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Wahrnehmungsstörungen
08/16/2013

Spielend alle Sinne trainieren

Die „Sensorische Integration“ ist ein Spezialgebiet von Ergotherapeuten.

von Ingrid Teufl

Tobias ist ein „Vogel“, wenn er an einem Seilzug hängend quer durchs Zimmer segelt. Gleich darauf erklimmt er einen „Berg“ – in Form einer Sprossenwand. Und wenn der fröhliche Fünfjährige begeistert „auf Schatzsuche geht“, sitzt er in einer großen, mit Bohnen oder Bällen gefüllten Kiste und wühlt darin nach dort versteckten, kleinen Gegenständen.

Was wie ein Abenteuerspielplatz anmutet, ist tatsächlich das Therapie-Zimmer einer Praxis für Ergotherapie mit dem Schwerpunkt Sensorische Integratiostherapie (SI). Damit werden Kinder unterstützt, verschiedenste Fähigkeiten wie Motorik, Wahrnehmung, Sinnesreizverarbeitung oder Körperspannung zu verbessern. Die SI ist ein Teilgebiet der Ergotherapie (die Grundausbildung der SI-Therapeuten, Anm.). Sie setzt an der Wurzel vieler Probleme an: der gestörten Verarbeitung von Informationen aus dem eigenen Körper und der Umwelt.

Bild: Ergotherapeut Köckeritz bietet Tobias die Therapiegeräte so an, dass der Bub sie wie ein Spiel empfindet

Elisabeth Söchting, Präsidentin der Gesellschaft für Sensorische Integration in Österreich (GSIOE): „Sechs bis 15 Prozent der Kinder leiden an sensorischen Verarbeitungsstörungen. SI soll die Organisation und Lernfähigkeit des Gehirns verbessern.“ Tobias’ Therapeut Gereon Köckeritz vom Wiener Therapiezentrum Christophorus (www.therapiezentrum-christophorus.at) erklärt das mit dem Bauplan einer Pyramide. „Wenn die Basis nicht stimmt, setzen sich kleine Defizite fort bis zur Spitze.“ Und die seien eben die kognitiven Fähigkeiten. Söchting: „In der sensorisch-integrativen Ergotherapie liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit an den Grundlagen komplexer Entwicklungsprozesse. Ergänzend setzen wir Training von einzelnen Fertigkeiten ein.“ Der spielerische Ansatz ist ein Merkmal der Sensorischen Integrationstherapie. Köckeritz: „Kinder können nur lernen, wenn Spaß und Freude dabei sind.“ Das heißt nicht, dass hyperaktive Kinder herumtoben, betont GSOE-Vizepräsidentin Helene Glabuschnigg. „Sie sollen erleben und lernen, seine Sinnesinformationen für sinnvolle Handlungen zu nutzen.“

Defizite früh vermeiden

Diesen Ansatz sah Tobias‘ Mutter Anna Brandhofer als ideal, um seine Fähigkeiten zu fördern. Tobias kam mit grauem Star zur Welt, beide Augenlinsen mussten entfernt werden. Dadurch hat der Bub (trotz Kontaktlinsen und Brille seit dem Babyalter) Probleme beim nahen und fernen Sehen.

„In seiner Entwicklung sind mir Kleinigkeiten aufgefallen, die er nicht so gut bewältigt hat, etwa beim Greifen“, erzählt Anna Brandhofer. „Ich wollte sicher gehen, dass er nicht größere Defizite entwickelt.“ Das Aktiv-Programm der Therapiestunden ist jedes Mal anders, es gibt keine Rezepte. Jede Stunde setzt bei den Fähigkeiten oder Interessen des Kindes an. Köckeritz: „Die Kunst ist, die richtigen Therapiegeräte so anzubieten, dass eine optimale Herausforderung für das Kind entsteht.“

Ergotherapie Behandelt werden Menschen mit physischen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen, die etwa durch Unfälle, Behinderungen oder eine Entwicklungsbeeinträchtigung in ihrem Alltag eingeschränkt sind. In der Therapie werden alltägliche Handlungen wie Greifen oder Bewegungen geübt, das motorische Geschick oder Konzentration und Aufmerksamkeit gefördert. Mehr Infos und Therapeutensuche: Bundesverband der ErgotherapeutInnen Österrechs.

www.ergotherapie.at oder 01/895 54 76.

Sensorische Integration Sie hat sich als Spezialgebiet der Ergotherapie entwickelt und geht auf die US-Ergotherapeutin und Psychologin Jean Ayre (1920 - 1988) zurück. Eine sensorische Integrationsstörung beruhe nicht auf einer Schädigung des Gehirns, sondern einer reversiblen Störung der fein abgestimmten Funktionen bestimmter Hirnstrukturen. Durch die Therapie sollen die Sinnesinformationen besser organisiert werden.

Mehr Infos: www.sensorische-integration.org oder 01/715 11 89. Bei der Therapeutenwahl sollte man auf die Grundqualifikation achten.

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