Studie: Mehr Alkohol- und Tablettenkon­sum

Kampf gegen Komatrinken
Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul Steigender Druck in der Arbeitswelt dürfte ein Grund für den zunehmenden Alkoholkonsum sein

In Wien steigt der Anteil der Bevölkerung mit regelmäßigem Konsum von Alkohol sowie von Schlaf- und Beruhigungsmitteln deutlich an

Der Alkoholkonsum in der Wiener Bevölkerung steigt – und ebenso der Konsum von Beruhigungs- und Schlafmitteln: Das sind zwei zentrale Ergebnisse der neuen „Suchtmittel Monitoring Studie“ des Instituts für Empirische Sozialforschung (IFES), die im Auftrag der Sucht- und Drogenkoordination Wien durchgeführt wurde. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich der erhöhte wirtschaftliche und gesellschaftliche Druck in unserer Umfrage abbildet“, sagt dazu Hans Haltmayer, ärztlicher Leiter der Suchthilfe Wien. Die Ergebnisse im Detail:

Alkohol

35 Prozent der Bevölkerung trinken zumindest zwei bis drei Mal pro Woche Alkohol. Zwar war in den 90er-Jahren dieser Prozentanteil noch höher (39 Prozent), aber nach einem Rückgang bis 2005 steigt er wieder an (siehe Grafik). Rund die Hälfte der Wiener Bevölkerung konsumiert zumindest einmal in der Woche Alkohol. Dabei sind es „keineswegs die Jüngeren, die sich in überdurchschnittlichem Maße einem Alkoholrisiko aussetzen, sondern in erster Linie die über 50-Jährigen“, so die Studie. „Bei den Männern nimmt im Alter der Konsum stärker zu als bei den Frauen“, so Haltmayer. „Männer definieren sich sehr über ihre Position im Arbeitsleben – wenn sich diese verschlechtert, der Job verloren geht oder se in Pension sind, versuchen sie mit Alkohol gegenzusteuern – was aber nicht funktioniert.“ Die Angebote für Alkoholkranke sollen ausgebaut werden.

Psychopharmaka

Hier fällt vor allem ein steigender Konsum von Schlaf- und Beruhigungstabletten auf: „Am höchsten ist er bei den über 50-Jährigen“, so Haltmayer. Eine „zunehmende psychische Belastung“ vieler Menschen sei sehr wahrscheinlich ein Grund für den Anstieg: „Andererseits steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung und im Alter sind zum Beispiel Schlafstörungen generell häufiger.“

Vielfach fehle das Problembewusstsein für die Gefährlichkeit solcher Medikamente: „Viele Patienten gehen automatisch davon aus, dass diese Mittel automatisch gut sind, weil sie diese ja vom Arzt bekommen.“

Nikotinkonsum

32 Prozent der Wiener sind regelmäßige Raucher – genauso viele wie vor zehn Jahren. „Das zeigt, dass alle Maßnahmen, die bisher gesetzt wurden, um den Nikotinkonsum zu reduzieren, nicht gegriffen haben“, sagt Wiens Drogenbeauftragter Alexander David. „Nur mit erhobenen Zeigefinger zu warnen reicht nicht“, ergänzt Haltmayer: „Wir müssen mehr informieren und aufklären – gezielt in den Bevölkerungsgruppen mit hohem Raucheranteil.“Gleichzeitig sollte Raucherentwöhnung ein größeres Thema bei den niedergelassenen Ärzten werden.

Illegale Drogen Keine starken Veränderungen gibt es bei den „harten“ illegalen Drogen – durch die Kleinheit des prozentuellen Anteils in der Umfrage seien Veränderungen nicht wirklich aussagekräftig. „Wir sehen aber einen deutlichen Rückgang bei jungen Drogenkonsumenten, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung von älteren Patienten – weil sie langfristig in Behandlung und dadurch symptomfrei sind.“

Einen Anstieg gibt es beim „Probierkonsum“ von Hanfprodukten. Haltmayer: „Das muss man im Auge behalten. Aber unsere Hauptprobleme liegen beim Alkohol, den Zigaretten und den Tabletten.“

Grafik

Die wichtigsten Daten aus der neuen Studie

(kurier) Erstellt am
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