Boomendes Geschäft mit Geschlechtsum­wand­lun­gen

Thailand ist weltweit für die OPs beliebt. Die Ärzte gelten als qualifiziert, die Kosten sind gering.

Thailand ist auch Austragungsort zahlreicher Transgender/Transsexuell-Schönheitswettbewerbe.        

Pornnaphat Choochart erinnert sich noch ganz genau an ihre ersten Momente als Frau. "Als ich im Aufwachraum meine Augen öffnete, dachte ich: Jetzt bin ich ein neuer Mensch." Die heute 38-jährige transsexuelle Thailänderin hatte vor zehn Jahren den Schritt zur Operation gewagt. "Ich habe mich immer wie ein Mädchen gefühlt, das im falschen Körper geboren wurde." Nun sei sie glücklich, sagt sie.

Das südostasiatische Thailand ist seit Jahren ein Zentrum für solche Operationen. Die Ärzte sind in der Regel gut ausgebildet, die Kosten trotz hoher Standards vergleichsweise niedrig. Zudem gelten die Thailänder als relativ tolerant, bis Anfang des letzten Jahrhunderts waren drei Geschlechter allgemein anerkannt: männlich, weiblich und männlich-weiblich, schreiben thailändische Geschlechtsumwandlungsspezialisten 2014 im kommerziellen Wissenschaftsportal Hindawi. Kathoeys - Männer, die als Frauen leben - finden zumindest oberflächliche Akzeptanz.

Zufriedene Patientinnen

Etwa 180 Geschlechtsumwandlungen nimmt der Schönheitschirurg Greechart Pornsinsirirak vom Bangkoker Yanhee-Krankenhaus im Jahr vor. Die Branche schätzt, dass es etwa 20 renommierte Spezialisten in Bangkok gibt. Zahlen, wie viele OPs in Thailand im Jahr durchgeführt werden, gebe es nicht, sagt Sanguan Kunaporn vom Verband für plastische Chirurgie in Thailand.

Thipnara Petrapitchanon ist vom Resultat ihrer Operation begeistert. "Ich bin jetzt viel selbstbewusster", sagt die 29-Jährige. "Ich trage jetzt Bikinis und wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich eine Frau."

Seine Patientinnen seien zufrieden, sagt Chirurg Greechart. Eine ehemalige Patientin habe ihm erzählt, dass nach ihrer OP kein Sexualpartner gemerkt hätte, dass sie früher ein Mann gewesen sei, sagt er nicht ohne Stolz. Doch eines können die Ärzte natürlich nicht: Nach der Geschlechtsumwandlung kann eine Frau keine Kinder bekommen. Das kann in Beziehungen zu einem Problem werden: "Mir ist klar, dass kein Hetero-Mann ewig mit einem Kathoey zusammenbleibt" sagt Pornnaphat. "Irgendwann wird er sagen: 'Ich will ein normales Leben mit einem Mädchen. Ich will Kinder. Tschüss.'"

Eine Geschlechtsumwandlung ist nur für Patienten möglich, die nachweisen können, dass sie mindestens ein Jahr als Frau gelebt haben. Ausländische Patienten benötigen Greechart zufolge zusätzlich zur Einschätzung der Psychologen vor Ort ein psychologisches Gutachten aus ihrem Heimatland.

Bis zu 8.900 Euro

Mehr als 80 Prozent der Patienten im Yanhee-Krankenhaus kommen aus dem Ausland, vor allem aus Südkorea, Japan und Taiwan, doch auch aus dem Westen, sagt Greechart. Auch Sanguan bestätigt, dass mittlerweile die Patienten aus dem Ausland überwiegen.

Die Mann-zu-Frau-Operation kostet in Greecharts Klinik zwischen 6.500 und 8.900 Euro. In kleineren und weniger angesehenen Kliniken werden die Eingriffe schon ab knapp 1.300 Euro vorgenommen. In Deutschland bezahlen die Kassen den Eingriff, die Kostenspanne beläuft sich in etwa auf das Doppelte.

Der eigentliche Eingriff dauert drei bis acht Stunden, danach folgt ein etwa zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt. Durch fortschrittliche Methoden bei der Hauttransplantation bleibt das Empfindungsvermögen auch nach der Operation erhalten. Das Ergebnis überzeuge auch in puncto Ästhetik, meint Greechart. "Es ist eine Kunst. Und sieht aus wie bei einer echten Frau."

Viele Krankenhäuser bieten auch weiterführende Behandlungen wie Brustimplantate, Haarentfernung oder Operationen zur Veränderung der Stimmlage an. Doch die OP ist natürlich nicht ohne Risiken - neben Problemen mit der Wundheilung kann es auch zu Verletzungen von Darm, Blase oder Harnröhre kommen. Die lebenslang notwendige Hormontherapie kann auch das Krebsrisiko erhöhen. Die meisten Patienten kämen sehr gut informiert in die Klinik, sagt Sanguan.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Pfusch. Er werde immer wieder von Patientinnen mit Narben und Infektionen aufgesucht, erzählt Greechart. Meist könne er den Schaden beheben. Aber für ein natürliches Ergebnis ist es häufig zu spät. Es gebe immer noch viele Kliniken mit niedrigen Standards. "Nicht jede Geschlechtsumwandlung ist gleich. Viele sind sehr schlecht."

(kurier/apa / Bill Bredesen) Erstellt am
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