Die menschliche Nase ist viel feiner als bisher angenommen

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Riech-Studie
03/21/2014

Die Nase übertrifft Auge und Ohr

Eine Billion Gerüche kann der Mensch unterscheiden, fanden Geruchsforscher heraus.

von Laila Daneshmandi

Die klare Luft nach einem Gewitter, das Aroma von frisch gebackenem Brot oder der Geruch von Knoblauch auf der Pizza. Die menschliche Nase ist viel feiner als bisher angenommen. Sie kann mehr als eine Billion Düfte unterscheiden, statt wie bisher vermutet 10.000. Das bestätigt nun eine aktuelle Studie führender Geruchsforscher am Howard Hughes Medical Institute (HHMI).

Die alte Annahme geht auf eine Schätzung aus den 1920er-Jahren zurück, die jedoch nie nachgeprüft wurde. Leslie Vosshall, Leiterin der Studie: "Objektiv gesehen hätte jeder wissen müssen, dass die Zahl 10.000 falsch ist. Es ergibt keinen Sinn, dass der Mensch schlechter riechen können soll als sehen." Im menschlichen Auge würden drei Lichtrezeptoren zusammenarbeiten, um bis zu zehn Millionen Farben zu sehen. Im Vergleich dazu hat die menschliche Nase rund 400 Geruchsrezeptoren.

Besser als Hunde

Es ist gut möglich, dass die menschliche Nase sogar besser riechen kann als die von Hunden, erklärt die Gehirnforscherin Veronika Schöpf von der MedUni Wien: "Wir können sicher nicht schlechter riechen. Hunde haben nur ihre Nasenschleimhaut außen und können ihre Nase besser nach dem Wind richten."

Vosshall erklärt weiter: "Wir wissen genau, welche Schallfrequenzen Menschen hören können – weil sich jemand die Zeit genommen hat, das zu testen." Gemeinsam mit Andreas Keller, einem führenden Forscher auf dem Gebiet, hat sie nun den Geruchssinn des Menschen ausgetestet. Eine schwierige Herausforderung, denn selbst der Duft einer Rose setzt sich aus rund 275 verschiedenen Molekülen zusammen. Im Rahmen der Studie wurden daher 128 Duftmoleküle willkürlich zu zehnt, zu zwanzigst oder sogar zu dreißigst zusammen-gemischt. "Wir wollten nicht, dass man sie wiedererkennt. Die meisten Mischungen waren ziemlich eigenartig."

Die Studienteilnehmer bekamen daraufhin drei dieser Mischungen zu riechen – zwei identische und eine, die sich unterschied. Sie mussten herausfinden, welche Mixtur von den anderen abwich – oft nur durch wenige Bestandteile. Jeder Proband musste insgesamt 264-mal den abweichenden Geruch erkennen.

Das überraschende Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer konnte die Mixturen zuverlässig unterscheiden, wenn bis zu 75 Prozent der Bestandteile übereinstimmten. Einige konnten sogar Duftcocktails auseinanderhalten, die zu 75 bis 90 Prozent aus denselben Molekülen zusammengesetzt waren.

Darauf basierend rechneten die Forscher ihre Ergebnisse hoch und kamen zu dem Schluss, dass die menschliche Nase zumindest eine Billion Gerüche unterscheiden kann – damit erfasst es weit mehr als Augen und Ohren.

Forschung boomt

Schöpf von der MedUni Wien dazu: "Die Geruchsforschung ist ein sehr junges Gebiet und boomt derzeit stark. Deshalb gibt es ständig neue, aufregende Ergebnisse." Erst 2004 haben die amerikanischen Wissenschaftler Richard Axel und Linda Buck den Medizin-Nobelpreis für die Erforschung der Riechrezeptoren erhalten.

20 Prozent der Umwelt nimmt der Mensch mit dem Geruchssinn wahr – Neugeborene können sich schon zwei Stunden nach der Geburt am Geruch der Muttermilch orientieren. Ein vielversprechendes Gebiet der Geruchsforschung beschäftigt sich mit Parkinson und Alzheimer. So wird etwa an einem Riechtest zur Früherkennung von Parkinson gearbeitet, aber auch an Riechtherapien zur Behandlung von Alzheimer.

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