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19.03.2018

Grabungen in Kom Ombo am Nil sind vielversprechend

Österreichische Archäologen haben eine neues Projekt in Ägypten. Teile eines Friedhofs haben sie bereits freigelegt.

Wer je eine Nilkreuzfahrt von Luxor nach Assuan gemacht hat, hat folgende Szene wohl noch vor seinem inneren Auge: Der mächtige, ruhig dahingleitende Fluss, eine Biegung und plötzlich, etwas erhöht – der Tempel von Kom Ombo. Natürlich: Der Tourismus hat in Ägypten schon bessere Zeiten gesehen, trotzdem legen auch jetzt Schiffe ganz nahe am Tempel aus der griechisch-römischen Zeit an. Neuerdings hat der 75.000-Seelen-Ort am Nil allerdings auch eine andere Attraktion: Ein österreichisch-ägyptisches Grabungsteam.

"Die Reisenden gehen direkt an unserer Grabung vorbei", berichtet Irene Forstner-Müller. Die Leiterin der Zweigstelle Kairo des Österreichischen Archäologischen Institutes (ÖAI) hat sich in Ägypten auf die Suche nach einer neuen Grabung gemacht.

Bedeutende Grabung

War bis 2010 die Grabung Tell el-Daba (das alte "Avaris" war das Kairo der Antike) im Nildelta über fast 50 Jahre das Vorzeige-Projekt der österreichischen Archäologen, wurde Forstner-Müller jetzt 45 Kilometer nördlich von Assuan und 120 Kilometer südlich von Luxor fündig: "Und weil mein Fachgebiet und das des Instituts Urbanistik – also Stadtforschung – ist, sind wir auf Kom Ombo gekommen. Das war ein Platz, der nie richtig beachtet wurde."

Ein Fehler, wie sich bereits nach den ersten fünf Wochen Grabung herausstellte. Denn die ägyptisch-österreichische Mission entdeckte Überreste, die bis ins 3. Jahrtausend v. Christus zurückreichen, wie sie dem KURIER exklusiv verriet: "Die Geschichte von Kom Ombo muss umgeschrieben werden."

Bisher war der Ort Forschungsniemandsland. Gut, der Tempel wurde untersucht, doch die Stadt rundherum nicht. "Sechs Hektar sind erhalten und als Antikenland auch geschützt", sagt die Archäologin. "Doch bei unseren ersten Untersuchungen hat sich gleich herausgestellt, dass die Stadt viel größer war. Unsere Funde zeigen, dass die Geschichte der Stadt jedenfalls im Alten Reich beginnt, und dass Kom Ombo eine wichtige Stadt war."

Alles begann im Vorjahr, als dort eine Notgrabung gemacht werden musste: Eine US-Firma war beauftragt worden, den Grundwasserspiegel zu senken, weil der Tempel bedroht ist. "Sie wollten Pumpen verlegen und ein Kontrollgebäude bauen."

Doch vorher musste dort archäologisch gearbeitet werden, "und wir sind sofort auf ganz spannende Dinge gestoßen – zum Beispiel einen Friedhof der Ersten Zwischenzeit (siehe Zeitleiste oben), wo die Toten regelrecht hineingeschaufelt worden waren."

Neugier

Weil Forstner-Müller neugierig ist, schaute sie noch tiefer – und stieß auf eine Schicht aus Nilschlamm. "Da dachten wir schon, es ist vorbei. Doch dann haben wir darunter ein Hauseck aus Stein mit einer Schwelle und einem Boden mit gelber Farbe entdeckt – die Stadt des Alten Reiches." Nubische Keramik nicht zu vergessen , und einen Rollsiegelabdruck des Königs Sahure aus der 5. Dynastie.

Noch kennt die Archäologin die Bedeutung von Kom Ombo in dieser Zeit nicht, ist aber sicher, dass es eine bedeutende Verwaltungsstadt mit Beamten und Schreibern war: "Ein Kollege hat es auf den Punkt gebracht: ,Ein Ort mit Potenzial‘."

Forstner-Müller stellt sich Fragen: "Kom Ombo hieß in der Antike Nubet, das bedeutet die Goldene. Warum? War Kom Ombo eine Expeditionsstadt, von der aus jene loszogen, die vom Roten Meer zu den Goldminen in Nubien wollten?"

Die österreichische Archäologin ist bereit für mehr – "Forschungsförderungsanträge werden gerade vorbereitet, im Herbst soll es weitergehen."