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Chronik Burgenland
08/30/2019

Englisch schon für Taferlklassler

Neues Schuljahr. Die freiwillige Englischstunde dürfte angenommen werden; Sorgen ums Burgenlandkroatische

von Thomas Orovits

Die 2.647 Taferlklassler, die Montagfrüh ihre Schulkarriere beginnen, betreten auch sprachlich Neuland. Alle Volksschüler haben ab diesem Schuljahr die Möglichkeit einer kostenlosen, unverbindlichen Englischstunde pro Woche. Für Kinder ab der 3. Schulstufe war Englisch schon bisher verpflichtend, nun können auch die Kleineren freiwillig erste Schritte in der international gebräuchlichsten Sprache machen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat darauf gedrängt, die neue Bildungslandesrätin Daniela Winkler (beide SPÖ) setzt die Maßnahme um.

„Wir leben in einer globalen, digitalisierten Welt, in der das Beherrschen der englischen Sprache Türen öffnet“, begründet Winkler, selbst Mutter zweier Kinder. An den mehr als 170 Volksschulen im Land übernehmen speziell qualifizierte Pädagogen den Englischunterricht, der in altersgerechter und spielerischer Form ablaufen soll. Dort, wo an der Schule keine Fachkraft verfügbar ist, greift die Bildungsdirektion auf „Native Speaker“ (Personen, deren Muttersprache Englisch ist; Anm.) oder Lehrer zurück, die lange in englischsprachigen Ländern gelebt haben, erläutert Erwin Deutsch, langjähriger Chef der Abteilung für Pflichtschulen in der Bildungsdirektion.

Englisch zieht

Mehr als 25 solcher externen Kräfte wurden per Sondervertrag verpflichtet. Obwohl die Eltern ihre Sprösslinge erst ab Montag für das Zusatzangebot anmelden können, haben sie informell schon großes Interesse bekundet. Deshalb rechnet Deutsch mit nahezu „100-prozentiger Teilnahme“ der Volksschüler.

Weniger rosig ist die Lage bei Burgenlandkroatisch, einem Eckpfeiler burgenländischer Identität – gerade in einer globalisierten Welt. Während die Zahl der Schüler, die in der Grundschule zweisprachig unterrichtet werden, mit 1.400 annähernd gleich bleibt, fehlen derzeit neun Lehrer (insgesamt gibt’s rund 150).

Schulinspektorin Karin Vukman-Artner, die erfahrene Leiterin der Abteilung für Minderheitenschulwesen, ist aber guten Mutes, dass sich „die Situation bald wieder entspannt“. Erstens befänden sich an der Pädagogischen Hochschule Eisenstadt Kroatisch-Lehrer in Ausbildung und mehrere Lehrkräfte kämen demnächst aus der Karenz zurück an die Schulen.

Neben Lehrern für Burgenlandkroatisch gibt es auch in den naturwissenschaftlichen Fächern der Neuen Mittelschule Engpässe, erklärte Bildungsdirektor Heinz Zitz.

Apropos Mittelschule: Die frühere Frontstellung gegen Gymnasien – Zitz wünschte sich vor Jahren die Verschmelzung beider zur Gesamtschule – scheint einem Nebeneinander gewichen zu sein. Die Zahl der Mittelschüler sinkt leicht, die der Gymnasiasten in der Unterstufe steigt ebenso dezent. Was aber auffällt: Mittlerweile gibt es landesweit nur noch 34 Neue Mittelschulen, vor Jahren waren es noch um 40.

Lehrerplus, Schülerminus

Obwohl die Zahl der Schüler insgesamt sinkt, im Herbst auf 32.238, gibt es mehr pädagogisches Personal. Neben 2.404 Landeslehrern im Pflichtschulbereich unterrichten an den höheren Schulen 1.839 Bundeslehrer. Neu angestellt werden fürs neue Schuljahr 110 Landes- und 39 Bundeslehrer.

Nicht alle freuen sich ohne Abstriche aufs kommende Schuljahr. Was den Kolleginnen und Kollegen die Arbeit mitunter vergälle, sei die überbordende Bürokratie, plaudert eine Pädagogin, die lieber anonym bleiben möchte, aus dem Nähkästchen. „Das Unterrichten ist das Schönste“, so die Lehrerin, aber dass beinahe schon jeder Schritt „verschriftlicht und protokolliert“ werden müsse, koste nur Energie, bringe aber wenig. Das könnten sich nur Leute ausdenken, die noch nie in einer Klasse gestanden seien. Dabei bräuchte man auch deshalb jede Minute für die Arbeit mit den Kindern, weil diese über einen längeren Zeitraum betrachtet „unkonzentrierter“ würden. Dazu komme, dass schon die Volksschule Erziehungsarbeit leisten müsse, die von den Eltern nicht wahrgenommen werde.