Wissen und Gesundheit
02.03.2013

Therapie-Erfolg hängt vom Arztverhalten ab

Die Art, wie ein Arzt ein Medikament verordnet, beeinflusst maßgeblich den Erfolg oder Misserfolg einer Therapie.

Probieren wir dieses Medikament – vielleicht hilft es ja.“ Aussagen wie diese verurteilen eine Therapie beinahe schon zum Scheitern. Aktuelle Ergebnisse in der Placebo- und Nocebo-Forschung sprechen dem Verhalten des Arztes und der damit verbundenen Erwartungshaltung des Patienten eine große Rolle in der Schmerztherapie zu.

„Wir wissen schon länger, dass Patienten eine rote Pille viel wirksamer einschätzen als eine weiße“, erklärt Univ.-Prof. Hans Georg Kress von der MedUni Wien zum Auftakt des Internationalen Wiener Schmerzsymposiums. Aktuelle Studien zeigen nun, dass die Placebo-Wirkung viel mehr umfasst als bloße Einbildung auf psychologischer Ebene. „Moderne, bildgebende Verfahren haben die Placebo-Wirkung nun auch auf biologischer Ebene sichtbar gemacht. Sonst wurde dieser Effekt nur mithilfe von Medikamenten ausgelöst“, erklärt Kress.

Verschreibt ein Arzt ein Medikament also mit den Worten „das wird Ihnen jetzt bestimmt helfen“, ergänzt er die schmerzstillende Wirkung des Präparats insofern, als im Gehirn erst gar kein Schmerzsignal entsteht. „Mit dieser Überzeugungshaltung lässt sich auch der Erfolg so mancher Quacksalber erklären.“

Nocebo

Umgekehrt kann eine negative Erwartungshaltung Angst und Symptome schüren. Bei einer Studie bekamen gesunde Probanden eine Injektion mit den Worten: „Das könnte jetzt Ihre Schmerzempfindlichkeit verstärken.“ Die Teilnehmer spürten Schmerzen, obwohl sie in Wirklichkeit ein schmerzstillendes Opioid verabreicht bekamen.

„Ärzte sollten sich der Bedeutung von flapsig dahingesagten Sätzen bewusst sein, um den Effekt der Schmerztherapie nicht kleinzureden“, erklärt Kress. Ärzte hätten oft die Tendenz dazu, mögliche Nebenwirkungen zu betonen, um nicht nachträglich für mangelnde Aufklärung belangt werden zu können. „Doch man kann das auch positiv verpacken, indem betont wird, dass ein hoher Prozentsatz der Patienten positiv darauf anspricht.“

Flächendeckend 24-Stunden-Schmerzdienste gefordert

Schon zwei Bandscheiben-Operationen, doch die Schmerzen halten weiterhin an – noch eine OP würde dennoch keine Linderung bringen. Warum das so ist, erläutert der Schmerzmediziner Prof. Christian Maihöfner vom Uni-Klinikum Erlangen: „Das Gehirn produziert Schmerzen, obwohl die Ursache längst beseitigt wurde.“

Neue Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, dass es nicht ein zentrales Schmerzzentrum im Gehirn gibt. Schmerz ist ein komplexes Phänomen – es setzt sich aus der Lokalisation des Schmerzes und seiner Intensität zusammen. Dazu kommt die Komponente des emotionalen Schmerzes. Moderne Bildgebungsverfahren machen den Schmerz, seine Entwicklung und den Erfolg einer Therapie sichtbar.

Zur Verhinderung eines sogenannten Schmerzgedächtnisses ist der frühzeitige Einsatz einer Behandlung essenziell. Univ.-Prof. Hans Georg Kress von der MedUni Wien macht anlässlich des Internationalen Wiener Schmerzsymposiums auf eine unterschätzte Gruppe aufmerksam: „Jährlich werden in Österreich rund 1,3 Millionen Operationen durchgeführt – jeder zehnte Patient leidet Monate nach dem Eingriff noch unter Schmerzen, die er vorher nicht hatte.“

Umso wichtiger sei eine umfassende, kompetente Schmerzbehandlung direkt nach Operationen, um die mögliche Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern. Daher fordert Kress die flächendeckende Einrichtung von 24-Stunden-Schmerzdiensten in Spitälern und deren personelle Ausstattung – „ein Schild alleine reicht nicht“.

Aktuelle Studien hätten gezeigt, dass vor allem junge Menschen und Frauen ein hohes Risiko für chronische Schmerzen nach Operationen haben. Betroffen sind außerdem häufig Menschen nach Operationen am Brustkorb – also an Herz, Lunge oder an der Brust – sowie nach Operationen, die mit Nervenschädigungen einhergehen wie etwa Amputationen.