Wissen und Gesundheit
28.10.2017

Schlaganfall trifft auch Jüngere

Mit Lebensstilveränderungen kann das Risiko enorm reduziert werden.

Schlaganfälle werden eher mit dem fortgeschrittenen Lebensalter in Verbindung gebracht. Eine neue Studie zeigt aber, dass bereits einer von sieben Schlaganfällen auf die Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren entfällt – Tendenz steigend. Der Grund: Typische Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und damit einhergehend Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte sind bereits unter jungen Menschen stark verbreitet. Viele davon wären leicht vermeidbar. Daher steht der diesjährige Welt-Schlaganfalltag am Sonntag (29. 10.) im Zeichen der Prävention.

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"Junge Menschen glauben, ein Schlaganfall kann ihnen nicht passieren", sagen die Experten der Centers for Disease Control and Prevention ( USA). Die gefährlichen Blutgerinnsel im Gehirn können tatsächlich in jedem Alter auftreten, doch junge Menschen nehmen die Symptome (siehe Grafik) häufig nicht wahr. Das verzögert wiederum Diagnose und Behandlungsbeginn, die wesentlich für die Vermeidung von Langzeitfolgen sind.

Ungesunder Lebensstil

Warum gerade junge Menschen zunehmend betroffen sind, liegt für die US-Mediziner vor allem am ungesunden Lebensstil. Dazu kommen Risikogruppen wie etwa Frauen über 35 Jahre, die die Pille nehmen und rauchen. Ebenso können Schwangerschaftskomplikationen durch Übergewicht oder Bluthochdruck die Gefahr eines Schlaganfalls steigern.

Doch nicht nur die US-Jugend hat mit starkem Übergewicht zu kämpfen. Bereits 2015 kam eine in Salzburg durchgeführte Untersuchung zu alarmierenden Ergebnissen. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt nur 37 Jahre alt – aber bei 46,9 Prozent wurde erhöhter Blutdruck, bei 37,5 Prozent Übergewicht und bei 44 Prozent abdominelle Adipositas (zu viel Fett am Bauch) festgestellt.

Entwicklung aufhalten

"Wir müssen etwas gegen diese Entwicklung tun", betont Oberarzt Peter Sommer von der Neurologischen Abteilung der Rudolfstiftung. Das heißt: So früh wie möglich eine Prävention einleiten. "Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, die nachweislich dafür sorgen können, dass die Zahl der Schlaganfälle reduziert werden kann", sagt Sommer. Allein die Bekämpfung von hohem Blutdruck könne, wie eine Meta-Analyse mehrerer großer Studien zeigte, das Schlaganfallrisiko um fast ein Drittel senken.

Das betrifft übrigens alle Schlaganfall-Gefährdeten gleichermaßen, weiß Sommer. "Die meisten Schlaganfälle sind vermeidbar und mit verstärkten Bemühungen in der Prävention können zahlreiche Menschenleben gerettet werden."

Frühe Akutbehandlung

Zum Überleben nach einem Schlaganfall trägt allerdings die mittlerweile sehr gute Akutbehandlung in Österreich bei. "Es gibt wenige andere Krankheiten, deren Behandlungsmöglichkeiten sich in jüngerer Vergangenheit derart revolutionär verbessert haben", sagt Sommer. Und: "In wenigen anderen Ländern wurden diese Möglichkeiten so gut genutzt wie in Österreich." Dazu zählen etwa die hochspezialisierten 38 Stroke-Units, die eine flächendeckende Basisversorgung ermöglichen. In diesen Einheiten vergehen bis zum Beginn einer Behandlung oft nur mehr 30 Minuten.

Bevor es zu diesen Maßnahmen kommen kann, ist aus Sicht des Experten noch mehr Aufklärung nötig – auch im Hinblick auf jünger werdende Patienten. Viele Betroffene verlieren trotz Info-Kampagnen noch immer wertvolle Zeit. "Fast jeder Dritte zögert sogar dann, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Symptome deutlich erkennbar sind."

Laufen und dabei die Schlaganfallhilfe unterstützen: Das ist der Hintergrund der ersten „Fit for Brain“-Läufe, die anlässlich desWelt-Schlaganfall- tags dieses Wochenende in Wien veranstaltet werden. Die Nenngelder (25 Euro/P.) kommen der Schlaganfallhilfe Österreich zugute.

Infos
Läufe (5 km) finden Samstag (10-16 Uhr) und Sonntag (11 - 13 Uhr) im Ernst-Happel-Stadion (LCC Zentrum) statt. Anmeldung ist vor Ort möglich. Infos: www.barmherzige-brueder.at