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Wissen
01/18/2020

Neue Abnehmkonzepte: Warum schnelle Diäten total out sind

Insulinspiegel, Energiedichte, Achtsamkeit: Bei der Ernährung wird jetzt mehr Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse genommen.

von Ingrid Teufl

Kein Jahr ohne neue Trend-Diät: Angelina Jolie hält sich angeblich mit der Shred-Diät, einem sechswöchigen Ernährungs- und Bewegungsprogramm, schlank. Und die Modezeitschrift Elle ruft Flexitarismus als angesagteste Diät aus, um Gewicht zu verlieren. Das ist insofern bemerkenswert, als Letzteres eher einem langfristigen Ernährungskonzept entspricht als einer Hungerdiät. Eine vorwiegend vegetarische oder vegane Ernährung wird dabei gelegentlich mit Fleisch und tierischen Produkten ergänzt.

Am Puls der Zeit liegt die Elle mit ihrer Prognose dennoch. Denn wenn sich so etwas wie eine Trend-„Diät“ ausmachen lässt, trifft das auf Ernährungskonzepte zu, die nicht auf sofortigen Gewichtsverlust ausgerichtet sind. Dieser Boom überrascht Katharina Bruner, Ernährungswissenschafterin in Oberösterreich, nicht. „Den Menschen wird stärker bewusst, dass man nur mit Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse etwas verändern kann.“

Kein Verzicht

Vielen kommt entgegen, dass es bei neuen Konzepten vorrangig nicht um Verzicht geht. Sondern etwa um das Senken des Insulinspiegels. Oder, dass die Energiedichte der Lebensmittel berücksichtigt wird.

Ebenso, dass schmackhafte Mahlzeiten die Motivation erhöhen. „Das Ziel genussvoller Ernährungskonzepte ist ja unter anderem, dass sie längerfristig umgesetzt werden sollen.“

Da hält man sich auch leichter daran, statt in alte Essmuster zurückzufallen. Denn: „Das Dranbleiben ist nach wie vor das größte Thema bei einer Diät“, weiß die Expertin. Und, ein weiterer Faktor für gelungenes Abnehmen: „Nicht zu hungern spielt eine nicht unwesentliche Rolle.“

Wunsch und Realität klaffen auseinander

Warum ständig neue Diäten ausprobiert werden, bei denen die Kilos nur so purzeln sollen, hat für Bruner viel mit Wunsch und wenig mit Realität zu tun. Es gelte noch immer: Möglichst schnell und gut abnehmen – und möglichst wenig verändern müssen. „Dass der Schritt zur Veränderung doch mehr erfordert, als sie erwartet haben, überrascht viele.“

Statt sich auf Mode-Diäten zu stürzen, empfiehlt sie, auf Bewährtes zu setzen. „Die mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Fisch und guten Ölen ist nach wie vor empfehlenswert.“

Drei Anleitungen

Für das richtige Abnehmkonzept hat Ernährungswissenschafterin Katharina Bruner hat eine klare Regel: „Was am besten zum jeweiligen Typ und zu den Lebensumständen passt, ist am erfolgreichsten.“ Welche Methoden gerade im Trend liegen:

InsulinspiegelSich ausschließlich auf die Senkung des Insulinspiegels zu konzentrieren, könnte nicht den gewünschten Erfolg haben, warnt Bruner. Diese Methode propagiert der kanadische Arzt Jason Fung, kombiniert mit Fastentagen. „Das klingt in der Theorie gut, aber die individuelle Konstitution spielt eine große Rolle. Gerade Kohlenhydrate sind unterschiedlich verträglich.“ Den Insulinspiegel im Auge zu behalten „ist mit Sicherheit gut“. Berücksichtigen sollte man, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten.
Buchtipp: Jason Fung: „Schlankformel-Kochbuch.Über 90 einfache Rezepte, um den Insulinspiegel zu senken, Gewicht zu verlieren und die Gesundheit zu verbessern“, Riva Verlag, 202 Seiten, 20,60 Euro

Energiedichte: Aufgrund der Hauptnährstoffe (Wasser, Kohlenhydrate, Fett usw.) auf seine Energiedichte zu schließen, ist derzeit ebenso beliebt. Mit dieser Orientierung könne leichter eine Kalorienreduktion gelingen. Die individuelle Umstellung, ohne Vorlieben außer Acht lassen zu müssen, erhöht für Bruner jedenfalls die Motivation. Aber auch hier sollten andere Faktoren, die zu Übergewicht geführt haben, berücksichtigt werden.
Buchtipp: Johannes Erdmann, Margit Hausmann, Johanna Bayer: „Satt essen und abnehmen. Das wissenschaftlich fundierte Erfolgsdkonezpt auf Basis der Energiedichte - ohne Diät“, Riva Verlag, 251 Seiten, 20, 60 Euro

Achtsamkeit: Bei Diäten wird oft verges der mentale Aspekt vergessen. Daher ist es wenig überraschend, dass Achtsamkeits- und Mentalkonzepte jetzt auch zum Abnehmen genutzt werden. Wieder lernen, auf intuitive Bedürfnisse zu achten, ist der Ansatz der deutschen Ärztin Mareike Awe. Bruners Fazit: „Sich bewusst Zeit nehmen und sich mit einem Lebensmittel auseinanderzusetzen ist ein guter Zugang. Denn meist ist permanentes Snacken ein großer Faktor für Übergewicht.“
Buchtipp: Mareike Awe: „Wohlfühlgewicht. Wie du dich vom Diät-Zwang befreist und intuitiv deine Wohlfühlfigur erreichst“, Knaur Balance Verlag,205 Seiten, 18,50 Euro