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Wissen
04/27/2021

Studie analysiert, warum Schüler schlecht Englisch lernen

73 Prozent der Mittelschüler und 31 Prozent der Schüler AHS-Unterstufenschüler schafften die Vorgaben nicht. Grazer Studie sieht Unterschiede bei den Lehrern.

Mehrsprachigkeit gilt als Grundlage für den späteren beruflichen Erfolg. Das sehen auch Lehrende der österreichischen Mittelschulen und AHS so, wie eine Studie des Instituts für Anglistik an der Uni Graz ergab. Die Forscher haben die Lehrer aber auch nach ihren Überzeugungen über die Fähigkeiten und Motivation ihrer Schüler sowie deren Zugang zu Englisch in der Freizeit befragt. Dabei traten signifikante Unterschiede zwischen Lehrenden der Schultypen zutage.

Die nationalen Standardbewertungen für Englisch für 2019 ergaben, dass 73 Prozent der Mittelschüler und 31 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Sekundarschulen nicht die im Lehrplan festgelegten Lernergebnisse erfüllen. Die Grazer Forscher stellten sich die Frage, warum es diese Lücke beim Erreichen der englischen Sprache gibt und ob die Überzeugungen und Praktiken der Lehrer einen Teil dieses Unterschieds erklären könnten.

Wie beurteilen Lehrende die Fähigkeit ihrer Schüler, Englisch zu lernen, wie schätzen sie ihre Motivation die Sprache zu erlernen und die Verwendung von Englisch im Alltag ihrer Schüler ein, und was sind die Sprachpraktiken im Klassenzimmer: Das waren die zentralen Fragen zweier Fragebogenerhebungen, die unter der Leitung von Elizabeth Erling vom Institut für Anglistik jeweils im Frühjahr 2019 und 2020 durchgeführt wurden. Rund 100 Lehrerinnen und Lehrer der AHS und Mittelschulen, der überwiegende Teil wiederum aus der Steiermark, haben daran teilgenommen.

Obwohl es zwischen den Ergebnissen der Schultypen auch Ähnlichkeiten gab, habe man "signifikante Unterschiede im Vergleich der Überzeugungen und Unterrichtspraktiken" von Lehrenden der AHS und der Mittelschule gefunden, so die Autoren der im "International Journal of Multilingualism" und dem "Journal of Multilingual and Multicultural Development" erschienenen Studien.

Der erste große Unterschied bestehe darin, dass eine große Mehrheit der AHS-Lehrenden angab, dass nach ihrer Meinung alle oder die meisten ihrer Schüler die Englischlernergebnisse für ihr Schulniveau erreichen - verglichen mit nur 30 Prozent der Mittelschullehrer. Die realen Bildungsstandardtests hätten wohl einen Unterschied in den Lernergebnissen entlang der beiden Schultypen gezeigt - jedoch nicht so groß wie der von den Lehrern angegebene.

AHS-Lehrer halten ihre Schüler für motivierter

Weiters hatten AHS-Lehrer im Vergleich zu Mittelschullehrern auch eine positivere Meinung zu den Sprachlernfähigkeiten ihrer Schüler, und sie glauben eher, dass das Englisch ihren Schülern hilft, ein besseres Sprachgefühl zu entwickeln. AHS-Lehrer stimmten signifikant öfter den Aussagen zu, dass ihre Schüler gerne Englisch lernen und dass die meisten oder alle motiviert seien, die Sprache zu erlernen.

Je mehr Pädagogen zudem in beiden Befragungen glauben, dass ihre Schüler motiviert sind, desto mehr glauben sie auch, dass die Schüler die Lernergebnisse für Englisch erreichen. "Wir schließen daraus, dass positive Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern zu besseren Lernergebnissen in Englisch beitragen, und diese variieren somit innerhalb des zweigliedrigen Bildungssystems - AHS vs. MS", fasste Studienleiterin Elizabeth Erling zusammen.

Die AHS-Lehrer hatten insgesamt eine positivere Meinung darüber, dass ihre Schüler außerhalb des Klassenzimmers Englisch sprechen, während sich im Gegensatz dazu Mittelschullehrer im geringerem Maße überzeugt zeigten, dass ihre Schüler in der Freizeit Englisch verwenden. Die Mehrheit der Lehrenden beider Schultypen gab überdies an, im Englischunterricht manchmal Deutsch zu sprechen, unter den AHS-Lehrenden sei es jedoch eine geringere Anzahl gewesen.

Interessant ist auch, dass die Lehrenden beider Schultypen zudem nicht glauben, dass das Lernen von Englisch den deutschen Spracherwerb unterstützt. Der Einsatz von "mehrsprachiger Pädagogik" kommt in beiden Schultypen eher selten vor. Die Mehrsprachigkeit wird somit nur zurückhaltend als Unterrichtsressource genützt, obwohl dies sowohl im AHS- als auch im MS-Lehrplan vorgeschlagen wird.

"Ohne eine Sprache als Basis scheitern Schülerinnen und Schüler. Diese Sprache muss aber keineswegs Deutsch sein", betont Co-Autorin Anouschka Foltz. Gemeinsam mit ihren an den Universitäten Graz und Wien tätigen Kolleginnen Sandra Radinger und Melanie Wiener fordert sie ein rasches Umdenken. In den Lehrplänen sei die Förderung des Sprachbewusstseins längst verankert, in der Praxis werde sie aber kaum berücksichtigt. "Die Kinder - und natürlich auch die Pädagoginnen und Pädagogen - sollen erkennen, dass Mehrsprachigkeit etwas Positives ist, das ihnen in der Schule und darüber hinaus nützt", plädiert die Wissenschafterin.

Für Erling ist ein "Schlüssel" zur Verbesserung der Situation die Ausbildung der Lehrenden. In Seminaren und Workshops arbeitet sie mit Lehramtsstudierenden und berufsbegleitenden Lehrkräften zusammen und versuchte ihre Einstellungen über die Vielfalt und Mehrsprachigkeit ihrer Schüler zu ändern und sie dabei zu unterstützen, Mehrsprachigkeit als Lernressource zu sehen und einzusetzen.

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