Wissen und Gesundheit
28.12.2017

Wenn Silvester beim Augenarzt endet

Augenverletzungen zu Silvester: Jeder dritte Betroffene ist ein Kind oder Jugendlicher im Alter bis 17 Jahre.

Verletzungen durch Silvesterraketen und Böller betreffen vor allem Kinder und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Das ergab eine Erhebung der deutschen Fachgesellschaft für Augenheilkunde (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, DOG) an deutschen Augenkliniken. Oftmals hatten die Betroffenen den Knallkörper nicht einmal selbst gezündet. Die Fachgesellschaft für Augenheilkunde fordert mehr Aufklärung und bessere Schutzmaßnahmen, um Augenschäden durch Feuerwerkskörper zu verhindern.

Mit der Umfrage zum Jahreswechsel 2016/2017 hat die DOG das Ausmaß von Augenverletzungen durch Feuerwerks- und Knallkörper untersucht. Insgesamt meldeten 41 Augenkliniken 350 Betroffene – ein Drittel von ihnen waren Kinder oder Jugendliche im Alter von ein bis 17 Jahren. Bei den jungen Erwachsenen war der Großteil der Verletzten zwischen 18 und 30 Jahre alt. Ein Drittel der Unfallopfer hatte zusätzliche Verletzungen im Gesicht und an den Händen. „Nur die Hälfte der Kinder hat den verursachenden Feuerwerks-oder Knallkörper selbst gezündet“, sagt Prof. Hansjürgen Agostini von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. „Diese Zahlen belegen, wie unberechenbar und gefährlich Raketen und Böller sind und dass wir mehr Schutzmaßnahmen brauchen.“

Risse im Augapfel

Insgesamt konnten drei Viertel der Patienten mit Verletzungen am Augenlid sowie an Horn- und Bindehaut ambulant behandelt werden. Jeder vierte Patient jedoch erlitt eine schwere Verletzung, die stationär oder sogar in einer Notoperation behandelt werden musste – dazu zählten Prellungen oder Risse im Augapfel oft kombiniert mit Lid- und Oberflächenverletzungen. Bei einem Zehntel der Patienten ist infolge der Verletzung ein Sehverlust zu erwarten. „Unsere Ergebnisse insbesondere zur Anzahl verletzter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener, die am Anfang ihrer Berufstätigkeit stehen, sind mit denen internationaler Studien vergleichbar. Ebenso vergleichbar und dramatisch ist das hohe Risiko als unbeteiligter Zuschauer oder Passant getroffen zu werden.“, sagt Ameli Gabel-Pfisterer vom Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam.

Verkaufsverbot angestrebt

Für Silvester 2017 ist eine weitere Umfrage geplant. „Mit dieser Erhebung wollen wir der Diskussion um ein Verkaufsverbot für Feuerwerksknallkörper an Privatpersonen eine statistische Basis geben“, sagt die Expertin.

Ein solches Verkaufsverbot wurde von internationalen Fachgesellschaften bereits im vergangenen Jahr gefordert. Augenärzte plädieren für mehr Bewusstsein für die Risiken von Eigen- und Fremdgefährdung, die von Knallkörpern ausgehen. „Alljährlich erleiden in der Silvesternacht tausende Menschen in Deutschland Verletzungen, weil leichtsinnig, unsachgemäß und unter Alkoholeinfluss mit Feuerwerkskörpern hantiert wird“, sagt Agostini. Wer nicht auf das Feuerwerksspektakel verzichten möchte, sollte zu seiner eigenen Sicherheit eine Schutzbrille tragen, empfiehlt der Experte. „Besser wäre jedoch, die Feuerwerkskörper den Händen von ausgebildeten Profis zu überlassen.“