"Strahlen-Messer" für das Wiener AKH

AKH, Gamma Knife
Foto: KURIER/Deutsch Das neue Gamma Knife: „Damit schließt Österreich zur Weltspitze auf“, sagen Univ.-Prof. Engelbert Knosp (li.) und Ass.-Prof. Klaus Kitz.

Ein neues, extrem präzises Gamma-Knife zur Therapie von Hirntumoren geht Montag in Wien in Betrieb.

Am Montag geht es los: Das Wiener AKH und die MedUni Wien werden das neue Gamma Knife "Perfexion" in Betrieb nehmen – ein "Strahlen-Messer" zur Therapie von Tumoren und Gefäßerkrankungen im Hirn. "Die Jetti-Tant aus Favoriten muss jetzt nicht mehr nach Frankfurt oder Prag fahren", sagt Univ.-Prof. Engelbert Knosp, Vorstand der Klinik für Neurochirurgie der MedUni Wien, in Anlehnung an eine Aussage des früheren Bürgermeisters Helmut Zilk ("die Jetti-Tant muss nicht mehr nach Graz fahren", siehe re.) . Denn das alte Gamma Knife des Wiener AKH musste am 14.10. 2011 wegen "irreparabler Schäden" stillgelegt werden. Das Gamma Knife in Graz ist bereits seit 1.1. 2011 außer Betrieb. "Patienten mit komplexen Hirntumoren mussten wir deshalb in den vergangenen Monaten ins Ausland schicken."

Das neue, rund 5,5 Millionen Euro teure, von Bund und Stadt Wien finanzierte Gerät wird das einzige in Österreich bleiben: "Unser altes Gerät war auf 250 Patienten jährlich ausgelegt – tatsächlich behandelt haben wir zuletzt 400", sagt Ass.-Prof. Klaus Kitz, Leiter der Gamma-Knife-Einheit. "Mit einem solchen neuen Gerät behandeln manche Kliniken bis zu 1000 Patienten jährlich."

Verkürzt

Möglich wird dies durch zahlreiche technische Neuerungen: So dauerte es früher rund zehn Minuten, bis Einstellungen bei der Bestrahlung – etwa der Durchmesser der einzelnen Strahlen – verändert werden konnten. "Jetzt funktioniert das automatisch innerhalb von zwei bis drei Sekunden." Insgesamt kann die Behandlungszeit um rund zwei Drittel verkürzt werden.

Die 194 Strahlen können millimetergenau am Behandlungsort gebündelt werden: "Wir arbeiten sehr präzise mit hoher Dosis auf kleinen Bereichen. Das Gamma Knife ist ein neurochirurgisches Instrument", sagt Kitz. Überdies wird die Dosis so geplant, dass sie im Zentrum des Tumors ihr Maximum erreicht und am Rand deutlich niedriger ist – "gerade so hoch, dass die Tumorzellen noch abgetötet werden". Durch den steilen Abfall der Dosis können auch Metastasen behandelt werden, die in sehr kritischen Arealen des Gehirns – etwa nahe am Sehnerv – liegen. Oder Metastasen an tiefliegenden, für die Chirurgie unzugänglichen Stellen.

Kein Todesurteil

"Früher standen Hirnmetastasen am Ende einer Erkrankung. Heute überleben sie viele unserer Patienten um Jahre", sagt Kitz: "Erst vorgestern war eine Brustkrebspatientin zur Nachkontrolle bei uns, deren Hirnmetastasen 2005 und 2007 mit dem Gamma Knife behandelt wurden. Sie ist seither vollkommen stabil."

Gehirnmetastasen sind mit rund 50 Prozent auch das wichtigste Einsatzgebiet, gefolgt von Gefäßmissbildungen (Angiomen) und anderen Hirntumoren.

Ein weiterer Vorteil des Gamma Knife: Es können auch Patienten behandelt werden, die eine neurochirurgische Operation aufgrund ihres schwachen Allgemeinzustandes nicht überstehen würden. "Nach rund zwei Stunden ist die gesamte Therapie vorbei."

Europaweit gibt es 32 Gamma Knifes, davon 20 auf dem modernen technischen Standard des neuen Wiener Geräts. "Die Wiener Neurochirurgie hat mit dieser Investition zur Weltspitze aufgeschlossen", sagt Knosp: "Und auch alle anderen Neurochirurgien protifieren davon, weil sie ja in ständigem Austausch mit uns stehen."

Die nächsten Wochen werden für das Gamma Knife-Team stressig: "Da wir seit Oktober keinen Betrieb hatten, stehen 120 Patienten mit langsam wachsenden Tumoren und Gefäßmissbildungen auf der Warteliste."

Langer Streit um zwei Geräte
Anfang der 1990er-Jahre hatte der damalige Wissenschaftsminister Erhard Busek Graz den Zuschlag für das erste Gamma Knife Östereichs gegeben – zum Ärger des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk. Graz startete im April 1992, doch bereits im August 1992 zog Wien mit einem eigenen Gerät nach. An dieser Doppelgleisigkeit gab es viel Kritik: Denn in ganz Deutschland (zehnfache Einwohnerzahl) gab es damals nur drei derartige Geräte, heute sind es vier. Zilk war dennoch stolz: "Bei der neuen Wiener Medizin wird auch die Hilde-Tant mit modernsten Geräten behandelt und nicht nur Leute, die sich die Mayo-Klinik leisten können."

(kurier) Erstellt am
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