Das Virus, das beim Putzen kommt

Die Maus ist ja süß, aber ihre Ausscheidungen können krank machen. © Bild: Getty Images/iStockphoto/pierouge/iStockphoto

Der Kot von Rötelmäusen kann mit Hanta-Viren infiziert sein: Klimawandel und größeres Nahrungsangebot sorgen für Anstiege bei Infektionen.

Es ist warm, geschützt und wahrscheinlich finden sich Nahrungsreste – in der kalten Jahreszeit sind Waldhütten, Wochenendhäuser und Wirtschaftsgebäude am Waldrand als Unterschlupf für die Rötelmaus sehr attraktiv. Werden diese dann z. B. im Frühjahr von ihren eigentlichen Besitzern gereinigt, besteht in manchen Regionen ein erhöhtes Infektionsrisiko für Hanta-Viren.

Denn die Mäuse, die am Waldrand leben, hinterlassen nicht nur Nagespuren, sondern auch Ausscheidungen, die mit dem in Europa verbreiteten Puumala-Virus (ein Hanta-Virus) kontaminiert sein können, und über Staub aufgenommen werden. Durchschnittlich 20 bis 40 Fälle werden pro Jahr in Österreich registriert, 2017 waren es 87, im Jahr 2012 sogar 264, wie die nachstehende Grafik zeigt.

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Grafik,istockphoto © Bild: Grafik,istockphoto

Schwankungen

Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt am Main untersuchten jetzt Langzeitdaten, um die jährlichen Schwankungen, die auch in Deutschland auftreten, besser erklären zu können. Das im Fachjournal PeerJ veröffentlichte Ergebnis: Vor allem im Frühsommer, in waldreichen Gebieten sowie nach sogenannten Mastjahren mit reichem Nahrungsangebot für die Rötelmaus, etwa Kastanien, besteht ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

Laut Studie gingen infektionsreichen Jahren wie 2007 und 2012 tatsächlich Mastjahre voraus. Allerdings folgte auf das Mastjahr 2014 nur ein Jahr mit leicht erhöhter Anzahl menschlicher Puumala-Virus-Infektionen. Ein zuverlässiges Vorhersage-Modell sei schwierig zu erstellen, da viele Faktoren eine Rolle spielen, sagt Studienautor Sven Klimpel. "Durch den Klimawandel, der häufigere Mastjahre und mildere Winter mit sich bringt, könnte die Zahl der Puumala-Virus-Infektionen aber künftig ansteigen."

In großen Städten und Ballungsgebieten, in der Studie untersucht wurden etwa Berlin, Stuttgart und Bonn, sei die Zahl der Puumla-Infektionen je 100.000 Einwohner tendenziell höher als in ländlichen Gebieten.

In Österreich kommt es vor allem im ländlichen Raum, am Waldrand, zu Infektionen

Das treffe für Österreich nicht zu, sagt Virologe Stephan Aberle, MedUni Wien. "In manchen Städten mit großen Parks oder am Stadtrand können sich Rötelmäuse niedergelassen haben, in Österreich kommt es aber vor allem im ländlichen Raum, am Waldrand, zu Infektionen." Auch hierzulande gibt es im Frühsommer eine Häufung, besonders in der Südsteiermark, in manchen Regionen Kärntens und dem Südburgenland tritt das Virus häufiger auf, die Rötelmaus gibt es aber in ganz Österreich. Nur in Tirol und Vorarlberg wurden bisher keine Infektionen gemeldet. Eine Erklärung dafür ist nicht bekannt.

Störung der Nierenfunktion

Betroffen sind meist Männer (rund 70%), auch, weil es sich häufig um Jäger, Waldarbeiter und Förster handelt. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Kopf- und Muskelschmerzen sowie abruptem Fieber, das drei bis vier Tage anhält und zu Blutungen führen kann. "Anschließend folgen meist Schmerzen im Bauchraum, in den Flanken und dem Rücken sowie eine Funktionsstörung der Niere.

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Stock-Fotografie-ID:855632056 Bank vole (Myodes glareolus; formerly Clethrionomys glareolus). Small vole with red-brown fur loo… © Bild: Getty Images/iStockphoto/CreativeNature_nl/iStockphoto

In seltenen Fällen kann eine Infektion mit dem Puumala-Virus aufgrund von Kreislaufproblemen tödlich enden", weiß Aberle. Etwa eine von 300 Infektionen führt zum Tod, seit 1993 wurden in Österreich drei tödliche Verläufe registriert.

Nur Symptombehandlung

Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch, eine Impfung oder spezifische Medikamente gibt es nicht. Der wirksamste Schutz besteht daher im Vermeiden von Kontakt mit Speichel, Urin oder Kot der Rötelmaus. In verunreinigten Räumen sollten Atemschutzmasken und Handschuhe getragen werden, um kontaminierten Staub nicht einzuatmen.

Mäusekadaver sind zwar nicht ansteckend, sicherheitshalber sollte sie mit Desinfektionsmittel benetzt und nur mit Handschuhen angegriffen werden. Außerdem können in der Umgebung des Tieres infizierte Exkremente zur Infektion führen. Auch über einen Biss der Rötelmaus kann das Virus übertragen werden. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

( kurier.at ) Erstellt am 07.02.2018