Wissen und Gesundheit
06.06.2017

Sterblichkeit durch Herzerkrankungen drastisch gesunken

Die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt im Spital zu sterben, beträgt nur noch fünf Prozent.

Kardiologen haben Grund zum Feiern. Seit 1970 ist die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um rund 60 Prozent gesunken. Einen wesentlichen Anteil hatten daran Arzneimittel und die interventionelle Kardiologie, welche in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert, heißt es zum Auftakt der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Altersstandardisiert betrage der Rückgang der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in Österreich seit 1970 „unglaubliche 61 Prozent“, wurden Daten im quasi schon historischen Vergleich zitiert. „Die Sterblichkeit an Herzkrankheiten ist allein in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent gesunken. Vor 30 Jahren betrug die Spitalssterblichkeit nach einem akuten Herzinfarkt 25 bis 30 Prozent. Heute sind es weniger als fünf Prozent“, sagte Franz Xaver Roithinger, Präsident der ÖKG.

40 Jahre aufblasbarer Katheter

Bei der Jahrestagung geht es auch um das Thema, wie herkömmliche Leitlinienmedizin und personalisierte in der Kardiologie miteinander optimal vereinbart werden können. An den Erfolgen der Herzspezialisten in Österreich und international gibt es jedenfalls keine Zweifel. „Im September dieses Jahres gibt es ein Jubiläum. Es jährt sich zum 40. Mal der Tag, an dem Andreas Grüntzig zum ersten Mal in Zürich mit einem aufblasbaren Katheter ein verengtes Herzkranzgefäß aufgedehnt hat“, sagte der Wiener Spezialist Franz Weidinger (Krankenhaus Rudolfstiftung).

Die Entwicklung von Stents (Gefäßstützen), die schließlich mit Medikamenten zur Verhinderung eines Wiederverschlusses und erneuter Verengungen des betroffenen Herzkranzgefäßes beschichtet wurden, und die immer größere Erfahrung der interventionellen Kardiologen haben hier sowohl in der Akutbehandlung des Herzinfarktes (in der Neurologie mittlerweile auch des Schlaganfalls) als auch bei geplanten Eingriffen zur Behebung von Koronarstenosen eine Revolution hervorgerufen. „Die Wiederverengungsrate (aufgedehnter Herzkranzgefäße; Anm.) war mit 20 bis 30 Prozent hoch. Heute haben wir eine Restenosesrate von weniger als fünf Prozent“, sagte Weidinger. Die ehemals gefürchteten Akutthrombosen in implantierten Gefäßstützen (Stents) treten nur noch bei 0,6 bis 0,7 Prozent der Fälle auf.

2014 machten in Österreich chirurgische Bypass-Operationen nur noch einen Anteil von zehn Prozent der Eingriffe bei Verengungen der Koronararterien aus. Chirurgie und Kathetereingriffe dürften auch langfristig ziemlich gleichwertig sein. Bei Aortenklappenverengungen von Patienten mit hohem und mittlerem Operationsrisiko bewährt sich die Klappenimplantation per Katheter ebenfalls.

Probleme mit Verschreibung

Probleme bereitet derzeit in Österreich die Verschreibungsmöglichkeit für die derzeit effektivsten und vor allem für Hochrisikopatienten (nach Herzinfarkt etc.) gedachten neuen LDL-Cholesterinhemmer (PCSK9-Inhibitoren). Laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger dürfen sie nur über Stoffwechselabteilungen, nicht einmal von Kardiologen, verschrieben werden und dies - so Peter Siostrzonek (Krankenhaus Barmherzige Schwestern/Linz) - unter zum Teil „arbiträren“ Vorbedingungen. Der Hauptverband der Sozialversicherungen habe einfach Angst, dass die Kosten aus dem Ruder laufen würden. Nur wenige Patienten hätten bisher diese Therapie in Österreich erhalten. Zu derartigen Klagen von Fachleuten kommt es - mit jeweils unterschiedlichen innovativen Medikamente - seit Jahrzehnten.

Dabei sind die Erfolge in der Kardiologie statistisch eindeutig belegbar. Die Einnahme von Statin-Cholesterinsenkern vermindert die Sterblichkeit in der Infarktnachbehandlung allein um 25 Prozent. Sogenannte ACE-Hemmer tragen dazu weitere 22 Prozent bei, hieß es in den Unterlagen. Auch für diese Arzneimittel galten ehemals nach ihrer Zulassung in Österreich restriktive Kostenersatzregelungen.