© EPA/Gustavo Amador

Wissen Gesundheit
07/18/2021

Wie das Strecken von Impfstoffen armen Ländern helfen könnte

Eine Studie untersucht die Immunantwort, wenn man nur ein Viertel der Impfdosis bekommt.

Weltweit wurden bisher rund 3,6 Milliarden Covid-19-Vakzine-Dosen abgegeben. Täglich kommen rund 30,5 Millionen hinzu. Trotzdem haben erst etwa 26 Prozent der Weltbevölkerung zumindest eine Dosis erhalten. Ein "Strecken“ von Vakzinen könnte eine Möglichkeit sein, das zu beschleunigen.

So wirken laut einer US-Studie auch zwei Teilimpfungen mit jeweils einem Viertel der normalen Dosis des Moderna-Impfstoffes ausreichend.

Die Studie von Jose Mateus vom La Jolla Institute for Immunology in den USA ist auf dem Preprint-Server "MedRxiv“ bereits erschienen. Eine Begutachtung durch ein Fachleutegremium (Peer Review) steht noch aus.

"Das Forscherteam aus La Jolla untersuchte nun systematisch, inwieweit eine auf ein Viertel reduzierte Dosis des mRNA-1273-Impfstoffs (also 25 Mikrogramm statt hundert Mikrogramm) nachhaltig impfstoffspezifische CD4-positive und CD8-positive-T-Zellen sowie bindende und neutralisierende Antikörper zu induzieren vermochte“, schrieb jetzt die deutsche Pharmazeutische Zeitung.

Einerseits sollen Vakzine B-Zellen zur Produktion von spezifischen Antikörpern gegen Krankheitserreger anregen, andererseits sollen speziell gebildete T-Lymphozyten für die Beseitigung von infizierten Zellen sorgen.

Die Immunantwort war so stark wie bei Genesenen

Die US-Wissenschafter analysierten noch einmal alte Studiendaten. Sie untersuchten die Daten von Probanden, die im Rahmen einer Studie der Phase-I für die Moderna-Vakzine nur ein Viertel der schließlich weltweit zugelassenen Standarddosis erhalten hatten. Solche frühe Studien mit Probanden dienen ja auch der Dosisfindung. Anmerkung: Allerdings grassierte damals nicht die Delta-Variante.

Die ersten Tests fanden sieben Monate nach der ersten Dosis statt.

Laut der Studie, konnte bei den Probanden eine anhaltende Präsenz von das Spike-Protein von SARS-CoV-2 bindenden Antikörpern nachgewiesen werden. Das immunologische Ansprechen war etwa so stark wie man es bei genesenen SARS-CoV-2-Patienten sieht.

Die zweite Untersuchung erfolgte sechs Monate nach der zweiten Impfdosis (wiederum 25 Mikrogramm statt hundert Mikrogramm). Auch zu diesem Zeitpunkt waren CD4-positive Gedächtniszellen gegen SARS-CoV-2 "in guter Quanittät und Qualität nachweisbar“ laut der Pharmazeutischen Zeitung, ebenso andere an der Immunantwort beteiligte Abwehrzellen. So bildeten 88 Prozent der Probanden auch zytotoxische CD8-positive T-Zellen aus.

Biontech hat selbst eine Studie gestartet

Spike-spezifische IgG-Antikörpertiter blieben bei allen Probanden für mindestens sieben Monate nach der ersten Impfung auf einem nachweisbaren Niveau. IgG-Antikörper gegen die Rezeptor-Bindungsdomäne (RBD) des Virus wurde durch eine einzelne Immunisierung bei 94 Prozent der Probanden entdeckt. "Diese Ansprechrate stieg nach der zweiten Immunisierung auf hundert Prozent und blieb für mindestens sechs Monate nach der zweiten Impfung stabil“, schrieb die Fachzeitschrift.

Bei der wissenschaftlichen Untersuchung handelt es sich um die Analyse von in der Vergangenheit erhobenen Daten. Biontech/Pfizer hat laut dem Fachblatt aber bereits eine neue Studie mit reduzierten Impfstoffdosen seiner mRNA-Vakzine gestartet. Dabei wird die Standarddosis direkt mit einer geringeren Dosis in einer Studie verglichen.

Die Pharmazeutische Zeitung verwies auch auf ein Arbeitspapier von Alexander Tabarrok vom Becker Friedman Institute for Economics an der University of Chicago (USA). Demnach sei "eine halbe Dosis für eine ungeimpfte Person nützlicher als eine volle Dosis in einem Jahr“, womit der weltweit bestehende Zeitdruck für die SARS-CoV-2-Impfungen betont wird.

Bei Durchimpfungsraten von wenigen Prozent in den ärmsten und bevölkerungsreichen Staaten der Erde kann es kein Wunder sein, wenn das Virus weiterhin grassiert und ständig neue und potenziell gefährlichere Mutationsvarianten auftreten.

Das "Strecken“ von Impfstoffdosen ist aus einer anderen Anwendung bekannt. Seit 2016 konnten Millionen zusätzlicher Menschen in Afrika und Südamerika erfolgreich gegen Gelbfieber geimpft werden, da die ursprüngliche Impfdosis auf ein Fünftel reduziert wurde, wie die Zeitschrift schreibt.

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