Wissen und Gesundheit
02.12.2016

Gibt es einen Schlaganfall im Schlaf?

© Bild: /Ernst Mauritz

Was die zahlreichen Besucher des KURIER-Gesundheitstalk wissen wollten.

"Kann man einen Schlaganfall im Schlaf bekommen?", lautete eine Frage. "Ja, und möglicherweise wachen Sie nicht auf, sondern bemerken erst in der Früh, dass eine Körperhälfte gelähmt ist", antwortete Univ.-Prof. Eduard Auff, Vorstand der Klinik für Neurologie der MedUni Wien. Auch in diesem Fall muss man sofort die Rettung rufen. Auff war einer der Podiumsdiskutanten beim Gesundheitstalk zum Thema "Schlaganfall" von KURIER, MedUni Wien und Novartis Mittwochabend in Wien.

"Leider kommen immer wieder Patienten erst 24 oder 48 Stunden nach Beginn der Symptome", so Auff. Dann aber sind bestimmte Therapien zur Auflösung oder Entfernung eines Blutgerinnsels nicht mehr möglich.

Empfindliches Organ

Doch auch rasches Handeln ist keine Garantie dafür, dass alles wieder so wird wie vorher, betont Prim. Walter Kreuzig, Privatklinik Lassnitzhöhe: "Es ist zum Teil das Wesen dieser Erkrankung, dass trotz der besten Akutmedizin etwas zurückbleiben kann." Denn kein Organ reagiere so empfindlich auf Sauerstoffmangel wie das Gehirn.

"Gibt es spezielle Arten von Salz, die weniger stark den Blutdruck beeinflussen?", will eine Gesundheitstalk-Besucherin wissen. "Nein", antwortet Kreuzig: "Salz ist immer Salz, egal, ob es aus dem Himalaja, dem Salzkammergut oder aus dem Toten Meer stammt. Es kommt immer auf die Menge an. Und fast alle von uns nehmen zu viel – in vielen Produkten verstecktes – Salz zu sich. Bei Bluthochdruck ist es sinnvoll, hier zu reduzieren."

"Ändert sich die Persönlichkeit nach einem Schlaganfall?" – "Wenn ganz bestimmte Hirnareale betroffen sind, kann es zu Veränderungen, etwa zu Depressionen, kommen", antwortet Auff: "Mit einer individuellen Therapie etwa mit Neuropsychologen, Ergo- oder Sprachtherapeuten setzen wir dann sehr gezielt an."

Tägliches Aspirin?

Ein anderer Gesundheitstalk-Besucher will wissen, ob man vorbeugend zum Schutz der Gefäße täglich eine niedrige Dosis Aspirin einnehmen soll. "Nur, wenn bereits eine Einengung der Gefäße diagnostiziert ist und ein Arzt das verordnet, um ein Fortschreiten zu verhindern", so Auff. "Von einer Eigenmedikation ist dringend abzuraten", betont Kreuzig. Studien mit Gesunden hätten gezeigt, dass sie dadurch (im Vergleich zur Einnahme von wirkstofffreien Placebos) zwar weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle bekamen, dafür aber mehr Magen-Darm-Blutungen.

Herbert Winterleitner, 45, erlitt vor 25 Jahren selbst eine Halbseitenlähmung und macht mit seinem Engagement anderen Mut: "Man muss selbst mitmachen. Sich nur auf die Reha zu verlassen, das ist zu wenig. Du musst tagtäglich an dir arbeiten."

Nächster Gesundheitstalk (Thema Leukämie) am 25. 1., 18.30 Uhr, Van-Swieten-Saal der MedUni Wien (9., Van-Swieten-Gasse 1a)

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