Wissen und Gesundheit
10.10.2017

Neues Gelenk: So schmerzen Hüfte und Knie möglichst wenig

Eine Orthopädin erklärt, wie nach der Implantation eines künstlichen Hüft- und Kniegelenks die Schmerzbelastung gering gehalten werden kann.

Prim. Dr. Sabine Junk-Jantsch ist Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und Leiterin der Abteilung für Orthopädie und Rheumachirurgie am Evangelischen Krankenhaus Wien-Währing.

Mehr als 40.000 künstliche Knie- und Hüftgelenke werden jährlich in Österreich implantiert. Wie hoch ist die Schmerzbelastung der Patienten nach dem Eingriff?

In den vergangenen Jahren ist es vielfach gelungen, durch moderne Schmerz-Behandlungskonzepte die Schmerzintensität und -dauer deutlich zu senken. Bereits vor dem Eingriff erhält der Patient vorbeugend schmerzstillende Medikamente im Spital verabreicht. Während der Operation wird das Knie mit Lokalanästhetika – nur örtlich wirksamen Schmerzmitteln – infiltriert. Damit blockieren wir die Schmerzrezeptoren. Beim Kniegelenksersatz legen wir zusätzlich noch während der Operation einen Katheter – dünnen Schlauch – in die Wunde hinein. Zwei Tage lang werden über diesen kontinuierlich Schmerzmittel abgegeben.

Wann kann der Patient das Gelenk das erste Mal belasten?

Heute ist das Ziel, dass der Patient bereits im Aufwachzimmer – unterstützt von einer Physiotherapeutin bzw. einem Physiotherapeuten – kurz aufsteht. Das verhindert, dass ein Kreislauf Angst – Schmerz – Angst in Gang kommt. Der Patient bekommt von Anfang an Selbstvertrauen. Dazu reichen ganz wenige Schritte, aber dadurch merkt er, dass er mit seinem Gelenk zurechtkommt, sich darauf verlassen und wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Aus dem Fremdkörper wird so rasch ein Teil des Körpers.

Was passiert, wenn der Patient doch starke Schmerzen hat?

Jeder Patient bekommt eine Basisschmerztherapie. Gleichzeitig wird er jeden Tag gefragt, wie er seine Schmerzintensität auf einer Skala von 0 bis 10 einschätzt. Aufgrund seiner Angaben wird die Schmerztherapie individuell angepasst. Dadurch sind aber von Anfang an physiotherapeutische Übungen möglich. Alles zusammen wird als Quick bzw. Rapid Recovery Konzept bezeichnet – die Patienten werden so deutlich rascher fit als früher, die Dauer des Spitalsaufenthaltes und der Verwendung von Krücken kann deutlich reduziert werden.

Wie lange dauert es, bis sich die Patienten gut bewegen können?

Walken, Radfahren oder Schwimmen sind in der Regel sechs bis acht Wochen nach der OP möglich. Stop-and-Go-Sportarten wie Tennis dauern länger. Generell kann man mit einem Implantat praktisch alle Sportarten ausüben – wenn man diese auch vorher praktiziert hat. Man kann damit wieder Ski fahren – aber man kann damit nicht Ski fahren neu lernen. Auf jeden Fall muss man Geduld haben, wobei die volle Funktionsfähigkeit bei der Hüfte schneller wiederhergestellt ist als beim Knie. Die Wunde braucht rund zwölf Monate, bis sie komplett verheilt ist. Und zumindest rund sechs Wochen lang benötigen die Patienten im Schnitt ihre Schmerzmittel.

Prim. Dr. Junk-Jantsch am Telefon (01/526 57 60): Do., 12. 10., 17.00 bis 18.00 Uhr. eMail: gesundheitscoach@kurier.at