Wissen
31.08.2018

Kein Kick mehr für Junge: Warum Energydrinks verboten werden

Studien bestätigen gesundheitliche Risiken, die Briten führen eine Altersbeschränkung ein.

In der Werbung verliehen sie einst Flügel – in der Realität wird seit Jahren über die gesundheitlichen Risiken von Energydrinks diskutiert. Vier Jahre nachdem Litauen den Verkauf der Getränkedosen an Minderjährige 2014 untersagte, zieht jetzt Großbritannien nach: Premierministerin Theresa May kündigte das geplante Energydrink-Verbot im Rahmen des Childhood Obesity Plans an – ein Programm, dass Übergewicht bei Kindern bis 2030 halbieren will.

Vorreiter waren Diskonterketten: Bereits im März wurde von Aldi und Lidl in Großbritannien ein Verkaufsverbot der Dosengetränke an Teenager unter 16 Jahren auferlegt. Ob auch das allgemeine Verbot diese Altersgrenze haben wird, ist noch unklar – eine zweite Option wäre ein Verbot bis 18 Jahren. Damit ist Großbritannien das zweite Land, das Maßnahmen gegen den Konsum der koffeinhaltigen Getränke setzt.

Gesundheitsrisiken

Als Grund für das Verbot nannte Premierministerin May vor allem eine Regulierung des Zuckerkonsums – in Großbritannien gilt jedes zehnte Kind als übergewichtig.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist vor allem die Kombination aus Zucker und hohem Koffeingehalt bedenklich: „In einer Viertel-Liter-Dose ist ungefähr so viel Koffein enthalten, wie in einem großen Braunen, dazu kommen noch acht Würfel Zucker. Diese Kombination kann zu Nervosität, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und teilweise zu Herzrhythmus-Störungen oder auch zu einer Herzwandverdickung führen“, erklärt Maria Wakolbinger vom Institut für Public Health an der MedUni Wien.

„Durch den Konsum von Energydrinks überschreiten Kinder und Jugendliche schnell die Höchstgrenze von drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Zucker verstärkt die Wirkung von Koffein noch, es kommt bei der Empfindlichkeit aber auch auf das Gewicht an.“ Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese empfohlene Tagesdosis für Kinder, Jugendliche und Schwangere 2015 festgelegt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Verein Foodwatch haben sich schon zuvor für ein Verkaufsverbot von Energy Drinks an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ausgesprochen, in Deutschland wurden sogenannte „Energy Shots“ vom Bundesinstitut für Risikobewertung als „nicht sicher“ eingestuft.

Studien

Was ein übermäßiger Konsum von Energydrinks im Körper anrichtet, versuchten Forscher in zahlreichen Studien durch Befragungen und Tierversuche herauszufinden: So berichteten Jugendliche in US-amerikanischen und kanadischen Studien häufig von Herzrasen, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. US-Forscher gehen zudem davon aus, dass zu viele Energydrinks in Kombination mit Fastfood die Entwicklung des Gehirns bei Teenagern negativ beeinflussen könnten.

Auch der auf Partys beliebte Mix mit Alkohol sei gesundheitlich bedenklich – nicht zuletzt, weil die Wirkung des Alkohols dadurch weniger stark zu sein scheint und die Risikobereitschaft steigt. Welche Folgen ein jahrelanger Konsum von Energydrinks tatsächlich auf den Körper hat, konnte aber noch nicht untersucht werden – dafür fehlen Langzeitstudien über weitere Zusatzstoffe, erklärt Wakolbinger: „Energydrinks enthalten Taurin, über dessen Auswirkungen in Kombination mit Koffein und Zucker es noch keine Langzeituntersuchungen gibt.“

Ein generelles Verbot hält die Ernährungswissenschafterin dennoch nicht für sinnführend: „An Schulen sollten Energydrinks nicht verkauft werden dürfen. Noch wichtiger ist aber eine umfassende Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen der Getränke.“

Die Hersteller äußern sich zu den Risiken nicht, Red Bull beschreibt die Inhaltsstoffe seines Energydrinks auf der Homepage etwa als „unbedenklich.“ Flügel verleiht es jedenfalls keine – weswegen der Salzburger Konzern 2014 von einem Amerikaner wegen Falschwerbung verklagt wurde.