Wissen und Gesundheit
16.04.2017

Welche Teile vom Schokohasen zuerst verspeist werden

59 % der kleinen und großen Konsumenten von Schokohasen beißen zuerst ins Ohr. US-Forscher gingen dem Hasen-Schicksal nach - und publizierten das in einem renommierten Fachjournal.

Noch sind in diesem Wissenschaftsebiet viele Fragen offen. "Weitere Forschungen sind notwendig", geben die Autoren der Studie auch unumwunden zu. Aber erste bahnbrechende Erkenntnisse liegen jetzt vor. Und die sind "statistisch signifikant", also eindeutig. Und vielleicht ist es sogar ein Durchbruch. Und ganz sicher ist es kein Aprilscherz.

"Saisonabhängigkeit von Ohramputationen bei Hasen" lautet der Titel der Studie, die immerhin im renommierten Fachjournal Laryngoscope des US-Wissenschaftsverlags Wiley erschienen ist. Dieses Fachjournal vor allem für Hals-Nasen-Ohrenärzte (Larynx ist der Kehlkopf) gibt es seit beinahe 120 Jahren.

Kathleen Yaremchuk und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Henry-Ford-Hospital in Detroit werteten für den Zeitraum von 2012 bis Frühjahr 2017 die Anzahl der Berichte und Fotos im Internet über bzw. von Schokohasen mit amputierten Ohren aus. Dabei konnten sie einen "statistisch signifikanten" Anstieg jeweils rund um Ostern feststellen.

"Dabei war sehr interessant nachzuweisen, dass es bei anderen jahreszeitlichen Süßwaren, wie etwa Santa Claus, keine derartigen isolierten Defekte festzustellen waren."

Diese Daten decken sich mit den Ergebnissen einer Online-Umfrage mit 28.113 Teilnehmern: Demnach bevorzugten 59 Prozent der Befragten, den Hasenverzehr bei den Ohren zu beginnen. 33 Prozent ließen keine eindeutige Präferenz für einen Körperteil erkennen und nur vier Prozent machen ihren ersten Biss in den Schwanz oder die Pfoten.

In anderen Umfragen bekannten sich bis zu 89 Prozent der Teilnehmer zur primären Ohrenverstümmelung.

Viele Fragen noch offen

Viele Zusammenhänge sind aber noch unklar. Etwa: Ist es die rund um Ostern stark steigende Schokohasenpopulation und der dadurch verstärkte Kontakt zwischen Schokohase und Mensch, der den Anstieg der Amputationen verursacht?

Oder nimmt rund um Ostern das entsprechende menschliche Beuteverhalten zu - und wird dieses dann durch das größere Angebot noch zusätzlich befördert? Die Autoren betonen auch: Es handle es sich bei ihrer Arbeit lediglich um eine retrospektive (rückblickende) Beobachungsstudie. Direkte kausale Zusammenhänge können nicht belegt werden.

Laut der US-Studie sind mindestens 513 von 100.000 in den USA produzierten Schokohasen von einer Ohrenverstümmelung betroffen. Die Dunkelziffer könnte allerdings deutlich höher sein.

Rekonstruktion ist möglich

Die Forscher diskutieren auch die chirurgischen Möglichkeiten einer Ohrenrekonstruktion - etwa durch Spenderohren. "Die Totalrekonstruktion sollte als bevorzugte Technik angesehen werden", heißt es in der Studie Und Ersatzorgane in verschiedenen Größen seien kommerziell, etwa über Amazon, erhätlich.

Doch dabei könnte es sich um ein sinnloses Unterfangen halten, wie Kathleen Yaremchuk mit Blick auf die eher düstere Schokohasenrealität meint: Denn sehr oft erliegt der Rest des Hasen einem ähnlichen Schicksal wie zuvor seine Ohren.

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