NASA-Forscher über Exoplaneten und Trump

SPACE NASA KEPLER EXOPLANET
Foto: APA/EPA/NASA/JPL-Caltech/T. Pyle Die Erde (li.) und ihr "älterer Cousin" Kepler-452b

Gleich mit zwei Hightech-Teleskopen wollen Wissenschaftler in Zukunft nach erdähnlichen Planeten Ausschau halten – und nach Leben suchen.

Ein Himmelskörper fern von unserer Erde, auf dem Leben möglich ist. Diese Vorstellung faszinierte schon viele Menschen. Dazu geforscht wird aber erst seit wenigen Jahren. 1995 entdeckten Forscher den ersten Exoplaneten - Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Seither ist ihre Anzahl rasant gestiegen. Wie die Wissenschaft dort nach möglichem Leben sucht, erklärt Paul Hertz, NASA-Direktor für Astrophysik, vor seinem Vortrag im Naturhistorischen Museum Wien.

KURIER: Ist es in Zeiten von Verschwörungstheorien und Fake News schwieriger geworden zu erklären, dass die NASA keine Aliens entdeckt hat?

Paul Hertz: Es ist nicht schwieriger geworden, wir sind uns darüber sehr sicher. Es ist immer etwas enttäuschend, wenn wir erklären müssen, dass Informationen nicht stimmen. Aber auch das gehört zu unserem Job.

Was würde passieren, wenn man tatsächlich außerirdisches Leben findet?

Wir wissen nicht, was sich verändern würde. Aber für viele wäre es sicher die größte wissenschaftliche Entdeckung der Menschheit. Damit könnte man fundamentale Fragen klären, etwa, woher wir kommen. Ich hoffe natürlich, dass wir es schaffen, weiß aber nicht, wie lange es dauern wird. Das Universum war bisher sehr gastfreundlich für Leben.

Paul Hertz in Wien Foto: KURIER/Franz Gruber Wie definieren Sie "Leben"?

Die einzige Art von Leben, die wir im Licht von Planeten suchen, ist jene, die wir auf der Erde haben. Zum Beispiel Sauerstoff, Methan, flüssiges Wasser. In zukünftigen Experimenten widmen wir uns vielleicht auch chemischen Reaktionen.

Bisher gibt es 3442 bestätigte Exoplaneten. Wie groß ist die Chance, dort Leben zu finden?

Auf der Erde ist das Leben sehr schnell entstanden. Jetzt könnte man meinen, es gibt mehr solcher Planeten. Vielleicht ist das auch so, aber wir haben dazu keine Daten. Wir hoffen, dass wir in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren Teleskope bauen können, mit denen wir die Moleküle in der Atmosphäre erforschen können. Zuletzt entdeckten wir mehr felsige Planeten, die sich in einer habitablen Zone befinden (Bereich um einen Stern, in dem die richtige Temperatur herrscht, damit Leben auf einem dort vorhandenen Planeten entstehen kann, Anm.). Das Leben auf der Erde entstand in den Ozeanen. Falls diese Planeten auch welche haben, wissen wir, dass Leben dort schnell entstehen kann. Aber wir haben noch keine Teleskope, um das zu untersuchen.

Gerade wurde noch am "James-Webb-Weltraumteleskop" gebaut.

Es ist das bisher größte Teleskop (2018 soll es an Bord einer Rakete ins All fliegen, Anm.) und kann zehn Mal mehr Licht einsammeln als das aktuelle Weltraumteleskop "Hubble". Aber es hat nicht die richtigen Instrumente, um zu analysieren, ob es auf den Planeten Wasser oder Sauerstoff gibt. Dazu brauchen wir ein Instrument, das Licht filtert. Wir arbeiten derzeit am "WFirst" (Wide Field Infrared Survey Teleskop), ein Infrarot-Teleskop. Es soll Mitte 2020 fertig sein. Es hat einen Koronograf, der das helle Licht eines Sterns ausblendet und das schwache Licht des umkreisenden Planeten untersuchen kann. Ich hoffe, wir werden Gase finden, die auch in unserer Atmosphäre sind.

Wie sieht es eigentlich mit der Mission zum Mars aus?

Wir würden gerne Forscher hinaufschicken, um Geschichte und Ressourcen des Planeten zu untersuchen. Von dem jetzigen Rover wissen wir, dass es am Mars einmal warm und feucht war. Wir wollen herausfinden, wie er so lebensfeindlich, kalt und trocken wurde. Menschen sind dafür schneller und besser geeignet als Roboter.

Wie sicher sind diese Pläne angesichts des neuen US-Präsidenten Donald Trump?

Die Trump-Regierung hat noch keinen neuen NASA-Administrator bestellt oder Änderungen in den Programmen verkündet. Wir werden wie bisher weitermachen und können nur warten, was die Entscheidungsträger bestimmen. Es gab schon verschiedene Parteien und Direktionen, bisher haben sie alle die Programme unterstützt. Ich hoffe, das bleibt so, damit wir weitermachen können. Die Reise zum Mars, die Weltraumteleskope, das alles sind langfristige Missionen, die auch außerhalb der USA großes Interesse finden.

Zur Person: Paul Hertz, geboren 1955 in den USA, studierte Physik und Mathematik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und promovierte in Harvard. Danach war er Astrophysiker am US Marine-Forschungslaboratorium in Washington DC. Sein Forschungsschwerpunkt: die Röntgenemission von galaktischen Neutronensternen, Schwarzen Löchern und Kugelsternhaufen. 2000 kam er als leitender Wissenschafter an das NASA Office für Weltraumforschung. Seit 2012 leitet er die Abteilung für Astrophysik. Hertz ist verheiratet, hat drei Kinder und ist ein großer Baseball-Fan. 

Fakten zu Exoplaneten:

- Wissenschafter schätzen, dass jeder fünfte Stern von einem Exoplaneten in ungefähr jenem Abstand umkreist wird, der theoretisch Bedingungen zulässt, unter denen Leben entstehen kann, wie wir es kennen.

- Der bisher erdähnlichste Planet heißt „Kepler-452b“.Er ist aber kein Erd-Zwilling, sondern eher ein "älterer Cousin". Er ist zirka 60 Prozent größer als die Erde.

- Proxima Centauri b ist der bis dato erdnächste gefundenene Exoplanet. Er ist mutmaßlich etwa 1,3 mal so schwer wie die Erde und hat eine Gesteinsoberfläche.

(kurier) Erstellt am
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