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11.03.2018

Schlafapnoe: Ärzte warnen vor erhöhter Unfallgefahr

Bei zwei schweren Zugsunglücken in den USA wurde Tagesschläfrigkeit der Lokführer durch nächtliche Atemaussetzer als Unfallauslöser ermittelt. Auch in Deutschland und Österreich warnen jetzt Experten: Der Großteil der Menschen mit Schlafapnoe ist nicht diagnostiziert. Das erhöht das Unfallrisiko massiv.

Eine Tote, 220 Verletzte: Das war die traurige Bilanz von zwei Zugunfällen in New York (September 2016) und in New Jersey (Jänner 2017) in den USA. In beiden Fällen waren die Lokführer am Steuerpult eingenickt. Wie die Ermittlungen ergaben, litten beide Lokführer an derselben Krankheit: Der Obstruktiven Schlafapnoe (OSA), berichtete im Februar die New York Times. Diese führt zu Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf. Verpflichtende Untersuchungen gibt es in den USA nicht.

In der Europäischen Union dürfen Menschen mit Schlafapnoe und Tagesschläfrigkeit Kraftfahrzeuge nur dann steuern, wenn sie kontinuierlich erfolgreich behandelt werden: Darauf weisen jetzt deutsche Lungenfachärzte im Vorfeld eines großes Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in dieser Woche in Dresden hin. Doch viele Menschen mit Schlafapnoe sind nicht diagnostiziert. Das kann tödliche Folgen haben: Betroffene haben im Straßenverkehr ein zwei bis sieben Mal so hohes Risiko, Unfälle zu verursachen.

Hohe Dunkelziffer

"Alleine in Österreich wurde Obstruktive Schlafapnoe bei zirka 35.000 Personen diagnostiziert, doch die Dunkelziffer liegt mit 600.000 Betroffenen um einiges höher", heißt es bei der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich. Laut internationalen Studien seien weltweit zirka 24 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen im Alter von 30 bis 60 Jahren betroffen, so die Selbsthilfegruppe. Vielen Betroffenen sei nicht bewusst, dass sie krank sind. Schätzungen aus Deutschland gehen von 13 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen mit Schlafapnoe aus.

Eine Schlafapnoe kann sich oft - aber nicht immer - durch lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern bemerkbar machen. "Aber die Obstruktive Schlafapnoe ist bei Weitem nicht der einzige Grund für Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf", sag der Pneumologe Winfried Randerath von der Deutschen Fachgesellschaft. "Ein- und Durchschlafstörungen sowie Atmungsschwächen bei Herz- und Lungenerkrankungen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Und nicht jeder Patient mit Schlafapnoe zeigt die typischen Symptome." Und auch er betont in einer Aussendung: "Die Anzahl der Menschen, die an einer nicht diagnostizierten Schlafapnoe leiden, ist immer noch hoch."

Was bei der Schlafapnoe passiert

Bei der häufigsten Form der Schlafapnoe kollabieren im Schlaf die Atemwege des Patienten immer wieder. Die Ursache ist ein Verschluss der oberen Atemwege durch Erschlaffen der Rachenmuskulatur im Schlaf. Dadurch werden Atmung und Sauerstoffversorgung unterbrochen. Der Körper steigert seine Atmungsanstrengung und erlebt permanente Stressreaktionen. Die Folge: Unter diesen Umständen ist der Schlaf nicht mehr erholsam.

"Wer sich tagsüber häufig - und scheinbar grundlos - müde oder schläfrig fühlt, sich schlecht konzentrieren kann oder gar ungewollt einschläft, sollte seinen Schlaf untersuchen lassen", rät Randerath. Denn bei unbehandelter Schlafapnoe drohen auch Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall.

Lange Wartezeiten

Allerdings: Die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich wies bereits im Vorjahr darauf hin, dass die Wartezeiten in den Schlaflaboren je nach Region bis zu zwei Jahre dauern können.

Die Standardbehandlung ist eine so genannte CPAP-Therapie. Dabei trägt der Patient beim Schlafen eine Atemmaske, welche die Erschlaffung des Gewebes verhindert. Einen positiven Effekt haben aber auch Gewichtsreduktion, Vermeidung der Rückenlage, Logopädie, eine Zahnschiene und eine Atemwegsstimulation druch einen Zungenschrittmacher.

Leichter erster Selbsttest

Möglicherweise Betroffene können ihren Gefährdungsgrad für eine Schlafapnoe mit einem einfachen Selbsttest grob einschätzen. Wer mehr als acht Punkte erreicht, hat ein hohes Risiko für eine schlafbezogene Atemstörung, so die österreichische Selbsthilfegruppe:

  • Halsumfang von mehr als 40 cm: 4 Punkte
  • Body-Mass-Index von 25 bis 30: 3 Punkte
  • Body-Mass-Index über30: 5 Punkte
  • Berichtetes Schnarchen: 2 Punkte
  • Alter über 55: 4 Punkte
  • Männliches Geschlecht: 2 Punkte