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Wissen
01/14/2019

Tiercoach: Kann man Streuner zu Wohnungskatzen machen?

Leser fragen, KURIER-Tiercoach Katharina Reitl antwortet: Die meisten Freigänger leiden, wenn sie eingesperrt werden (müssen).

von Hedwig Derka

Streunerkatzen genießen ihr aufregendes Leben in Freiheit. Doch es gibt auch Situationen, in denen die Tiere besser daheim eingesperrt sind. Leser haben Fragen zu der schwierigen Entscheidung, KURIER-Tiercoach Katharina Reitl gibt Rat:

Vor zehn Jahren ist uns ein wilder Kater zugelaufen. Nun müssen wir in eine Seniorenwohnung mit Balkon übersiedeln. Können wir aus dem anhänglichen „Haus-und-Garten-Tier“ eine Wohnungskatze machen?

Leider kann man gerade bei einem Wildfang nie genau vorhersagen, ob er mit der neuen Situation zurechtkommt. Nachdem er jedoch an Sie gewöhnt ist und sicher gerne bei Ihnen ist, würde ich auf alle Fälle einen Versuch starten, ihn mitzunehmen. Er ist ja auch über zehn Jahre alt und findet vielleicht schon Gefallen an einem gemütlichen Leben. Wichtig ist, dass die Terrasse ein Katzennetz bekommt, dass Sie sich viel mit ihrem Kater beschäftigen und sein Futter um ein Achtel bis ein Viertel reduzieren. Außerdem können Sie Ihren Vierbeiner bei der großen Lebensumstellung gut mit sogenannten Glückspheromonen, Muttermilchproteinen oder alternativmedizinischen Produkten unterstützen.

Ich habe zwei liebe Hauskatzen und betreue seit vier Jahren eine vernachlässigte Tigerkatze aus der Nachbarschaft. Leider wurde sie voriges Jahr sehr krank. Zur Genesung musste ich sie in der Wohnung behalten. Weil sie da unglücklich war, ließ ich sie im Frühjahr wieder raus. Seitdem streunt sie hauptsächlich in unserem Garten, am Abend kommt sie in die Wohnung. Jetzt frage ich mich, wie viel Winterkälte und Nässe eine gesundheitlich angeschlagene Katze ertragen kann?

Ihre Katze leidet offenbar massiv unter dem Eingesperrtsein. Wenn Sie es schaffen, sie über Nacht ins Haus zu holen, wäre das natürlich toll – aber sie muss die Sicherheit haben, wieder gehen zu können. Tiere leben im Hier und Jetzt und verstehen nicht, dass im nächsten Frühjahr Freigang wieder möglich sein wird. Wenn es wirklich kalt ist und Ihre Katze Hilfe braucht, wird sie auch untertags kommen. Vor Unfällen und Infektionen sind Freigänger freilich nie gefeit. Dafür ist ihr Leben glücklich. Es wäre sicher gut, ihr einen wetterfesten Unterschlupf anzubieten. Denn vor allem Nässe bei niedrigen Temperaturen macht Vierbeinern zu schaffen. Nicht zuletzt können Sie das Immunsystem Ihrer Katze stimulieren und stärken.

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