Wissen und Gesundheit
10/20/2016

Hoher Blutdruck:Was ihn so gefährlich macht

Nur ein geringer Prozentsatz der Betroffen spürt ihn - Beschwerden trotz oft erst auf, wenn es bereits Gefäßschäden gibt.

Dr. Reinhard Preusser ist Facharzt für Innere Medizin in Wien-Liesing mit den Schwerpunkten Herz-Kreislauf, Diabetes, Hypertonie, Ultraschall-Diagnostik und Echokardiografie.

Ab wann sollte ein erhöhter Blutdruck behandelt werden?

Laut den Leitlinien ist prinzipiell eine medikamentöse Therapie ab einem Blutdruck von größer als 140/90 mmHg – das ist die Grenze zur Hypertonie, dem Hochdruck – angezeigt. Eine Ausnahme sind fitte, ältere Patienten über 80 Jahre, hier sind Werte bis 150 mmHg akzeptiert. Umgekehrt liegt bei Patienten mit bestimmten Begleiterkrankungen – z. B. Diabetes, Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Herz- oder Hirngefäße (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) – das Therapieziel unter 140 /90 mmHg, teilweise auch unter 130/80 mmHg.

Bei Patienten ohne Gefäßerkrankungen und nur gering erhöhtem Blutdruck ist es auch möglich, es zunächst nur mit einer Lebensstiländerung zu versuchen. Dazu sind aber zwei Voraussetzungen notwendig: Die Bereitschaft des Patienten und der Einsatz des Arztes.

Was ist bei der Lebensstiländerung wichtig?

Die Regelmäßigkeit. Entscheidend sind dauerhaft mehr Bewegung, Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme, Rauchstopp. Wobei das leicht gesagt, aber oft nur schwer getan ist: Für Menschen mit Gelenksproblemen ist mehr Bewegung nicht so einfach umzusetzen. Hier ist oft ein intensives Coaching notwendig, um die passenden Möglichkeiten ausfindig zu machen.

Bei Ausdauersport sind neben Laufen und Nordic Walking Wanderungen eine hervorragende Alternative – auch aufgrund ihrer langen Dauer. Sehr gute Effekte erzielt man auch mit Krafttraining. Wer spezielle Übungen zur Stärkung bestimmter Muskelgruppen täglich so automatisch ausführt wie das Zähneputzen, kann damit den Blutdruck deutlich senken. Ich habe Patienten, die eine Hypertonie Grad 1 (140– 159 /90–99 mmHg) nur mit Lebensstilumstellung weggebracht haben.

Warum ist hoher Blutdruck so gefährlich?

Nur ein geringer Prozentsatz der Betroffenen spürt den Bluthochdruck. Kommt es zu Symptomen wie Kopfschmerz oder Schwindel, ist der Blutdruck meist schon sehr hoch, und es sind häufig bereits Gefäßschäden aufgetreten. Deshalb ist regelmäßiges Messen wichtig. Für Selbstmessungen gilt: Unbedingt vor dem Messen fünf Minuten lang entspannen und ruhig sitzen.

Patienten mit Bluthochdruck klagen oft, dass sie die Medikamente nicht vertragen.

Es stimmt, dass viele auf die Medikamente zu Beginn mit Müdigkeit reagieren. Häufig ist das eine Folge einer zu raschen Absenkung des Blutdrucks und bessert sich innerhalb weniger Tage. Falls nicht, ist eine Umstellung auf eine andere Medikamentenkombination in Erwägung zu ziehen. Gerade in der Phase der optimalen Einstellung der Therapie ist eine intensive Arzt-Patienten-Kommunikation notwendig.