Spezialisierte Schmerzdienste in Spitälern bringen Vorteile für die Patienten.

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Diskussion
03/07/2014

Kompetente Schmerztherapie statt Sterbehilfe

Experten sehen Konnex zwischen Kostendruck im Gesundheitswesen und Diskussionen über aktive Sterbehilfe.

von Ingrid Teufl

Experten sehen in den Einsparungen im Gesundheitswesen einen Zusammenhang mit Diskussionen rund um aktive Sterbehilfe. Univ.-Prof. Hans Georg Kress, Leiter der Speziellen Anästhesie und Schmerztherapie an der Wiener MedUni sowie noch amtierender Präsident der Internationalen Schmerzgesellschaft formuliert es am Rande des derzeit in Wien stattfindenden 18. Internationalen Schmerzsymposium pointiert: "Natürlich ist aktive Sterbehilfe eine billigere Endlösung, als qualitative Schmerztherapie flächendeckend zu etablieren. Wenn ich als Patient keine konsequente Schmerzbehandlung bekomme, habe ich keine Wahl." Werden die Bedingungen in einem gut funktionierenden Gesundheitssystem derart verschlechtert, werde eine schlechte Alternative irgendwann in der Diskussion für gut befunden.

Schmerzen, die als unerträglich erlebt werden, zählen zu den häufigsten Motiven Schwerstkranker nach Tötung und Sterbehilfe. "Aus medizinischer Sicht ist der Wunsch nach Sterbehilfe - sofern er tatsächlich vom Betroffenen selbst kommt - immer ein Hilferuf", betont Kress. Mit kompetenter und umfassender Schmerztherapie tritt der Wunsch aber in den Hintergrund, weiß er aus eigener Erfahrung. Auch Studien belegen dies.

Einsparungen bei Akut-Schmerzdiensten

Die im Jänner 2014 bekannt gewordenen Kürzungen beim 24-Stunden-Akut-Schmerzdienst im Wiener AKH wurden beim derzeit in Wien stattfindenden 18. Internationalen Schmerzsymposium erneut diskutiert. Kress betont: Durch den Wegfall des seit 20 Jahren bestehenden Akutschmerz-Dienstrades könne es sein, dass Patienten lange Zeit nicht schmerzbehandelt werden.

"Ich konnte es nicht glauben, als ich von diesen Einsparungen gehört habe", kommentierte etwa Prof. Rolf-Detlef Treede die Entscheidung am AKH. Er ist Schmerzmediziner an der Universität Heidelberg und Kress' bereits gewählter Nachfolger als Präsident der Internationalen Schmerzgesellschaft. International sei es "vollkommen gegen den Trend", diese Angebote einzuschränken. Denn die Entwicklung gehe stark zu einer Ausweitung der Kapazitäten einer speziellen Schmerztherapie in Kliniken. "Ich hoffe, dass sich in Österreich die Vernunft durchsetzt."

Zudem belegen mehrere aktuelle Untersuchungen, dass spezialisierte, rund um die Uhr in Kliniken verfügbare Akutschmerzdienste Vorteile für Patienten sowie Erfolge in der Therapie bringen. Treede nennt Health Technology Asessment-Studie (HTA), mit denen Prozesse und Technologien in der Medizin überprüft werden. "Eine aktuelle HRA-Studie hat belegt, dass gut organisierte Akutschmerztherapie auf postoperativen und konservativen Stationen nicht nur wirksam, sondern auch kosteneffektiv ist - nicht zuletzt aufgrund einer Verkürzung der Liegezeiten." Viele der zunehmend etablierten, modernsten Operationsmethoden wie etwa die "Fast-Track-Chirurgie" wären ohne entsprechende Schmerztherapie gar nicht praktikabel. Bei diesen Methoden werden die Patienten operiert und sofort wieder mobilisiert.

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