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KURIER-Gesundheits-Coach
02/16/2016

Schnarchen: Wann es gefährlich wird

Welche Risiken Schnarchen hat und was man dagegen tun kann.

OA Dr. Katharina Mühlbacher ist Fachärztin für Lungenheilkunde und Leiterin des Zentrums für Schlafmedizin im Herz-Jesu- Krankenhaus in Wien.

Wann kann Schnarchen gefährlich werden?

Ein Drittel aller Frauen und die Hälfte der Männer schnarchen. Gefährlich ist es dann, wenn es zu damit verbundenen Atempausen kommt – der Schlafapnoe. Dabei werden durch die Erschlaffung der Rachenmuskulatur die oberen Atemwege verschlossen, die Luftzufuhr wird verhindert. Dies kann wenige Male bis zu 100-mal pro Stunde auftreten, einzelne Atempausen können mehrere Sekunden dauern. Meist werden die Patienten von den Angehörigen darauf aufmerksam gemacht, dass das Schnarchen nicht gleichmäßig ist, sondern nach einem lauten Schnarchgeräusch eine längere Atempause folgt.

Was können Symptome einer Schlafapnoe sein?

Neben den Atemaussetzern Tagesmüdigkeit, ständige Erschöpfung, Nervosität, Gereiztheit, Konzentrationsschwäche. Nach den Atempausen folgt aufgrund des Sauerstoffmangels eine Weckreaktion, um den Sauerstoffmangel zu stoppen. Schlafapnoiker verbringen die meiste Zeit der Nacht in einem oberflächlichen Schlaf und nur zehn bis 20 Prozent in erholsamen Tiefschlafphasen.

Welche Folgen sind möglich?

Der Stress des nächtlichen Kampfes um Luft treibt den Blutdruck in die Höhe und kann zu erhöhtem Pulsschlag und Herzrhythmusstörungen führen. Der Sauerstoffmangel bedroht die Versorgung jener Organe, die besonders auf regelmäßige und hohe Sauerstoffzufuhr angewiesen sind, wie Herz und Gehirn. Eine Schlafapnoe, die nicht behandelt wird, ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Wie wird die Diagnose erstellt?

Zunächst muss ein HNO-Arzt andere Gründe für das Schnarchen ausschließen, wie z. B. eine verkrümmte Nasenscheidewand oder vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln. Danach sollte man einen Lungenfacharzt konsultieren. Mit einem Screening-Gerät, das man nach Hause bekommt (misst u.a. Atemfluss und Sauerstoffsättigung), führt er eine Erstuntersuchung durch.

Sollte sich der Verdacht auf "Schlafapnoe" erhärten, folgt eine Nacht in einem Schlaflabor. Dort wird eine Polysomnografie durchgeführt. Dabei werden zahlreiche Parameter (u.a. auch Sauerstoffsättigung des Bluts, Hirnströme, Atemmuster) genau gemessen. Ergibt die Untersuchung, dass es zu mehr als 25–30 Atemaussetzern pro Stunde kommt, sollte eine nächtliche Überdruckbeatmung mittels Nasen- oder Nasen-Mund-Maske erfolgen (CPAP-Therapie, "continuous positive airway pressure").

Diese Therapie verhindert den wiederkehrenden Kollaps der oberen Atemwege. Atemaussetzer, Sauerstoffmangel und die vielen, unbemerkten Weckreaktionen werden dadurch vermieden.

Dr. Mühlbacher am Tel. (01/526 57 60): Mi., 17. 2.,
10 bis 11 Uhr.

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