Wissen 14.05.2018

Kleine Männer: Studie bestätigt Napoleon-Komplex

Napoleon Bonaparte war gar nicht klein. © Bild: public domain

Der Mangel an Größe wird mit aggressivem Verhalten ausgeglichen, wie ein Experiment zeigt.

Es gibt ihn wirklich, zumindest wenn man einer aktuellen Studie glaubt: den Napoleon-Komplex, der besagt, dass kleine Männer ihre mangelnde Größe durch ihr Verhalten kompensieren. Forscher der Universität Vrije in den Niederlanden fanden heraus, dass kleinere Männer sich in Wettkampf-Situationen aggressiver verhalten.

Die Wissenschaftler überprüften dies mithilfe eines psychologischen Experimentes, dem sogenannten Diktator-Spiel. Dabei wird zwei Personen eine bestimmte Menge Geld gegeben, von der einer dem anderen einen Teil anbieten muss. Dies kann auch null sein. Der andere muss den Betrag akzeptieren, kann diesen aber nicht beeinflussen oder den anderen für eine geringe Menge bestrafen. Die Forscher fanden heraus, dass kleinere Männer aggressiver reagierten, wenn sie im psychologischen Test antraten.

Große Menschen verdienen mehr

Insgesamt wurden 42 Freiwillige untersucht. Jeder erhielt eine kleine Summe Bargeld in Form von 18 Jetons und wurde gefragt, wie viel ihr Gegner erhalten sollte und wie viel er selbst behalten wollte. Die kleineren der teilnehmenden Männer (ungefähr 1,70 Meter groß) behielten im Schnitt 14 Jetons, während größere Männer (ungefähr 2 Meter groß) im Schnitt neun Jetons behielten. Für die Forscher bestätigt dies den Napoleon-Komplex.

Andere Studien haben gezeigt, dass große Menschen wohlhabender sind, erfolgreicher arbeiten, gesünder sind und ein besseres Liebesleben genießen als ihre kleineren Geschlechtskollegen. "Es ist wahrscheinlich klug, wenn kleine Männer sich so wie im Experiment verhalten, weil sie weniger Möglichkeiten haben, Ressourcen zu bekommen", sagte die Forscherin Jill Knapen gegenüber New Scientist.

Eine frühere holländische Studie zeigte auch, dass Männer, die etwa 1,50 Meter groß waren, in Beziehungen eher eifersüchtig waren als jene, die 2 Meter groß waren.

Napoleon war gar nicht klein

Der Name Napoleon-Komplex, auch Short-Man-Syndrom, besagt, dass kleinere Männer ihre Körpergröße mit besonders durchsetzungsstarken Persönlichkeiten kompensieren. Der Begriff wurde 1926 vom österreichischen Psychoanalytiker Alfred Adler benannt. Er kam auch auf die Idee des Minderwertigkeitskomplexes, bei dem Betroffene einen Mangel an Selbstwert aufweisen.

Der Bezug zu Napoleon ist etwas irreführend. Denn obwohl angenommen wird, dass Napoleon sehr klein war, war er tatsächlich 1,70 Meter groß. Im späten 18. Jahrhundert entsprach dies dem ungefähren Durchschnitt für einen Mann. Die Verwirrung entstand durch ein Porträt, das Napoleon neben ungewöhnlich großen Wachen zeigt.

Der Napoleon-Komplex hat Psychologen seit mehreren Jahrhunderten geteilt. Während die einen sagen, dass er ein wirkliches Phänomen beschreibt, sagen die anderen, dass es dafür keine Beweise gibt. Manche Studien schreiben etwa größeren Männern aggressiveres Verhalten zu, wenn sie provoziert wurden. Die Ergebnisse sind also nicht eindeutig.

( kurier.at , ege ) Erstellt am 14.05.2018