Angeboren oder erlernt? Die Logik hinter dem Vogelgesang

Finken antworten auf angeborene Rufe von Artgenossen je nach Freundschaftsgrad. Erworbenes Singen folgt einem eigenen Rhythmus.
Ein hübsch gefiederter Zebrafink sitzt auf einem Ast.

Zebrafinken wollen gefallen. Wie andere Vogelmännchen schwingen sie sich zu gesanglichen Höchstleistungen auf, um potenzielle Partnerinnen für sich zu gewinnen und die Konkurrenz zu vertreiben. Sie schnattern, trillern und krächzen in wiederkehrenden Tonfolgen. Daneben nützen die gebürtigen Australier Kontaktrufe, um sich mit Artgenossen zu verständigen.

Nun fanden Wissenschaftler des deutschen Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz heraus, dass auch die Reaktionen auf diese angeborenen Lautäußerungen sozial beeinflusst sind. Aus den Aktivitäten der Nervenzellen im Gehirn von Taeniopygia konnten sie ablesen, dass gefiederte Kumpels viel rascher auf Kontaktrufe reagieren als Fremde. 

Die Forschenden schließen daraus, „dass nicht nur erlernte Gesänge, sondern auch angeborene Verhaltensweisen zu einem gewissen Grad flexibel sind, um sich an soziale Situationen und Kommunikationspartner anpassen zu können.“

„Im Grunde sind viele Vogellaute angeboren“, sagt der freiberufliche Ornithologe Heinrich Frötscher. Nestlinge, die den Schnabel aufreißen, sobald Eltern zum Füttern angeflogen kommen, haben keine Zeit für Gesangsunterricht. Auch Warnrufe müssen in den Genen liegen, ein späteres Lernen würde eventuell das Leben kosten. 

Vögel singen, wenn es um die Fortpflanzung geht

„Was in Zusammenhang mit der Fortpflanzung steht, fällt unter Gesang“, führt der Naturparkranger weiter aus. Meisterhafte Singdrosseln etwa zwitschern dreistrophig, ändern dann das Thema, um es erneut drei Mal zu wiederholen. Turdus philomelos imitiert außerdem die Lieder anderer Arten, um zu beeindrucken.

Urbane Stare können gar Alarmanlagen nachahmen, Papageien versuchen sich in der menschlichen Sprache. 

Amseln wiederum entwickeln je nach Heimatland verschiedene Dialekte; sie tragen z.B. in Englisch oder Deutsch vor. Im Winter sitzen sie im Gebüsch und studieren im Flüsterton neue Stücke ein. 

Vögel, die nicht singen können, setzen andere Tricks ein

Vogelarten, denen die Anatomie das Singen verunmöglicht, trommeln wie der Specht, klappern wie Störche, klatschen nach Tauben-Manier die Flügel zusammen, stampfen wie Blässhühner auf – oder werfen sich in ein Prachtkleid.

„Singen ist körperlich anstrengend. Außerdem ziehen die Vögel damit die Aufmerksamkeit von Raubfeinden auf sich“, sagt Frötscher. Feldlerchen etwa beweisen Fitness und Mut, wenn sie minutenlang im Flug ihre Melodien pfeifen. Zaunkönige verbrauchen jede Menge Energie, um 90 Dezibel zu erreichen.

Lärmverschmutzung freilich beeinträchtigt die tierische Kommunikation. So passen sich Amseln im Stadtgebiet an den Verkehr an und flöten lauter und höher, dafür kürzer als im Wald. Schließlich soll die ganze Nachricht ihr Ziel erreichen. 

Neben der Lärmverschmutzung stört künstliches Licht die Sänger

Auch die Lichtverschmutzung bringt die Sänger aus dem Takt. Wo Straßenlaternen leuchten, startet das Konzert mitunter mitten in der Nacht. Was den gefiederten Wildtieren noch zusetzt und wie ihnen geholfen werden kann, lesen Sie auf der Homepage von Birdlife.

Nicht zuletzt bestimmt das Geschlecht die Musikalität. Jahrzehntelang konzentrierte sich die Forschung auf männliche Vögel. Dabei sind auch Weibchen begnadete Sängerinnen. Wie jüngst Play-back-Experimente mit Beteiligung der Uni Wien zeigten, trillert Setophaga petechia aureola je nach Geschlecht aus unterschiedlichen Gründen. 

Männchen und Weibchen zwitschern aus unterschiedlichen Gründen

Während Männchen – siehe oben – eher zwecks Brautschau und Revierverteidigung helle Töne anschlagen, zwitschern Galapagos-Goldwaldsänger-Weibchen bevorzugt außerhalb der Brutzeit. Sie tirilieren kaum alleine, vielmehr suchen sie den Austausch im Duett.

Kommentare