Wissen
03.10.2018

Studie: Wie Männer Sex haben

Mehr als 12.000 Deutsche im Alter von 45 Jahren wurden von der TU München befragt – mit teils überraschenden Ergebnissen.

Wann haben Männer im Schnitt das erste Mal Sex? Welche Praktiken bevorzugen sie und wie ist ihr Beziehungsstatus? Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden mehr als 12.000 deutsche Männer im Alter von 45 Jahren für eine Studie der Technischen Universität München zu ihrem Sexleben befragt. Die Ergebnisse: Unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung machten die Männer ihre ersten sexuellen Erfahrungen im Alter von etwa 18 Jahren mit Frauen. Erst im Durchschnitt zwei Jahre später hatten einige auch sexuelle Kontakte zu Männern und auch das unabhängig von ihrer in der Studie angegebenen Orientierung. Die Studienleiterin erklärt das so: „Es handelt sich dabei wohl um eine Findungsphase, in der sexuell Unterschiedliches ausprobiert wird.“

Die Studie beinhaltete auch Fragen zur Art des Geschlechtsverkehrs, den die Männer in den letzten drei Monaten hatten. Der vaginale Sex lag bei heterosexuellen Männern deutlich auf Platz 1 (98 %), gefolgt von oralem Sex, den knapp 60 Prozent ausübten. Diese Form des Sexes wurde von homosexuellen Männern (91%) am häufigsten praktiziert, weitaus weniger häufig Analverkehr (64%).

Jeder zehnte homosexuelle Mann hatte in den letzten drei Monaten Geschlechtsverkehr mit Frauen. Ähnliche Studien aus Australien, Belgien oder den USA hatten diese Abweichung von sexueller Orientierung und Sexualverhalten bisher nicht gefunden.

Mehrheitlich in langjährigen Beziehungen

Bis zum 45. Lebensjahr hatte der Großteil (98%) der heterosexuellen Männer mit bis zu zehn unterschiedlichen Menschen Sex. Etwa ein Drittel der bisexuellen Männer und knapp die Hälfte der homosexuellen Männer waren sexuell deutlich aktiver: Sie hatten mehr als 30 unterschiedliche Sexualpartner beziehungsweise -partnerinnen.

Im Alter von 45 waren mehr als drei Viertel der heterosexuellen Männer zwischen fünf und zehn Jahren mit ihrer Partnerin zusammen, auch mehr als die Hälfte der homo- und bisexuellen Männer war in einer festen und langjährigen Partnerschaft. Knapp 70 Prozent der heterosexuellen Männer waren verheiratet, 80 Prozent waren Vater geworden.

Homosexuelle mit Ehefrau und Kindern

Auffällige Diskrepanzen zwischen der angegebenen sexuellen Orientierung und der gelebten Sexualität zeigten sich vor allem bei homosexuellen Männern. „Wir haben eine Gruppe gefunden, die ihre Homosexualität zwar kennen, diese aber nicht ausleben, sondern ein rein heterosexuelles Leben führen und geführt haben - häufig mit Ehefrau und Kindern. Es gibt Hinweise darauf, dass eine solche Diskrepanz zu psychischen Problemen führen kann. Unsere Studie liefert wichtige Daten, um das Phänomen weiter zu erforschen.“, sagt Kathleen Herkommer, Oberärztin in der Klinik für Urologie am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar und ergänzt: „Andere Studien gaben bereits Hinweise, dass es diese Gruppe gibt. Wir konnten es jetzt erstmals wissenschaftlich beweisen.“ Betroffen waren davon 5,9 Prozent der homosexuellen Männer.

Die Daten wurden im Rahmen der PROBASE-Studie erhoben, die das Risiko für Prostatakrebs bei jungen Männern ermittelt und durch die Deutsche Krebshilfe finanziert wird.