Wissen und Gesundheit
16.03.2016

Tuberkulose: Zahl der Kranken sinkt

Trotz mehr Asylwerbern weniger Erkrankungen im Vorjahr.

)Als 1853 La Traviata von Giuseppe Verdi in Venedig uraufgeführt wurde , war Tuberkulose eine der häufigsten Todesursachen in europäischen Städten. Die Hauptfigur Violetta stirbt daran. 25 Prozent der Todesfälle in Österreich vor 1914 gingen auf die TBC zurück.

Heute ist die Therapie – wenn sie konsequent durchgeführt wird – in 95 Prozent aller Fälle erfolgreich, nur bei den medikamentenresistenten Keimen sind die Erfolgschancen etwas geringer (siehe re.). Trotzdem ist TB weltweit gesehen nach wie vor „eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen“, sagt Prim. Univ.-Prof. Meinhard Kneussl, Präsident der Österr. Gesellschaft für Pneumologie anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages (24. 3.).Erst kürzlich sorgte ein Tuberkulose-Fall im Wiener Parlament für heftige politische Reaktionen (der KURIER berichtete).

Doch international und auch in Österreich sind die Erkrankungszahlen rückläufig. „In Österreich gab es in den vergangenen 60 Jahren eine extreme Reduktion der Zahl der Fälle“, so Hygiene-Facharzt Alexander Indra, Leiter des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene der AGES (Agentur für Gesundheit u. Ernährungssicherheit).

Angepasste Therapie

Auch 2015 gab es – trotz der starken Zunahme an asylsuchenden Menschen in Österreich – insgesamt einen weiteren Rückgang. „Den 582 Neuerkrankungen im Jahr 2014 stehen 579 Neuerkrankungen 2015 gegenüber.“ Rund 60 Prozent betreffen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, in dieser Gruppe gibt es einen leichten Anstieg.

„Jedem einzelnen Tuberkulose-Fall in Österreich wird genau nachgegangen“, betont Indra. Die AGES kann mit neuen Methoden der Analyse der Bakterien-Erbsubstanz („Next Generation Sequencing“) innerhalb von rund 50 Stunden feststellen, ob und gegen welche Antibiotika ein Keim resistent (widerstandsfähig) ist: „Früher hat das Wochen oder Monate gedauert.“ Dementsprechend rasch kann die Therapie angepasst werden. Gleichzeitig werden bei einer Ausbruchsabklärung aktiv jene Personen ausfindig gemacht, die Kontakt mit einem Infizierten hatten: „All das trägt zu unseren niedrigen Fallzahlen bei. Von vielen anderen Ländern wird unsere Tuberkulose-Bekämpfung als erfolgreiches Modell gesehen“, so Indra.

„Wichtig ist, bei speziellen Symptomen (siehe untenstehende Grafik) auch an Tuberkulose zu denken“, betont Oberarzt Rudolf Rumetshofer von der neuen Tuberkulosestation Severin im Wiener Otto-Wagner-Spital (siehe Text unten).

Krankheit der Armen

Weltweit ist TB eine Erkrankung vor allem von armen und sozial benachteiligten Menschen, von Kriegsopfern und Flüchtenden. „Deshalb werden diese Menschen in Österreich auch konsequent untersucht“, betont Rumetshofer. Alle Fälle sind meldepflichtig.

Im Gegensatz zu Viren reicht bei TB ein kurzer flüchtiger Kontakt für eine Infektion nicht. Im Freien sind Infektionen nicht möglich, da das UV-Licht „die Bakterien sofort kaputt macht“, so Rumetshofer. Und in geschlossenen Räumen ist ein enger Kontakt über mindestens sechs bis acht Stunden notwendig.

Neue Tuberkulose-Station

Drei bis acht Wochen müssen Patienten mit einer „normalen“ TB im Spital bleiben. Bei Erregern, die gegen viele Medikamente resistent sind, sind es drei bis acht Monate. Und Letztere müssen von anderen TB-Patienten isoliert werden – um eine Übertragung der Resistenzen zu verhindern.

Das wird jetzt in der neuen Tuberkulosestation Severin des Wiener Otto-Wagner-Spitals (sie wird kommende Woche eröffnet) viel leichter möglich sein: Hier gibt es nur mehr Einzel- und Doppelzimmer. In den Zimmern selbst herrscht leichter Unterdruck – dadurch kann nur Luft in die Zimmer hinein, aber keine herauskommen. Die Abluft wird gefiltert und anschließend über das Dach abgeleitet.

Erst wenn der Patient nicht mehr ansteckend ist, kann er das Krankenhaus verlassen, muss aber bis zu zwei Jahre lang die Medikamente einnehmen. Im Otto-Wagner-Spital wurden bisher 120 Patienten mit multiresistenter TB behandelt, hier war in rund 85 % der Fälle die Therapie erfolgreich.

Sehen Sie hier eine große Info-Grafik zum Thema: