© KURIER/Jeff Mangione

Gesundheitstalk
12/04/2015

Schuppenflechte: Die Fragen der KURIER-Leser

Von der Cortisontherapie bis zur Rolle der Psyche.

von Ernst Mauritz, Jeff Mangione

"Welche Nebenwirkungen können bei einer jahrelangen Behandlung mit Cortison auftreten?", fragt eine Dame im Auditorium.

"Da muss man unterscheiden", sagt Georg Stingl: "Wenn Sie mittelschwere bis schwere Psoriasis haben und Sie werden lange Zeit mit Cortisontabletten behandelt, dann ist das ein Kunstfehler. Die lokale Therapie der Haut mit Salben ist hingegen ein wichtiger Teil der Therapiemaßnahmen – ein guter Arzt weiß, wie man das richtig macht und richtig berät."

Der Dermatologe Univ.-Prof. Georg Stingl von der MedUni Wien (Leiter der Abt. für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten) war Mittwochabend einer der Podiumsgäste beim Gesundheitstalk "Schuppenflechte" im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien. Der Gesundheitstalk ist eine Veranstaltungsreihe von KURIER, Medizinischer Universität Wien und dem Pharmaunternehmen Novartis.

"Dass Cortison die Haut eine Spur dünner macht, ist in den ersten Tagen und Wochen nichts Unerwünschtes: Ich will ja die verdickte Haut dünner machen und die Entzündung zurückdrängen. Allerdings darf man nicht unbegrenzt weiterbehandeln, weil sonst die Gefahr von Hautverletzungen zu groß wird."

Nach dem heutigen Wissenstand "kommt die Veranlagung, dass jemand eine Schuppenflechte entwickelt, von innen", so Stingl. "Hat sie einer der beiden Elternteile, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit bei den Nachkommen aufbricht, deutlich erhöht." Aber zusätzlich gebe es eine Reihe von Auslösefaktoren – etwa sehr intensive UV-Strahlung oder bakterielle Infektionen.

Zufall oder nicht?

"Und Stress?", fragt ein anderer Diskussionsteilnehmer. – "Viele Patienten sagen, dass es in ihrem Leben ein psychisch belastendes Ereignis zum Zeitpunkt des Beginns der Erkrankung gab", so die Dermatologin Univ.-Prof. Elisabeth Riedl von der MedUni Wien (Abt, für allgemeine Dermatologie). "Aber ob das ein zufälliges Zusammentreffen ist – oder der auslösende Grund –, da gibt es bis heute keine letztgültige Wahrheit. Und man kann Psoriasis auch ohne jegliche Stresssituation bekommen." Belegt sei hingegen, dass Stress im Alltag "für den Krankheitsverlauf natürlich nicht günstig ist".

Studien aus den USA hätten gezeigt, dass Patienten, die Entspannungstechniken, wie etwa Meditationen, anwenden, deutlich besser auf ihre Therapie (in diesem Fall waren es Bestrahlungen mit schwach dosiertem UV-Licht) ansprechen. Patienten mit schwerer Psoriasis haben auch ein erhöhtes Risiko für eine Depression. "Gerade bei der Schuppenflechte gibt es gute Daten, dass die Entzündungszellen, die in der Haut vorkommen, auch im zentralen Nervensystem vorhanden sind", sagt Stingl: "Wenn also ein Psoriasis-Patient depressiv wird oder sich psychisch verändert, kann das möglicherweise auch dadurch verursacht sein, dass die Entzündung, die wir an der Haut oder auch an den Gelenken sehen, vielleicht auch im Gehirn vorhanden ist."

Seit mehr als 50 Jahren hat Gerhard Hoch, stv. Obmann der Informationsplattform PSO Austria, Schuppenflechte: "Ich hatte sehr viele ruhige, stressarme Zeiten, in denen sich das Erscheinungsbild der Krankheit verstärkt hat – und ich hatte stressige Phasen, in denen es besser wurde. Mir geht es heute sehr gut und ich komme mit Cremen aus. Aber ich weiß, dass sehr viele Patienten sehr stark leiden – auch dann, wenn die Krankheit nicht so intensiv ist. Organisationen wie unsere können viel Unterstützung bieten."

www.psoriasis-hilfe.at

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