Wissen und Gesundheit
29.12.2017

Wie Weihrauch Entzündungen dämpft

Eine neue Studie zeigt, dass Weihrauchextrakte die Entzündungsaktivität bei Multipler Sklerose dämpfen können. Auch bei anderen entzündlichen Erkrankungen sind ähnliche Wirkungen bekannt.

Die Studienergebnisse haben die Forscher überrascht: Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein erhielten 28 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose eine Therapie mit standardisiertem Weihrauchextrakt. Über einen Zeitraum von acht Monaten nahmen sie drei Mal täglich Kapseln mit dem Extrakt ein. In den Bildern der Magnetresonanztomographie zeigte sich daraufhin: Die entzündliche Krankheitsaktivität war stark zurückgegangen.

Die Studienergebnisse haben die Erwartungen übertroffen, sagten die beiden Studienleiter Klarissa Stürner (Oberärztin in der Klinik für Neurologie des Uni-Klinikums Schleswig-Holstein) und Prof. Christoph Heesen (Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und NeuroCure Clinical Research Center der Charité Berlin).

" Weihrauch könnte aufgrund der geringen Nebenwirkungen besonders für erst seit kurzem und nur gering erkrankte Multiple-Sklerose-Patienten eine Behandlungsoption darstellen. Dazu sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig. Die Ergebnisse der Studie sind online im Journal of Neurology, Neurosurgery und Psychiatry erschienen.

Von der eigenständigen Einnahme von frei verkäuflich erhältlichen Weihnrauchpräparaten raten die Mediziner jedoch ausdrücklich ab.

Generell entzündungshemmend

"Dem Weihrauch wurde aufgrund der Erfahrungen eine desinfizierende, schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung zugechrieben", heißt es auf dem öffentlichen Gesundheitsportal GESUNDheit.gv.at. So können die Inhaltsstoffe im Weihrauch (die Boswelliasäuren) offenbar die Bildung von Entzündungs-Botentstoffen hemmen. Diese spiele etwa auch bei chronisch entzündlichen Darmerkranungen, Asthma oder Rheuma eine große Rolle. Auch hier erfolgt die Anwendung mittels Weihrauchkapseln, die als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken erhältlich sind.

Die Plattform Medizin-Transparent hat die wissenschaftliche Datenlage zu den positiven Wirkungen von Weihrauch auf die Gesundheit untersucht. Demnach zeigen klinische Studien, dass Weihrauchextrakte Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bei altersbedingter Abnützung (Arthrose) der Kniegelenke geringfügig lindern können.

Unzureichend erforscht

Für andere Beschwerden wie Asthma, rheumatische Beschwerden und chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sei die Wirkung von Weihrauch nur unzureichend erforscht und die bisherigen Studienergebnisse zu wenig aussagekräftig.

Laut Medizin Transparent sind ernste Nebenwirkungen durch das Schlucken von Weihrauchkapseln nicht zu erwarten. In einigen Fällen berichteten Studienteilnehmer allerdings von Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Sodbrennen.

Lutschen nicht empfohlen

Im Nahen Osten wird auch purer, gereinigter Weihrauch als vorbeugendes Mittel gegen Erkältungskrankheiten gelutscht. Mit in Österreich erhältlichem Weihrauchharz ist das aber nicht empfehlenswert - dieses ist nicht für die Anwendung im menschlichen Organismus gedacht. Und Experten betonen, dass nciht alles, was als Weihrauch angeboten wird, auch ein solcher ist. Es kann sich auch um Harz anderer Pflanzen handeln, Garantie gibt es keine.

Wie Weihrauch gewonnen wird

Weihrauch wird aus dem Weihrauchbaum durch Einkerben des Stammes gewonnen, wodurch ein an der Luft erhärtendes Gummiharz austritt. Man unterscheidet zwischen dem indischen Weihrauch, der von der Weihnrauchbaumart Boswellia serrata stammt und dem Arabischen (Boswellia sacra). Die erste Ernte weist geringe Qualität auf, die Harzstücke sind bräunlich. Die werden meist zum Verräuchern verwendet. Hochwertiges Weihrauchharz hat eine helle, fast weiße Farbe.