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Wissen
11/18/2020

Statistiker Neuwirth: „Zarter Hinweis auf Wirksamkeit des Lockdowns light“

Im Wochenvergleich gibt es weniger Neuinfektionen – aber erstmals über 100 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden.

von Ernst Mauritz

Am Mittwoch war der erste Blick auf die Daten erschreckend: Erstmals gab es mehr als 100 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden (genau: 109). Und auch wieder einen Anstieg der Neuinfektionen gegenüber Dienstag von knapp 6000 auf 7091, gemäß den Zahlen der AGES.

Vergleicht man aber Samstag bis Mittwoch vor einer Woche (7. 11. bis 11. 11.) mit dem Vergleichszeitraum dieser Woche (14. 11. bis 18. 11.), „liegen wir bei den täglichen Neuinfektionen derzeit etwas niedriger“, sagt der Statistiker Erich Neuwirth. „Mittwoch, Donnerstag und Freitag der Vorwoche hatten wir die bisher höchste Zahl an Neuinfektionen.“

Für Neuwirth gibt es „einen zarten Hinweis auf eine gewisse Wirksamkeit des Lockdowns light“. Er warnt aber vor einer Überinterpretation: „Oberösterreich meldet seit einigen Tagen wesentlich weniger durchgeführte Tests (4471 waren es etwa am 12. 11., 2569 am 14. 11., Anm.). Dann ist es nicht verwunderlich, wenn es weniger positive Fälle gibt.“ Allerdings stieg dann am Mittwoch die Testzahl wieder auf 3642 an.

Leichter Rückgang nicht überraschend

Dass sich tendenziell ein leichter Rückgang der Neuinfektionen zeigt, sei nicht überraschend: „Dass der Lockdown light gar keinen Effekt hat, war auch nicht anzunehmen. “

Die Frage sei jetzt, wie schnell man auf eine 7-Tage-Inzidenz von rund 50 Fällen pro 100.000 Einwohner herunterkomme: „Dann kann man halbwegs sicher sein, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und Infektionsketten nachverfolgt werden können.“

Der Anstieg der Todesfälle sei „beunruhigend“, sagt Neuwirth, aber kein Widerspruch zum leichten Rückgang der 7-Tage-Inzidenz: Denn der Zeitpunkt der Infektion liegt bei diesen Personen mehrere Wochen zurück. So dauert es im Schnitt von der Ansteckung bis zum Symptombeginn fünf bis sechs Tage. Bei rund 15 Prozent der Erkrankten kommt es nach weiteren sieben bis zehn Tagen zu einer Verschlechterung.

Knapp sieben Prozent müssen dann laut Gesundheit Österreich GmbH im Spital behandelt werden, rund ein Prozent der Erkrankten auf einer Intensivstation. „Da bis vor wenigen Tagen die Neuinfektionen noch kontinuierlich gestiegen sind, müssen wir auch noch mit einem Anstieg der Todesfälle zumindest in den kommenden zwei Wochen rechnen“, sagt Neuwirth. „Da kommt noch etwas Beunruhigendes auf uns zu, ehe ein Rückgang zu erwarten ist.“

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