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Wissen und Gesundheit
04/25/2014

Malaria: Bei Fieber niemals zuwarten

Der Tod des Filmemachers Michael Glawogger hat viel Verunsicherung unter Fernreisenden ausgelöst. Zum heutigen Welt-Malaria-Tag beantwortet der KURIER die wichtigsten Fragen.

Ist Malaria gefährlicher geworden?
Nein. „Die Gefährlichkeit hat sich nicht verändert“, sagt der Tropenmediziner Univ.-Prof. Herwig Kollaritsch, MedUni Wien. „Wir haben heute mehrere Medikamente zur Verfügung, mit denen wir die Patienten je nach Reiseziel sehr gut und zielgerichtet behandeln können.“ Voraussetzung dafür sei eine intensive Vorbereitung mit einem spezialisierten Reisemediziner. „Wir können aber heute vorab so beraten, dass das Risiko für eine Erkrankung verschwindend gering ist.“

Immer häufiger wird zugunsten von Notfallmedikamenten („stand by“) für den Erkrankungsfall auf eine vorbeugende Einnahme (Malariaprophylaxe) verzichtet. Reicht das?
Das kommt auf das Reiseziel und den jeweiligen Erreger an. „In Schwarzafrika etwa ist eine permanente Prophylaxe ratsamer, da dort das Erkrankungsrisiko für Malaria tropica – die gefährlichste und häufigste Form – sehr hoch ist. Besonders für Mitteleuropäer, deren Immunsystem mit diesem Erreger keine Erfahrung hat.“ Prinzipiell haben Medikamente für Prophylaxe und Behandlung den gleichen Effekt: die Erreger im Blut abzutöten. „Bei einer Prophylaxe wird allerdings bereits vorbeugend ein hoher Wirkstoffspiegel im Blut aufgebaut, damit die Krankheit trotz Infektion nicht ausbricht.“
Im Erkrankungsfall ist der Zeitfaktor wesentlich. Das Zeitfenster ist sehr gering, es beträgt nur 24 bis 48 Stunden, danach kann es schon zu spät sein und der Erreger hat zu viele rote Blutkörperchen befallen. Kollaritsch: „Ich rate meinen Patienten immer, lieber beim ersten Fieberanzeichen hysterisch zu sein und gleich Tabletten einzuwerfen. Das ist besser als zuwarten.“

Sind Sorgen wegen starker Nebenwirkungen der Malaria-Prophylaxe berechtigt?
Nebenwirkungen treten bei den heute üblichen Vorsorgemedikamenten viel seltener auf, so Kollaritsch. Ressentiments der Patienten würden häufig noch immer von älteren Präparaten herrühren, bei denen u. a. häufig von Panikattacken, Depressionen oder Schlafproblemen berichtet wurde.

Welche Vorsorgemaßnahmen sind neben Medikamenten noch wichtig?
„Ganz wesentlich ist der generelle Insektenschutz. Im Grunde sind primitive Maßnahmen sehr effektiv, wie etwa gegen Stechmücken imprägnierte Moskitonetze.“ Die WHO konnte in den vergangenen Jahren das Vorkommen von Malaria in vielen Tropenländern durch die Ausgabe solcher Netze halbieren. Zusätzlich sollten unbedeckte Hautpartien sowie Kleidung mit insektenfernhaltenden Substanzen (Repellentien) imprägniert werden.

Wie ich die Malaria Tropica knapp überlebte

Hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Gelenks- und Kopfschmerzen. Mist, jetzt hat mich, der Jahreszeit entsprechend (November, 2009), die Grippe erwischt, dachte ich. Also ab ins Bett, abwarten und Tee trinken.

Am nächsten Tag schleppte ich mich doch zum Hausarzt, immerhin hatte die Schweinegrippe zu dem Zeitpunkt ihren Höhepunkt erreicht. Der Mediziner beruhigte mich, es sei wohl ein grippaler Infekt. Weil ich am Rande erwähnte, dass ich soeben aus Sierra Leone (einem Nachbarland Liberias, wo der Filmemacher Michael Glawogger an Malaria tropica starb) zurückgekehrt sei, schickte er mich in die Tropenstation des Kaiser-Franz-Josef-Spitals (KFJ) – nur zur Sicherheit, wie er meinte.

Auch dort dachte man an einen Infekt. Nach der Blutabnahme wurde ich nach Hause geschickt. Sollte sich der Malaria-Verdacht erhärten, würde man mich telefonisch verständigen. Ich fuhr mit meinem Auto nach Hause und konnte mich endlich wieder unter der Bettdecke verkriechen.

Dann der Anruf: Ja, Sie haben die gefürchtete Malaria tropica. Via Telefon klärte mich der Arzt auf, wie ich die Malaria-Tabletten zu dosieren hätte. Ich hatte noch genug von dem Zeug, weil ich meinte, auf eine Prophylaxe verzichten zu können. Nach drei Tagen, in denen die Pillen den Erreger niederhämmern sollten, stellte sich keine Besserung ein: Der Körper schmerzte weiter von Kopf bis Fuß.

Ich fuhr wieder ins KFJ, diesmal aber mit dem Taxi. Das Blut wurde neuerlich analysiert, die Werte waren jenseits. Zwar konnte die Malaria in fortgeschrittenem Stadium erfolgreich bekämpft werden, doch hatte mein Körper offenbar einen weiteren Entzündungsherd.

Ich wurde an Infusionen gehängt und stationär aufgenommen. Nach drei Tagen wurde ich entlassen, bis ich wieder der „Alte“ war, dauerte es aber zwei bis drei Monate. Erst danach sagten Freunde zu mir, dass ich anfänglich fürchterlich ausgesehen habe.