeln, wenn der Hund anschlägt", betont der Experte. Die vierbeinigen Assistenten sind nicht zuletzt von ihrem Hundeführer abhängig. Die Erforschung alternativer tierischer Diagnosemethoden geht freilich weiter.

Forschung

"Hunde bieten sehr viel instinktiv an. Sie werden immer wieder erstaunliche und überraschende Leistungen erbringen", ist Michael Leschnik überzeugt. Dass sie bei weitem nicht die einzigen Supernasen sind – Stichwort Trüffelschwein und Mienenratte –, ist bereits bekannt.

Nachgefragt bei Wolfgang Gleichweit

Hunde werden mit ihren Supernasen in den verschiedensten Bereichen als Helfer eingesetzt – beim Zoll in der Lebensmittelkontrolle genau so wie in der Forensik, beim Aufspüren von Rohstoffen wie als Co-Therapeuten.

Wolfgang Gleichweit vom „Verein zur Ausbildung von Gebrauchs-, Forschungs- und Suchhunden“ stellt Hunde seit 50 Jahren in den Dienst der Menschen. Er hat u.a. Trümmer-, Sprengstoff-, Lawinen- und Schutzhunde trainiert. Derzeit schult er Krebspürhunde und ihre Besitzer.

KURIER: Welche Hunde haben das Zeug zum Spürhund?
Wolfgang Gleichweit: Es muss ein freudiger Hund sein, der die Arbeit als Spiel sieht, für das er mit einem Leckerli belohnt wird. Er muss über den nötigen Beutetrieb verfügen. Und er muss sein Aufgabengebiet Ernst nehmen.

Wie lange dauert eine seriöse Ausbildung?
Man kann Hunde ab sechs Monaten verwenden. Damit sie in ihrer Fähigkeit und Festigkeit zu hundert Prozent sicher sind, dauert es etwa ein Jahr. Die Hunde müssen in der Gruppe funktionieren, und das Herrl muss seinen Hund lesen lernen. Es geht ja um Menschenleben.

Wie viel kostet eine Ausbildung?
Unser Verein bietet die Ausbildung für ehrenamtliche Leute kostenlos an. Ihr Wert liegt bei 40.000 Euro.