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Wespen und Bienen
08/12/2015

Insektengift-Allergie: Wann es wirklich bedrohlich wird

Kommt es nach einem Stich zu Schwindel oder Atemnot, muss sofort gehandelt werden.

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

An manchen Tagen bekommen wir derzeit bis zu vier Patienten mit einem allergischen Schock, ausgelöst durch einen Insektenstich." Das sagt Oberarzt Thomas Hawranek, Leiter der Allergie-Ambulanz an der Uni-Klinik für Dermatologie der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg. "So intensiv war es schon lange nicht."

20 Patienten mit Insektengiftallergien kommen derzeit wöchentlich ins Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien (FAZ): "Bei uns entspricht das dem langjährigen Schnitt", so Priv.-Doz. Stefan Wöhrl. Zwei Menschen sind heuer in Österreich bereits an den Folgen eines Wespenstichs gestorben. "Das Risiko wird unterschätzt", so Hawranek.

Keine Panik

Gleichzeitig warnen die Mediziner aber vor Panik: "Wer schon einmal eine heftige Reaktion auf einen Insektenstich hatte, sollte das ernst nehmen – aber ohne schwere Reaktion muss man sich nicht fürchten", so Wöhrl. Und, etwas überspitzt: "Eine vier Zentimeter große Schwellung rund um die Stichstelle ist normal. Erst ab Fußballgröße wird es für einen Allergologen interessant." Eine heftige Lokalreaktion alleine bedeutet kein erhöhtes Risiko für einen allergischen Schock – und auch keine Notwendigkeit für eine spezifische Immuntherapie.

Wann es Zeit für die Rettung wird

"Die Kardinalsymptome eines allergischen Schocks sind Schwindel und Atemnot", betont Wöhrl: "Treten sie auf, muss man sofort den Notarzt rufen." "Patienten, die noch nie gestochen wurden bzw. noch nie eine Reaktion gezeigt haben, sollten nicht getestet werden. Insektengiftallergien in der Familie alleine sind kein Grund für eine Immuntherapie. "

Drei Voraussetzungen

Für eine solche gibt es drei Voraussetzungen: "Ein Gespräch, ein Hauttest und ein Blutbefund." Ist die Diagnose eindeutig, kann die Immuntherapie mit einem Schnellschema begonnen werden – stationär in Spitälern. Hawranek: "Dazu werden die Patienten bei uns dreieinhalb Tage aufgenommen." Im Zwei-Stunden-Abstand erhalten sie insgesamt 17 Injektionen mit Insektengift. Bereits nach einigen Tagen wird so ein sicherer Schutz erreicht, bei der konventionellen Therapie dauert dies vier Monate. In beiden Fällen ist anschließend drei bis fünf Jahre lang eine monatliche Erhaltungstherapie notwendig.

Meist andere Todesursachen

"Bienen- oder Wespenstiche sind für rund die Hälfte aller gefährlichen Allergien bei Erwachsenen verantwortlich, bei denen es zu einer schweren, lebensbedrohlichen allergischen Reaktion kommen kann", sagt Wöhrl. Wobei die Patienten meist nicht direkt an der Insektengiftallergie sterben: "Die eigentliche Todesursache sind meist zusätzliche Faktoren – sei es ein Unfall, eine unglückliche Stichstelle im Hals, die z. B. zu einer starken Kehlkopfschwellung führt oder ein Asthmaanfall."

Gegen lokale Schwellungen wirkt Eis am besten, sagt Hawranek. Einen Bienenstachel sollte man entfernen, die Stichstelle "aussaugen" habe keinen erwiesenen Nutzen, so die Ärzte. Auch ein Vorteil von Behandlungen mit Wärme sei nicht erwiesen. Zwiebelscheiben wirken kühlend und entzündungshemmend.

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