Wie man Long Covid in den Augen erkennen kann

Wie man Long Covid in den Augen erkennen kann
Ein deutsches Forscherteam entdeckte einen neuen Ansatz, wie Long Covid diagnostiziert werden kann.

Etwa zehn bis 35 Prozent aller Covid-Infizierten entwickeln längerfristige Symptome wie Atemprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Erschöpfung (Fatigue). Das als Long Covid bezeichnete Syndrom hat viele Gesichter, was die Diagnose erschwert. Bislang sind keine messbaren körperlichen Merkmale, sogenannte Biomarker, bekannt, anhand derer sich eine Long-Covid-Erkrankung sicher diagnostizieren lässt.

Ein deutsches Forscherteam entdeckte nun allerdings einen Ansatz, wie dies über die Augen möglich wäre. Denn: Bei einer Covid-Infektion verändern sich die Blutgefäße. Betroffen ist hier insbesondere die Gefäßinnenwand. Durch die Veränderungen werden Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt.

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Hinweis auf Zustand der Blutgefäße im gesamten Körper

Bislang wurden vor allem große Blutgefäße erforscht. "90 Prozent der Endothelzellen des Körpers (Zellen der Gefäßinnenwand, Anm.) befinden sich aber in kleinen und kleinsten Äderchen. Was mit diesen Blutgefäßen bei Long Covid geschieht, ist kaum bekannt", wird Studienleiter Christoph Schmaderer von der Technischen Universität München zitiert.

Die Blutgefäße im Auge könnten aber einen Hinweis auf den Zustand der kleinen Blutgefäße im gesamten Körper bieten. Sie seien für die Untersuchung leicht zugänglich, die notwendigen Verfahren und Geräte sind erprobt und erfordern keinen Eingriff in den Körper, heißt es vonseiten der Forscherinnen und Forscher.

Besonders zwei Werte zeigten einen starken Zusammenhang mit Long-Covid-Erkrankungen: Einerseits waren Arteriolen, das sind kleinste Arterien, bei Long-Covid-Betroffenen im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe deutlich verengt. Andererseits zeigten Venolen – das sind feinste Gefäßverästelungen im Auge – eine veränderte Reaktion auf Lichtreize. Die Arteriolen reagierten nicht verändert auf Lichtreize.

Leuchtet man mit einem flackernden Licht ins Auge, erweitern sich die Blutgefäße. Bei Patientinnen und Patienten mit Long Covid war diese Reaktion deutlich verringert. Die Äderchen im Auge sind bei Long Covid verengt oder erweitern sich weniger.

 

Wie man Long Covid in den Augen erkennen kann

Bei einer Augenuntersuchung können der Durchmesser kleinster Blutgefäße (links) und die Erweiterung der Gefäße als Reaktion auf Lichtimpulse (rechts) gemessen werden. Beide sind bei Menschen mit Long Covid verändert.

Mehr Entzündungsmarker, mehr Veränderungen im Auge

Je mehr Entzündungsmarker im Blut der insgesamt 41 Studienteilnehmenden gemessen wurden, desto ausgeprägter waren die Veränderungen. Diese anhaltenden Entzündungsreaktionen sind bisherigen Studien zufolge vermutlich ein weiterer Faktor für Long Covid.  

Die deutschen Forscherinnen und Forscher sprechen sich dafür aus, dass weitere Studien dazu erfolgen sollten, um einen zuverlässigen Test für Long Covid über die Augen entwickeln zu können. "Ich bin zuversichtlich, dass auf Grundlage unserer Ergebnisse ein Werkzeug entwickelt werden kann, um Long Covid sicher zu diagnostizieren", sagt Christoph Schmaderer. "Wir gehen zudem davon aus, dass die Mikrozirkulation nicht nur im Auge, sondern auch in anderen Teilen des Körpers eingeschränkt ist. Dadurch könnte die Methode insbesondere dafür geeignet sein, um die Wirksamkeit zukünftiger Therapien für Long Covid zu beurteilen."

Schon frühere Untersuchungen zeigen, dass zumindest bei einem Teil der Long-Covid-Betroffenen die Durchblutung der Netzhaut gestört ist. Mögliche Ursache dafür ist, dass die verminderte Durchblutung im Auge eine Störung in den kleineren Gefäßen des gesamten Körpers widerspiegeln könnte.

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